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Mühlenwirte sagen Danke und Adieu

Zugeparkt von Autos war die Gnoiener Windmühle in den letzten Jahren immer seltener.
Zugeparkt von Autos war die Gnoiener Windmühle in den letzten Jahren immer seltener.
Eberhard Rogmann

Von hohen Kiefern halb umringt steht sie einsam am Stadtrand von Gnoien – die Windmühle. Vor 33 Jahren übernahm Renate Hejmann das Ruder in der originellen Gaststätte. Sie machte die Mühle mit gepflegter Gastronomie weit über die Region hinaus attraktiv. Jetzt setzt sich das Wirtspaar jedoch zur Ruhe.

In sturmtosender Dunkelheit steht die Windmühle am Stadtrand Gnoiens von Licht erstrahlt – gleich einer friedvollen Oase. Musik tönt aus dem Inneren: „Spiel noch einmal für mich Habanero...“ Da schwingt Melancholie zwischen den Zeilen. Doch  nur einen kurzen Moment. Bloß keine Schwermut an diesem Abend, keine Träne. Mühlenwirtin Renate Hejmann begrüßt ihre Gäste zum allerletzten Tanz an der traditionsbeladenen Stätte. Ein aufflackerndes Vibrieren der Stimme verrät, wie nahe ihr dieser Moment emotional geht. 33 Jahre leitete sie die Geschicke dieser originellen Gaststätte. Wenn sie diese Nacht den Schlüssel umdreht, nachdem der letzte Gast die Schwelle überschritt, wird es für immer sein.

Doch erst einmal drehen sich Renate und Zdzislaw Hejmann unter dem Beifall der Gäste im Tanz. Freude steht allen ins Gesicht geschrieben. Jeder, der dem Paar zuklatscht, ist mit zahllosen Fäden der Mühle verbunden. Helmut Filsinger zum Beispiel. „Ich habe mal für Renate Stühle aus Malchin vom Bahnhof geholt. Das war so ziemlich am Anfang. Ich hatte da noch den S 4000 und sie brauchte dringend einen Lkw. Das war der Beginn unserer Freundschaft.“ Seine Frau Britta erlebte die Mühle aus ganz anderer Perspektive. Sie stand ihrem Bruder als Technikerin zur Seite. Beide waren die Disco „Luzifer“. „Hier unter der Treppe ins Obergeschoss haben wir immer aufgebaut“, erinnert sie sich.

Start am 1. Mai 1961

Unter eben dieser Treppe sitzt jetzt Gerhard Martens. Er war der erste Mühlenwirt. Am 1. Mai 1961 hatte er die ersten Gäste bewirtet – mit Kartoffelsalat, Bockwurst und Bier. Die Stunde von Renate Hejmann schlug 20 Jahre später. Sie war im Urlaub auf dem Campingplatz in Dargun. Ihr Schwiegervater brachte ihr die Nachricht: „Die Mühle ist am Ende, Heiner Groth von der HO in Teterow sucht händeringend eine gute Kneiperin.“ Sie zögerte nicht und übernahm die Gaststätte im Juli 1982. Fünf Monate später glaubte man bei der HO, einen Fehlgriff getan zu haben. Da kommt ja gar nichts, hieß es harsch aus Teterow. Doch Monika Hejmann hatte ihre eigenen Vorstellungen. „Der Hammer kam im nächsten Jahr. Bis auf 500 000 Mark haben wir den Umsatz hochgetrimmt. Das verdankten wir zu allererst unserem Koch. Seine Mühlenplatte mit dreierlei Fleisch war der Renner. An manchen Tagen kehrten bis zu fünf Bustouren bei uns ein“, schildert sie die Hochzeiten des Geschäfts.

Die Leute kamen aus Demmin, Malchin, Teterow und sogar Rostock. Nicht selten standen Kunden Schlange. Während die Gäste die Köstlichkeiten der Küche in besonderem Ambiente genossen, schuftete das Personal. „Am schlimmsten waren die Wochenenden. Freitag ging der Betrieb ganz normal um 10 Uhr los, abends war Disko. Oft kamen wir erst gegen halb fünf morgens ins Bett, doch um 10 war die Gaststätte wieder offen und das Spiel wiederholte sich am Sonnabend.“ Ausgehalten haben sie und ihre Mitarbeiter das nur, weil sie Freude an der Arbeit hatten.

Versuch, dem Trend entgegenzuwirken

Das schloss Rebellion nicht aus. Als sie einmal eine satte Abrechnung von Überstunden ihres Personals beim HO-Kreisbetrieb einreichte, wollte dieser nicht zahlen. Schlechte Arbeitsorganisation warf man ihr vor. „Na, dann sehen wir uns eben vor dem Arbeitsgericht wieder“, konterte die Chefin. Die HO zahlte daraufhin, kürzte ihr allerdings die Provision. Auf Kollisionskurs ging sie ein anderes Mal zu Silvester. Keine Busse, entschied Renate Hejmann für sich. Wenn Gnoiener schon übers Jahr Schwierigkeiten haben, hier einen Platz zu bekommen, sollte ausschließlich ihnen die Mühle zum Jahreswechsel vorbehalten sein.

Nach der Wende änderte sich die Lage dramatisch. Die Leute trugen ihr Geld sonstwohin, aber kaum noch in eine Gaststätte. Versuche, dem Trend entgegenzuwirken und ganz besondere Akzente zu setzen, blieben Episoden. Renate und Zdzislaw Hejmann haben ihre Entscheidung getroffen. Der 31. März 2015 war ihr letzter Tag als Gastwirte.

Kommentare (2)

Heissen die Einwohner Havannas nicht Habaneros?

Danke für den Hinweis! Da ist dem Kollegen wohl ein Buchstabendreher passiert. Hier ist er nun nicht mehr zu lesen. Viele Grüße Oliver Wunder