Ralf Lübke (rechts) in Viezenhof findet es gut, dass Paul Wolf ihm den Fretbüdel der Meck-Schweizer bis vor die Haus
Ralf Lübke (rechts) in Viezenhof findet es gut, dass Paul Wolf ihm den Fretbüdel der Meck-Schweizer bis vor die Haustür bringt. Seit anderthalb Jahren nutzt er diesen Service, um regionale Produkte zu erhalten. Kirsten Gehrke
Ulrike Ziggel packt die Kisten mit den Fretbüdeln in das Fahrzeug für ihre Tour nach Rostock und Teterow. Sie ist ei
Ulrike Ziggel packt die Kisten mit den Fretbüdeln in das Fahrzeug für ihre Tour nach Rostock und Teterow. Sie ist eine von vier Fahrern der Meck-Schweizer. Kirsten Gehrke
Freitag Früh werden im Durchschnitt 50 bis 60 Fretbüdel mit frischen Produkten gepackt und in drei Touren ausgefahre
Freitag Früh werden im Durchschnitt 50 bis 60 Fretbüdel mit frischen Produkten gepackt und in drei Touren ausgefahren. Kirsten Gehrke
Regionale Produkte

Mit dem Fretbüdel aus Gessin kommt gleich ein Rezept mit ins Haus

Die Nachfrage steigt, Corona hat den Trend beschleunigt. Seit zwei Jahren gibt es den „Fretbüdel” der Meck-Schweizer.
Malchin

An den Tour-Tagen heißt es für die Meck-Schweizer, früh aufzustehen. Auf dem Mittelhof in Gessin packen sie morgens die frischen Produkte in große Papiertüten und stellen die Kisten für vier feste Routen zusammen. Gegen Mittag schwärmen Transporter mit Elektro-Antrieb dann aus. Paul Wolf übernimmt die Tour nach Malchin, Stavenhagen und rund um den Kummerower See. Der 26-Jährige ist einer von vier Fahrern, die die „Fretbüdel“ jede Woche ausliefern. An diesem Tag sind es 45, ungewöhnlich wenig, sonst werden im Durchschnitt 50 bis 60 „Fretbüdel“ ausgefahren. In der Mecklenburgischen Schweiz werden diese direkt bis an die Haustür gebracht, in größeren Städten wie Rostock, Güstrow, Waren, Neubrandenburg und auch in Teterow gibt es Abholstationen.

Rund um den Kummerower See und noch weiter

Bevor Paul Wolf seine Tour beginnen kann, muss er in diesen Zeiten noch schnell einen Corona-Test machen. Seine erste Station ist Viezenhof. Hier wartet schon Ralf Lübke. Er nutzt den Service seit anderthalb Jahren. „Es ist eine schöne Sache“, meint er. In dem Büdel sei alles drin, was man braucht. Und besser könne man es nicht haben, dass es bis ins Haus gebracht werde. Er nutze das gern. Nach einem netten Wortwechsel geht es für Paul Wolf weiter nach Malchin, dann Stavenhagen, Kenzlin, Verchen, einmal rund um den Kummerower See. Wo die Kunden nicht zu Hause sind, stellt er die Tüten an einem vereinbarten Platz ab.

Die Idee für den „Fretbüdel“ hatte vor zwei Jahren Theresa Silberstein, als immer mehr Leute nachgefragt haben, wo es denn die regionalen Produkte gebe, die über die Meck-Schweizer vermarktet werden. Weil es noch nicht genug Dorf- und Regionalläden existieren, dachte sie sich, man könne den Endkunden ja auch beliefern, nach dem Vorbild der Bio-Boxen. „Daraus haben wir den Regionalbüdel gemacht“, sagt Silberstein. Mit unter 20 Tüten, einem kleinen Standard-Büdel für einen Zwei-Personen-Haushalt, haben sie in einem Testlauf angefangen. Dann seien es stetig mehr geworden. Schnell sei ein größerer Büdel dazugekommen, dann ein vegetarischer, veganer oder einer nur mit reinem Gemüse.

Produkte werden frisch von den Produzenten geholt

Alles sind Wundertüten. Am häufigsten werde aber der Standard bestellt. Da kommt Gemüse nach Saison, Brot, Butter, Wurst, Käse, Müsli, Marmelade oder Öl im Wechsel rein, bunt zusammengestellt. „Wenn keine Tomatenzeit ist, gibt es auch keine Tomaten“, erklärt Silberstein. Die Produkte werden frisch abgeholt von den Produzenten, nur so viel, wie bestellt wurde, und dann pass-genau in die Tüten gepackt. Hinzu kommt in jeden Büdel ein Rezept, zuletzt sogar zwei: für Kartoffel-Rosenkohl-Suppe mit Rotkohl-Karotten-Apfel-Salat und für einen einfachen Grünkohlsalat. Alle Zutaten dafür stecken in der Tüte. „Die Leute besinnen sich immer mehr aufs Regionale“, stellt Dörte Wollenberg von den Meck-Schweizern fest. Dieser Trend habe aber schon vor Corona eingesetzt, sei mit der Pandemie nur beschleunigt worden. Vor allem in dichter besiedelten Orten sei ein Boom ausgebrochen. In ländlichen Gefilden weniger. „Hier haben doch noch viele einen Garten“, so Wollenberg. Seit Corona aber ließen sich auch hier mehr den „Fretbüdel“ liefern, wie ältere Leute oder die, die in Quarantäne sind.

Vier Sunden auf Tour

Nach etwa vier Stunden ist unterdessen Paul Wolf zurück von seiner Tour. Eigentlich hat der 26-Jährige im Nachbardorf Liepen ein kleines Fitness-Studio aufgebaut und lebt dort in einer Hof-Gemeinschaft. Doch zweimal die Woche fährt er nun nebenher für die Meck-Schweizer. Seine Nachbarin Dörte Wollenberg habe ihn gefragt, ob er das machen würde. „Und mir macht es Spaß“, meint er. Die nächste Tour steht Freitag an.

 

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