Das Malchiner Ehrenbuch wurde zur 750-Jahr-Feier 1986 angelegt, damals gleich mit dem Eintrag einer Ehrenbürgerschaft. Se
Das Malchiner Ehrenbuch wurde zur 750-Jahr-Feier 1986 angelegt, damals gleich mit dem Eintrag einer Ehrenbürgerschaft. Seitdem ist diese Auszeichnung aber offenbar nicht mehr verliehen worden. Thomas Koch
Einwohner wollen es wissen

Malchin sucht seine Ehrenbürger

Es ist die höchste Auszeichnung, die eine Stadt zu vergeben hat – die Ehrenbürgerschaft. Doch wer ist in Malchin alles Ehrenbürger?
Malchin

Die Frage kam für Malchins Stadtväter völlig überraschend auf einer Einwohnerversammlung: Der Malchiner Udo Dohms wollte wissen, ob die Stadt außer Rudolf Fritz denn noch weitere Ehrenbürger hat.

Im Rathaus begann nun die Suche, die sich allerdings als gar nicht so einfach herausstellte. Offenbar hat sich in den vergangenen 30 Jahren noch niemand so richtig dafür interessiert, wem die Stadt diese höchste Ehre zuteil werden ließ. Und damit stand wohl auch noch nicht die Frage, ob auf Malchins Ehrenliste vielleicht nicht auch noch der ein oder andere Name steht, den man lieber hier nicht mehr lesen will und dann vielleicht per Stadtvertreter-Beschluss tilgen müsste.

„Wir haben alle Bücher durchgeschaut. Doch viel steht da wirklich nicht drin“, berichtet Bürgermeister Axel Müller (CDU). Urkunden für Ehrenbürgerschaften seien im Rathaus keine mehr auffindbar. Allerdings lassen sich beim Durchblättern des 1986 zur 750-Jahr-Feier Malchins angelegten Ehrenbuchs dann tatsächlich zwei Namen finden.

Mit Anwesenheit genervt

So wurde zu diesem Stadtjubiläum ein gewisser Emil Stiefel Ehrenbürger von Malchin. Stiefel war damals Malchiner Ortssekretär der DDR-Staatspartei SED. Das scheint aber auch schon sein einziges „Verdienst“ gewesen zu sein. Von älteren Malchinern ist zu hören, dass der Genosse Stiefel immer überall dabei sein wollte und mit seiner Anwesenheit oft einfach nur noch genervt habe.

Einem Eintrag im Ehrenbuch vom 10. Dezember 1989 ist es zu verdanken, dass der Name eines weiteren Malchiner Ehrenbürgers überliefert ist. Damals war der „Genosse Oberst der Sowjetarmee im Ruhestand“ Krivzuk Wasiljewitsch in Malchin zu Gast, der in dem Buch als Ehrenbürger geführt wird. Wasiljewitsch war in den Jahren 1952 bis 1955 stellvertretender Stadtkommandant in Malchin. Wann und warum ihm die Ehrenbürgerschaft von Malchin verliehen wurde, geht aus dem Eintrag aber nicht hervor. Genauso rätselhaft ist, warum ein ehemaliger Oberst der Sowjetarmee sich ausgerechnet im Wendeherbst 1989 in Malchin blicken ließ.

Vom Kaufmann Rudolf Fritz ist dagegen im Malchiner Ehrenbuch nichts zu lesen. Der soll die Auszeichnung auch bereits in den 1930er Jahren bekommen haben, wie Udo Dohms berichtet, der im Heimatverein die Arbeitsgruppe „Denkmal“ leitet. Rudolf Fritz sei ein überaus erfolgreicher und auch vermögender Kaufmann gewesen, der mit seinem Geld viel für die Stadt getan habe. So soll er zum Beispiel Malchin das Gymnasium bewahrt haben. Über seine Ehrenbürgerschaft wird in verschiedenen Dokumenten berichtet, die das Museum aufbewahrt. Eine Ehrenbürger-Urkunde ist aber auch bei Rudolf Fritz nicht erhalten.

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