Eine heftige Sturmböe hatte das Dach von dem denkmalgeschützten Hallenhaus geholt. Nun, so hieß es jetzt im Ma
Eine heftige Sturmböe hatte das Dach von dem denkmalgeschützten Hallenhaus geholt. Nun, so hieß es jetzt im Malchiner Bau-Ausschuss, sei das Gebäude nicht mehr zu retten. Auch die Denkmalschutzbehörde hat es schon aufgegeben. Torsten Bengelsdorf
Trotz Denkmalschutz

Nach Sturmschaden gibt Malchin einzigartiges Hallenhaus auf

Über viele Jahre war immer wieder überlegt worden, wie man die alte Bauernsiedlung mitten im Malchiner Ortsteil Salem retten könnte. Jetzt ist das Schicksal des Bauwerkes besiegelt.
Salem

Es ist noch kein halbes Jahr her, da war Malchins Stadtpolitik noch in höchster Sorge um ein Bauwerk, das für ganz Norddeutschland eine gewisse Bedeutung hat. Oberstes Ziel müsse es sein, das Gebäude mitten im Malchiner Ortsteil Salem zu erhalten, meinte damals Bürgermeister Axel Müller (CDU). Aus den Reihen der Stadtvertreter war gar zu hören, dass es eine „Schweinerei“ sein würde, wenn das Hallenhaus verschwände. Das denkmalgeschützte Bauwerk beherbergte einst Wohnung, Stallraum und Erntelager und gilt als das niederdeutsche Hallenhaus, von dem vom Baustil her kein zweites weiter östlich in Norddeutschland zu finden ist.

Wie vom Winde verweht

Sechs Monate und einen kräftigen Herbststurm später sind die Bekundungen aus dem letzten Sommer wie vom Winde verweht. Die zerstörerische Böe eines November-Unwetters hatte den Dachstuhl von dem Gebäude geholt. Am Dienstagabend gab nun eine Mehrheit des Malchiner Bau-Ausschusses die einstige stolze Bauernsiedlung endgültig auf. „Der Zug ist weg. Hier kann nichts mehr erhalten werden. Selbst ein Notdach rettet hier nichts mehr“, meinte etwa Lothar Soldwisch (CDU). Auch der aus dem Ortsteil stammende Arno Süssig (UMB) gab das Bauwerk verloren. „Es ist schade, dass es so weit gekommen ist. Aber in diesem Zustand ist das Hallenhaus einfach nicht mehr zu halten.“

Mit nur einer Gegenstimme votierte der Ausschuss für den Abbruch des denkmalgeschützten Hallenhauses. Lediglich Christian Skotnik (AfD) stemmte sich noch einmal dagegen. Zumindest die Außenwände könne man doch erhalten, meinte Skotnik. Man sollte doch noch einmal mit dem Denkmalschutz Kontakt aufnehmen, um zu prüfen, was noch zu retten ist. Skotnik sieht bei der Denkmalschutzbehörde offenbar aber auch einen Schuldigen dafür, dass es nun soweit gekommen ist. Er warf der Behörde Untätigkeit vor und forderte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Denkmalschutz. „Wenn die Stadt das nicht macht, machen wir das“, sagte das AfD-Fraktionsmitglied.

Gescheitert auch an fehlendem Konzept

Doch ganz so einfach ist es wohl nicht mit einer Schuldzuweisung. Es wäre viel Geld nötig, um das Hallenhaus einigermaßen wieder aufzubauen, gab Bürgermeister Müller zu bedenken. „Dafür bräuchten wir dann aber auch eine Nutzung des Gebäudes“, so Müller. Doch genau daran waren in den vergangenen 25 Jahren verschiedene Leute immer wieder gescheitert.

Zuletzt war versucht worden, das einzigartige Hallenhaus in die Baupläne für eine kleine Eigenheimsiedlung zu integrieren. Doch mit dem eingestürzten Dachstuhl sind nun auch solche Pläne endgültig vom Tisch. Im letzten Sommer, als die Stadtpolitik das Hallenhaus noch retten wollte, hatte zumindest der Investor für den Bau von fünf Wohnhäusern bereits keinen Hehl daraus gemacht, dass sich diese Pläne ohne das Denkmalhaus wohl leichter umsetzen ließen. Offenbar war der November-Sturm nicht für jedermann ein Desaster.

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Kommentare (1)

Zerstörung durch Nichtstun Man kann ein Haus zerstören, einfach indem man nichts mehr daran macht.