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Nach 1206 Nächten war der Traum passé

Auch prominente Unterstützung gab es für das geplante „Culturzentrum“. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas Koch

VonIris DiessnerArabische Paläste und Bauchtanz in Remplin? Das wollte ein Verein für Europäisch-Arabische Zusammenarbeit in dem kleinen Dorf vor den Toren ...

VonIris Diessner

Arabische Paläste und Bauchtanz in Remplin? Das wollte ein Verein für Europäisch-Arabische Zusammenarbeit in dem kleinen Dorf vor den Toren von Malchin wahr werden lassen.

Remplin.1001 Nacht und ebenso viele Märchen hat Scheherazade gebraucht, um die Gnade des Königs von Schahriyâr zu erlangen. So will es jedenfalls die Legende.
In Remplin war der Traum vom Europäisch-Arabischen Kulturzentrum nach 1206 Tagen vorbei. Das ist jedenfalls die Zeitspanne, in der im Nordkurier darüber berichtet wurde, dass der damalige Bürgermeister und ein Bauunternehmer aus Neu Panstorf große Pläne mit dem kleinen Dorf Remplin hatten. Ihre guten Kontakte in die arabische Welt wollten sie nutzen, damit hier ein Kulturzentrum erbaut werden kann. Zentraler Anlaufpunkt sollte vorerst das damals größtenteils leer stehende Schulgebäude sein. Orientalische Sitten und Gebräuche könnten ja schon mal durch ein Festival mit Volkstänzen aus der arabischen Welt bekannt werden, war im November 2000 zu lesen. Manch einer sah bereits hüftschwingende Bauchtänzerinnen neben der alten Sternwarte und Kamele im Lenné-Park. Das Festival hatte sogar schon einen Namen: Tausendundeine Nacht.
Aber erst mal war eine ganze Zeit lang Ruhe um das Projekt. Nur eine Außenstelle des Vereins für Europäisch-Arabische Zusammenarbeit gab es im Dorf. Die Skeptiker, von denen es nicht wenige gab, schienen Recht zu behalten. Bis dann im Oktober 2002 dicke Autos in das Dorf rollten. Arabische Diplomaten waren gekommen, um ihre Unterstützung für das „Culturzentrum“, so wurde es mittlerweile offiziell geschrieben, zu bekunden. Soubhi Hamida, Gouverneur der syrischen Provinz Homes, meinte, dass seine Regierung ein großes Interesse daran habe, dass in Remplin ein repräsentatives Stück ihrer Volkskultur und Lebensweise gezeigt werde. 26 Millionen Euro sollten „fürs Erste“ dafür fließen. Da rieb sich mancher die Augen. Ist ja schließlich auch eine Menge Geld. Und die sollte wirklich nach Remplin fließen? Für Palast, Moschee und Kamelzucht? Aber nicht ohne Machbarkeitsstudie, hieß es dann wieder ein Jahr später vom Verein. Und die sollte das Land finanzieren, das ja schließlich ein Interesse daran haben müsste, dass alle Welt auf Remplin schauen könnte.
In Schwerin allerdings wies man jegliche Schuld von sich. Es läge gar kein Konzept für solch ein Kulturzentrum vor, hieß es dort auf Nachfrage. Aber auch dafür hatte der Verein im Januar 2004 eine Erklärung. Es seien jetzt nicht mehr die Syrer, die Interesse für Remplin bekundeten, sondern Partner aus Saudi-Arabien. Doch nur zwei Monate später mussten Bürgermeister und Verein einräumen, dass die orientalischen Träume begraben wurden. Die politische Lage sei einfach nicht so, dass ein solches Vorhaben verwirklicht werden könne, hieß es nach 1206 Nächten. Der Traum war vorbei.

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i.diessner@nordkurier