DDR-Behördenwillkür
Malchinerin sucht ihre entrissenen Töchter

Geburtsurkunde und Versicherungsausweis sind das Einzige, was Karin Manthey von ihren Kindern geblieben ist. Ihr größter Wunsch ist es, ihre Töchter wiederzufinden.
Geburtsurkunde und Versicherungsausweis sind das Einzige, was Karin Manthey von ihren Kindern geblieben ist. Ihr größter Wunsch ist es, ihre Töchter wiederzufinden.
Kirsten Gehrke

Karin Manthey aus Malchin hat 30 Jahre nichts von ihren zwei Kindern gehört, weiß nicht, wie sie aufgewachsen sind. In der DDR wurden ihr ihre zwei Mädchen weggenommen.

Es ist ein Schmerz, der nie weg geht. Karin Manthey könnte jeden Tag heulen. Tag und Nacht denkt sie an ihre beiden Töchter, die sie eigentlich kaum kennt. „Ich mache mir solche Sorgen“, sagt sie. Nicht zu wissen, was aus ihnen geworden ist, das quält sie. Die Gedanken lassen sie nicht los. Über 30 Jahre hat sie von Katrin und Monika nichts mehr gehört. Dabei würde sie so gern beide wiedersehen und ihnen alles erklären.

Der 59-jährigen Malchinerin fällt es nicht leicht, ihre traurige Geschichte zu erzählen. Sie hält zwei Dokumente in der Hand: eine Geburtsurkunde und einen roten Sozialversicherungs- und Impfausweis. Das sei das Einzige, was sie von ihren Mädchen noch habe. Beides hütet sie wie einen Schatz und hofft, dass sie damit ihre Töchter wiederfindet.

Immerzu kam jemand vom Jugendamt

Damals hieß Karin Manthey noch Vogel. Inzwischen hat sie ihren Mädchennamen wieder angenommen. Ihre Katrin wurde am 4.  Oktober 1984 in Malchin geboren, ihre Monika am 27.   Mai 1986. Die Malchinerin war mit 26 Jahren das erste Mal schwanger. Sie freute sich auf ihr Kind, hatte alle Babysachen besorgt. Doch die Jugendhilfe ließ ihr offenbar nicht lange ihre Tochter. Immerzu sei jemand gekommen, um die häuslichen Verhältnisse zu kontrollieren, erzählt sie. Damals habe sie noch bei der Mutter gewohnt, die ihr geholfen habe.

Als Katrin etwa ein Jahr alt war, sei das Mädchen mit einer Lungenentzündung nach Teterow ins Krankenhaus gekommen. Karin Manthey war damals gerade auf Arbeit – bei der Stadtwirtschaft war sie beschäftigt, als ihre Mutter sie aufgeregt angerufen hatte. „Mir hat man dann einfach mein Kind weggenommen“, erzählt die 59-Jährige mit einem Kloß im Hals. „Ich habe nur geheult.“ Sie weiß nur noch, dass die Kleine ins Kinderheim nach Gielow kam, wo sie sie zunächst auch besuchen durfte. Als Katrin etwa drei Jahre alt war, sei sie dann aber irgendwo anders hingekommen. „Wohin, weiß ich nicht.“

Zweites Kind nicht ein Mal gesehen

Ihre zweite Tochter hingegen hat sie nie kennengelernt. Als Monika im Mai 1986 auf die Welt kam, habe man sie ihr gleich weggerissen. Sie habe sie nicht einmal sehen dürfen. „Ich habe nur den Schrei gehört“, sagt die Malchinerin. „Sie haben sie gleich raus gebracht.“ Erfahren habe sie nur, dass sie nach Waren gekommen sein soll. Die Willkür der DDR-Behörden habe sie damals nicht verstanden. Man habe ihr nicht zugetraut, dass sie sich um die Töchter ordentlich kümmern kann. „Sie haben gedacht, dass ich den Kindern nichts beibringen kann“, vermutet Karin Manthey. „Wenn sie mir wenigstens eine Chance gegeben hätten, aber das haben sie nicht.“

Die Jugendhilfe habe sie dann massiv bedrängt, dass sie ihre Mädchen zur Adoption freigibt. „Dann haben sie gesagt, dass ich keinerlei Rechte mehr habe.“ Für die Malchinerin brach eine Welt zusammen. Sie weiß nicht, wie die beiden aufgewachsen sind, ob es ihnen gut geht, was sie heute machen. Nach der Wende hoffte die 59-Jährige, dass man ihr im Standesamt im Rathaus helfen könnte, wo Katrin und Monika jetzt leben. Dort aber habe man ihr nichts sagen dürfen, aus Datenschutzgründen.

„Ich würde mich so freuen”

Deshalb fasste sich die Malchinerin jetzt ein Herz und geht an die Öffentlichkeit. „Jeder will doch wissen, wer seine leibliche Mutter ist“, glaubt Karin Manthey. Sie wünscht sich nichts mehr, als dass sich ihre Töchter bei ihr melden und sie ihnen alles erzählen kann. Alt genug seien sie, dass sie das allein entscheiden können. „Ich würde mich so freuen, wenn ich sie sehen könnte“, meint sie.

Die 59-Jährige führt ein bescheidenes Leben. Sie strickt gern, sammelt Figuren, liebt Katzen. Das alles kann sie aber nicht davon ablenken, an ihre Kinder zu denken. „Meldet euch“, fleht sie. Die Nordkurier-Redaktion stellt gern den Kontakt her.

Tumulte in Sassnitz: Im Februar protestierten zwei Frauen vor einer Stadtvertreter-Sitzung in Sassnitz. Auch sie wissen nicht, was in der DDR mit ihren Kindern geschehen ist. Offiziell sind sie gestorben.

Kommentare (10)

Dass der Staat einer Mutter zwei kleine Kinder wegnimmt passiert heute zum Glück nur bei schwerster Misshandlung und Gefahr für Leib und Leben. In der DDR war das anders. Menschen konnten entrechtet werden. Einfach so.

Halbmüll der Artikel. Keiner Mutter wurden und werden die Kinder grundlos weggenommen, auch in der DDR nicht. Der wahre Grund wird wiedermal verschwiegen, Hauptsache man kann wiedermal die DDR durch den Dreck ziehen. Hier mal eine Vermutung, asoziale Lebensweise, wäre ein Grund gewesen in der DDR die Kinder entzogen zu bekommen. Frage: Warum bemüht sie sich erst jetzt , fast 30 Jahre nach der Wende um ihre Kinder? Warum Rücken die heutigen Behörden nicht mit den Unterlagen heraus, wenn die DDR doch so böse war? Datenschutz? Schwachsinn, wenn eine Mutter ihre Kinder sucht! Vielleicht sind die Ursachen in den ehemaligen Deutsch- Deutschen Beziehungen zu suchen, wo niemand bei der Obrigkeit will, das da rumgewühlt wird und womöglich noch irgendwelche Schweinereien ans Licht kommen.

waren die Gründe für die Kindesentziehungen durch den Staat in der DDR zweitrangig. Hielten sie die Mutter für zu dumm? Wollte sie nicht bei der Stasi mitmachen? Fakt ist: Kindesentziehung wurde als Druckmittel eingesetzt und in seltenen Fällen auch umgesetzt. Das Lebensglück ganzer Familien wurde so ungefragt zerstört. Und das ist nicht nur ein nicht mehr wieder gut zu machendes Unrecht! Es ist auch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!

Beweisen Sie es wenn es Fakt ist!!!!!!

war nicht von ungefähr der erfolgreichste Geheimdienst der Welt. Sie haben die gefürchteten Gestapo-Methoden perfektioniert. Es gab keine Tabus. Jedes erdenkliche Mittel wurde auch eingesetzt. Jahrelange Totalüberwachung, Studienverbot für die Kinder, Einzelhaft, Folter und eben auch die Drohung mit Kindesentzug. In "Das Leben der Anderen" wird dies ansatzweise gezeigt. Jedes Schulkind sollte diesen Film gesehen haben.

Der DDR wurde viel Verbrechen begangen

"Der DDR wurde viel Verbrechen begangen " In der BRD nicht...

Die Verbrechen, was die Staatsmacht an die Bürger gemacht hat, die Volterungen von der Stasi an den Bürger. Das waren Gestapomethoden.

Ich würde einen Antrag bei der zuständigen Rehabilitierungsbehörde nach den SED-Unrechts-Bereinigungsgesetzen stellen, was noch bis zu einem bestimmten Stichtag in 2019 möglich ist. Unbedingt die Frist einhalten, denn es ist nicht sicher, ob sie noch einmal verlängert wird. Es soll wohl im Koalitionsvertrag vereinbart sein, dass man sich um eine Verlängerung bemühen will, aber das ist ja noch keine Entscheidung. Ob es wirklich als Fall von Unrecht zu bewerten ist, kann man so bestimmt nicht genau sagen, weil ja jeder Fall anders ist. Dass die Ämter Auskünfte verweigern, ist bei durchgeführten Adoptionen wohl üblich, aber auch hier kann man letztlich im "Rechtsstaat" klagen (auf Auskunftserteilung oder Akteneinsicht zum Beispiel). Der Haken ist höchstens, dass man bei fehlendem Geld sich um Prozesskostenhilfe oder Verwaltungshilfe / ähnliche Regelung für freiwillige Gerichtsbarkeit und Familienrecht kümmern müsste, was evtl. ein Anwalt übernehmen kann. Das Verfahren vor dem Rehabilitierungsamt ist aber sicherlich kostenlos! Sowohl Standes- als auch Jugendamt könnte man auf Auskunft verklagen und es bleibt auch zu klären, ob die Akten nicht bereits in staatlichen oder kommunalen Archiven sanft entschlummert sind oder sogar die Behörde für die Stasi-Unterlagen in Berlin könnte auch Hinweise geben, falls sie beteiligt war und zu dem Fall noch etwas vorhanden ist. Dafür spricht erstmal in diesem Fall aber nichts, scheint mir. Eher war es eine gewisse Willkür und rechtsstaatswidrige Praxis der Verwaltung zu DDR-Zeiten. Allerdings gab es so etwas vor allem in Einzelfällen und besonders in den ersten Jahrzehnten noch häufiger auch im Westen. Es gibt nicht ohne Grund Heimkinder-Hilfsfonds für Ost und West und auch einen Hilfsfonds Anerkennung und Hilfe für Psychiatriegeschädigte, was ebenfalls Kinder und Jugendliche betreffen kann! Mich wundert, dass die Stadtverwaltung nicht behilflich ist, und die Kontakte zur Rehabilitierungsbehörde und den Opferverbänden sowie Stiftungen vermittelt. Es wäre ihre Pflicht, zu beraten, zu unterstützen, zu informieren, Auskünfte zu erteilen etc., siehe beispielsweise die Vorschriften im Sozialgesetzbuch I und X. Daher würde ich an dieser Stelle nicht locker lassen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Nur Geduld und Hartnäckigkeit führt zum Ziel. Und keine Scheu haben, die vorhandenen Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen und die Rechte einzufordern!

Ich würde einen Antrag bei der zuständigen Rehabilitierungsbehörde nach den SED-Unrechts-Bereinigungsgesetzen stellen, was noch bis zu einem bestimmten Stichtag in 2019 möglich ist. Unbedingt die Frist einhalten, denn es ist nicht sicher, ob sie noch einmal verlängert wird. Es soll wohl im Koalitionsvertrag vereinbart sein, dass man sich um eine Verlängerung bemühen will, aber das ist ja noch keine Entscheidung. Ob es wirklich als Fall von Unrecht zu bewerten ist, kann man so bestimmt nicht genau sagen, weil ja jeder Fall anders ist. Dass die Ämter Auskünfte verweigern, ist bei durchgeführten Adoptionen wohl üblich, aber auch hier kann man letztlich im "Rechtsstaat" klagen (auf Auskunftserteilung oder Akteneinsicht zum Beispiel). Der Haken ist höchstens, dass man bei fehlendem Geld sich um Prozesskostenhilfe oder Verwaltungshilfe / ähnliche Regelung für freiwillige Gerichtsbarkeit und Familienrecht kümmern müsste, was evtl. ein Anwalt übernehmen kann. Das Verfahren vor dem Rehabilitierungsamt ist aber sicherlich kostenlos! Sowohl Standes- als auch Jugendamt könnte man auf Auskunft verklagen und es bleibt auch zu klären, ob die Akten nicht bereits in staatlichen oder kommunalen Archiven sanft entschlummert sind oder sogar die Behörde für die Stasi-Unterlagen in Berlin könnte auch Hinweise geben, falls sie beteiligt war und zu dem Fall noch etwas vorhanden ist. Dafür spricht erstmal in diesem Fall aber nichts, scheint mir. Eher war es eine gewisse Willkür und rechtsstaatswidrige Praxis der Verwaltung zu DDR-Zeiten. Allerdings gab es so etwas vor allem in Einzelfällen und besonders in den ersten Jahrzehnten noch häufiger auch im Westen. Es gibt nicht ohne Grund Heimkinder-Hilfsfonds für Ost und West und auch einen Hilfsfonds Anerkennung und Hilfe für Psychiatriegeschädigte, was ebenfalls Kinder und Jugendliche betreffen kann! Mich wundert, dass die Stadtverwaltung nicht behilflich ist, und die Kontakte zur Rehabilitierungsbehörde und den Opferverbänden sowie Stiftungen vermittelt. Es wäre ihre Pflicht, zu beraten, zu unterstützen, zu informieren, Auskünfte zu erteilen etc., siehe beispielsweise die Vorschriften im Sozialgesetzbuch I und X. Daher würde ich an dieser Stelle nicht locker lassen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Nur Geduld und Hartnäckigkeit führt zum Ziel. Und keine Scheu haben, die vorhandenen Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen und die Rechte einzufordern!