RETTUNGSWAGEN

Nach Notruf-Ärger stellt Sohn Strafanzeige gegen Leitstelle

Der Fall einer 88-Jährigen, die nach erfolglosem Notruf von ihrem Sohn ins Krankenhaus gebracht wurde, hat jetzt einen Ausschuss des Kreistages beschäftigt.
Torsten Bengelsdorf Torsten Bengelsdorf
Die Leiststelle schickte keinen Rettungswagen.
Die Leiststelle schickte keinen Rettungswagen.
Stavenhagen.

Ruhig, sachlich und keineswegs aufgeregt – so verlief nach Darstellung von Kreisordnungsamtsleiter Peter Handsche das Telefongespräch zwischen der Rettungsleitstelle und einem Stavenhagener, der einen Rettungswagen rufen wollte, weil seine Mutter zu ersticken drohte. Die Leitstelle habe ihn aber an den Hausarztbereitschaftsdienst verwiesen. Die Kreisverwaltung hat den Fall inzwischen ausgewertet, wie Handsche vor dem kreislichen Ausschuss für Ordnung, Sicherheit, Brand- und Katastrophenschutz berichtete. Hier hatte die Fraktion Die Linke den Vorfall auf die Tagesordnung gebracht.

Aus der Schilderung des Mannes habe sich ergeben, dass es sich wohl eher nicht um eine lebensbedrohliche Situation gehandelt habe. „Der Disponent hat das Richtige eingeleitet. Es gibt nichts, was man daran kritisieren müsste. Entsprechend seiner Einschätzung hat der Disponent das Richtige getan“, erklärte Handsche.

Vize-Landrat Thomas Müller pflichtete ihm bei: „Ich möchte hier mal eine Lanze für die Disponenten brechen. Sie leisten eine sehr verantwortungsvolle Arbeit, sind sehr gut ausgebildet. Viele sind selbst einmal auf einem Rettungswagen gefahren.“ Einen Ausbildungsberuf „Leitstellen-Disponent“ gibt es allerdings bisher gar nicht. „Den hätten wir aber gern“, sagte der Ordnungsamtsleiter.

Die 88-jährige Frau, um die es bei dem Anruf in der Leitstelle ging, befindet sich derweil auf dem Weg der Besserung. Ihr Sohn hatte sie ins Malchiner Krankenhaus gebracht, von hier wurde sie später ins Neubrandenburger Klinikum verlegt. Dort sei ihr dann ein Herzschrittmacher eingesetzt worden. Seit einigen Tagen ist die Frau wieder zu Hause. Mit dem Verhalten der Leitstelle ist ihr Sohn nach wie vor nicht einverstanden. Er hat nach eigener Auskunft deshalb inzwischen Strafanzeige gestellt.

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Kommentare (4)

Wenn der Notruf gewählt wird, sollte der RTW , o.ä. ohne zu zögern losfahren. In TV- Dokus ( Achtung Kontrolle z.B.) wird immer wieder betont, lieber einmal öfter den Notruf wählen als einmal zu wenig.
Da sollte sich auch kein Leitstellenmitarbeiter anmaßen zu entscheiden ,was ist ein Notfall und was keiner. Selbst wenn er ehemaliger Rettungssanitäter war bzw. ist , schon garnicht im Nachgang irgendwelche Kreistagspolitiker. Wer den Notfall auslöst, hat ein meist gesundheitliches Problem und dem gehört geholfen ohne wenn und aber. Die Anzeige ist berechtigt!

Nachdem man offenbar mal wieder unbequeme Kommentare löschen musste, hier der Ursprungskommentar erneut:

Kann meinem Vorredner nur beipflichten, die Anzeige ist absolut gerechtfertigt und auch notwendig, glauben in der letzten Zeit "Leitstellendisponenten" und auch bei niedergelassenen Ärzten beschäftigten Schwestern, bereits am Telefon Einschätzungen geben zu müssen. Gehen wir davon aus, dass Anrufer bei der Notrufnummer 112 meistens medizinische Laien sind, Symptome schildern, was gerade aktuell beim Betroffenen zu erkennen ist. Atemnot kann bekanntermaßen viele Ursachen haben, wenn ich anrufe und schildere Atemnot, hat der Rettungswagen auszurücken, nicht "sollte" ausrücken, sondern er hat auszurücken. Sicher sind Anrufe, mit Kratzer oder Schnittwunden im Finger oder eine Erkältung kein Indikator, um den Notarzt zu rufen, was wenn aber der Patient Bluter ist, oder die Erkältung in Wahrheit eine Lungenentzündung ist? Kann man diese Einschätzung am Telefon treffen? Nein sicher nicht, selbst Nostradamus, wäre sicherlich zu dieser Unterscheidung fernmündlich nicht in der Lage. Wenn ein Verweis an den Bereitschaftsarzt, dann sollte aber auch der Bereitschaftsarzt ausrücken, wenn er gerufen wird, aber selbst hier haperts, wenn ein Patient nach Fischgenuss nachts Hilfe braucht nachdem er von Übelkeit und übelsten Magenkrämpfen heimgesucht wird, es könnte ja eine Fischvergiftung vorliegen! wimmelt der Bereitschaftsarzt mit den Worten: "Deswegen komm ich nicht raus." ab. Nicht anders ergeht es Patienten bei Fachärzten, wo bereits am Telefon durch die mehr oder weniger freundliche Sprechstundenhilfe offenbar hellseherisches Geschick gebraucht wird um bereits am Telefon einzuschätzen, ob man in drei, vier, fünf Monaten einen Facharzttermin vergibt oder typischer Weise mit Worten, wie, das man keine neuen Patienten aufnehmen kann (nachweislich bei fast leerer Praxis!) oder vertröstet wird, das man wo anders einen Arzt suchen soll, weil man das Dorf oder den Bezirk für die dort lebenden Einwohner vorhalten will (Lungenfacharzt in Neustrelitz) oder man ohne das Vorlesen der genauen Diagnose auf der Überweisung überhaupt keinen Termin bekommt.

Es gibt immer 2 Wahrheiten. Und nur die Beteiligten wissen was genau passierte. Als nicht Fachfremder kann ich nur sagen, dass der Notruf sehr oft missbraucht wird und wirklich sehr oft rausgefahren wird für Lappalien. Wenn sich jetzt aber jemand auf den Schlips getreten fühlt und Anzeige erstattet ist das sein Problem. Meine Beobachtung ist vorwiegend, dass viele Leute es für selbstverständlich halten das immer Hilfe präsent ist. Jedoch in einem Flächenland wie MV gar nicht genug Personal als auch Wagen vorgehalten werden.

Das kann man so sehen. In diesem Fall ist aber in einem Artikel vor ein paar Tagen eindeutig von der Klinik gesagt worden, das es höchste Zeit war, dass die Frau Hilfe bekam. Also liegt hier in diesem Fall kein Notrufmißbrauch vor , meine ich. Es kann deshalb nicht sein, das ein einfacher Telefonist in der Leitstelle entscheidet was ein Notfall ist und was nicht. Dann sollte da auch ein Arzt in der Leitstelle vor Ort sein. Da das aus personaltechnischer Sicht nicht geht, muss der RTW ausrücken.,
Notrufmißbrauch ist strafbar und sollte dann auch konsequent geahndet werden.