Die Tischler in Malchin beklagen hohe Kostensteigerungen. Das wirke sich auch auf die Preise für Kunden aus.
Die Tischler in Malchin beklagen hohe Kostensteigerungen. Das wirke sich auch auf die Preise für Kunden aus. Maurizio Gambarini
Inflation

Malchiner Tischlermeister berechnet jetzt sogar seine Anfahrtskosten

Die Inflation geht um in der Malchiner Region. Die steigenden Kosten spüren auch die Handwerker in den Tischlereien. Wie aber gehen sie mit dem Kostendruck um?
Malchin

Da steckt der Holzwurm drin – so könnten die Tischlereien in Malchin die Preisentwicklung im Einkauf beschreiben. Die Kosten sind in nahezu allen Bereichen gestiegen: Holz, Glas, Farbe, Kunststoff und Aluminium, Maut, Energie. Zwei von drei angefragten Tischlereien sprechen von Steigerungen von bis zu 15 Prozent. Ein Geschäft spricht gar von 25 Prozent höheren Preisen bei Holz. Der Tischlermeister Rainer Jung berechnet für die Kunden jetzt sogar seine Anfahrtskosten.

Teilweise keine langfristigen Lieferverträge mehr

Beim Material seien teils nur noch Tagespreise und keine langfristigen Verträge mit Lieferanten mehr möglich. Dabei sind es gerade die langfristigen Vereinbarungen, die für Preisstabilität im Handwerk sorgen. Ein Ende des Kostendrucks sei nicht in Sicht, so die Handwerker.

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Die Inflation habe mit Lieferengpässen in der Corona-Pandemie begonnen und sich seit dem Ukraine-Krieg erneut verschärft, heißt es. Die höheren Spritpreise seien mitverantwortlich, denn damit steigen auch die Transportkosten für das Material. Dazu kommen Personalausfälle bei Lkw-Fahrern wegen Corona-Infektionen.

Preise werden an die Kunden weitergegeben

Ein Kunststoff-Werk, das Haustürfüllungen herstellt, sei wegen der Flutkatastrophe im Ahrtal still gelegt worden – zusätzliche Kostensteigerungen waren die Folge, sagt etwa Tischlermeister Rainer Jung. Man müsse auch unterscheiden zwischen einem Zimmerer, der günstig Holz im Wald schlagen kann, und Tischlereien, die auf Industrieholz angewiesen sind, das durch drei Hände geht.

Die Preise müssen an den Kunden weitergegeben werden, heißt es. Dabei müssen die Handwerker genau abwägen, weil die Angebote in der Regel sechs bis acht Wochen gültig sind. Jung berechne im Gegensatz zu früher jetzt auch die Anfahrtskosten – das müsse er tun wegen der hohen Benzinpreise. Die Kunden würden den Kostendruck ebenso spüren und teilweise weniger Aufträge erteilen. Das gelte auch für das Gewerbe und den öffentlichen Sektor.

Einige Bauprojekte wie der Neubau einer Grundschule in Waren seien wegen explodierender Baukosten bereits verschoben worden, erklärt der Tischlermeister. Er hofft, dass die Inflation bald ein Ende hat und sich die Preise wieder normalisieren.

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