Teterowerin angeklagt

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Mediziner schildert Details eines qualvollen Todes

Wegen des Feuertods von zwei Männern ist eine Teterowerin angeklagt. In dieser Woche wurde der Prozess vor dem Landgericht Rostock fortgesetzt.
Wegen des Feuertods von zwei Männern ist eine Teterowerin angeklagt. In dieser Woche wurde der Prozess vor dem Landgericht Rostock fortgesetzt.
Peter Steffen

Zwei Männer starben durch ein Feuer in einer Güstrower Wohnung. Eine Teterowerin steht deswegen vor Gericht. Ein Rechtsmediziner legte nun seine Erkenntnisse dar.

Der angespannten Aufmerksamkeit seiner Zuhörer im Gerichtssaal konnte sich Dr.  Fred Zack, Rechtsmediziner der Universität Rostock, sicher sein. In der Hauptverhandlung am Landgericht Rostock gegen die gebürtige Teterowerin Silke  S.  (45) wegen zweifachen Mordes in Tateinheit mit Brandstiftung in der Güstrower Ringstraße 93 stellte er sein Gutachten vor.

„Das war kein schlagartiger Tod, den die beiden Opfer sterben mussten“, sagte der Gerichtsmediziner. Das Sterben habe sich über vier bis fünf Minuten hingezogen. Die beiden Toten hätten unter dem Fenster und hinter der Couch in der Einzimmerwohnung von Roland Z. gelegen. Ihre Kleidung war durch die große Hitze zum Teil zu Klumpen zerschmolzen. Wie die Sektion ergab, wiesen beide Körper Verbrennungen vierten Grades fast am ganzen Körper auf. Hinzu kamen tiefe Russeinatmungen und eine Kohlenmonoxydvergiftung. Als Todesursache gab der Mediziner ein Zusammenwirken von einer Rauchgasvergiftung mit einer großen Hitzeschädigung an.

Tote eindeutig identifiziert

Beide hatten am Vormittag Alkohol getrunken. Die Toten wurden eindeutig identifiziert. Roland Z. durch den Vergleich des Zahnschemas, Maik  R. durch auffallende Tätowierungen, die der Polizei bekannt waren. Nach Meinung des Gerichtsmediziners war Maik R. länger bei Bewusstsein als Roland Z.. Das sei durch die Notrufe, die von Maik R. um 12.09 Uhr und 12.10 Uhr abgesetzt wurden, belegbar.

Dr. Zack hatte am Tattag auch die Angeklagte Silke  S. im Krankenhaus untersucht. Nach ihrem Sturz im Treppenhaus der Ringstraße sei sie ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ihr rechter Arm wies drei Frakturen auf, berichtete er. Sie hätte trotz ihrer Alkoholisierung alle Fragen sachgerecht beantwortet. Silke  S. hätte berichtet, dass es in der Wohnung des Roland Z. zu Streitigkeiten zwischen ihr und Maik R., ihrem ehemaligen Partner, gekommen war. Er hätte Benzin verspritzt und ein Sturmfeuerzeug gezeigt. Da sie seine Aggressivität kannte, hätte sie die Wohnung im Laufschritt verlassen und sei dabei im Flur gestürzt. Im Augenwinkel hätte sie noch einen Blitz gesehen und sei dann bewusstlos geworden.

Angeklagte bestreitet Tatvorwurf

Silke  S. wird beschuldigt, am 31.  März 2018 in der Wohnung von Roland Z., in der sich zu der Zeit auch Maik  R. befand, Benzin vergossen und angezündet zu haben. Es gelang den beiden Opfern noch, einen Notruf abzusetzen, aber der Fluchtweg war ihnen versperrt. Beide Männer starben. Silke S. bestreitet den Tatvorwurf. Sie ist erheblich vorbestraft. 2001 erhielt sie eine Strafe von vier Jahren und sechs Monaten wegen Anstiftung zum Totschlag. Der Prozess wird am 14. November fortgesetzt.