Udo Dohms (links) und Norbert Böttcher (rechts) bei der Arbeit im Stadt-Archiv. Sie verbindet das Interesse für die
Udo Dohms (links) und Norbert Böttcher (rechts) bei der Arbeit im Stadt-Archiv. Sie verbindet das Interesse für die Malchiner Geschichte. Zoltán Szabó
Blick ins Archiv. Auf dem Tisch befinden sich diverse Gemälde.
Blick ins Archiv. Auf dem Tisch befinden sich diverse Gemälde. Zoltán Szabó
Udo Dohms vor einem Gemälde der Eltern des Ehrenbürgers Rudolf Fritz.
Udo Dohms vor einem Gemälde der Eltern des Ehrenbürgers Rudolf Fritz. Zoltán Szabó
Norbert Böttcher im neu gestalteten Raum 3, in dem künftig Schriftmaterialien und Bilder einsortiert werden sollen.
Norbert Böttcher im neu gestalteten Raum 3, in dem künftig Schriftmaterialien und Bilder einsortiert werden sollen. Zoltán Szabó
Geschichte

Neuanfang für eine bedeutende Sammlung in MV

Der Fundus der Gebrüder Böttcher reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert. Jetzt wird das umfangreiche Material neu sortiert und zur Nutzung freigegeben.
Malchin

Krieg, Zerstörung und Leid – es ist eine düstere Stimmung, die Bianka Drews im Jahr 1999 mit ihrem Gemälde festhielt. Eine Kirche in dunklen Farben. Davor sind Kreuze aufgestellt. Ein Bild, das in diesen Tagen besonders betroffen macht. Notiert sind auf der Malerei diverse Fakten vom Kriegsende 1945 in Malchin: Zerstörungsgrad der Stadt 67,7 Prozent. Fast jeder zehnte Einwohner verlor sein Leben. Zwischen 400 und 600 Suizide, die genaue Zahl ist nicht mehr zu ermitteln. Unendliches menschliches Leid. Die Erde schreit. Der Krieg war nach Deutschland, woher er kam, zurückgekehrt.

Lesen Sie auch: Malchiner Legenden um einen bedeutenden Erfinder

Bedeutende Sammlung aufgelöst

Das Gemälde gehört zur wohl bedeutendsten Sammlung von heimatgeschichtlichen Dokumenten in der Mecklenburgischen Schweiz – zum Archiv Böttcher. Fast 30 Jahre lang hatten die Brüder Michael und Norbert Böttcher immer mehr spannendes Material gesammelt über die bauliche Entwicklung der Stadt Malchin, Erinnerungen an Vereine, Betriebe oder Einrichtungen in der Stadt und über Persönlichkeiten aus den beiden Regionen Malchin und Teterow. Nach dem Tod seines Bruders im Jahr 2017 löste Norbert Böttcher den Fundus in der Bürgermeister-Tretow-Straße auf und übergab ein Großteil dem Malchiner Heimatmuseum.

Lesen Sie auch: Rätselhafter Vermisstenfall - was geschah 1994 in Malchin

Viel Arbeit für die Stadtgeschichte

Wegen der Trauer sei er lange Zeit gar nicht in der Lage gewesen, das Archiv fortzuführen, berichtet Böttcher, der in Berlin zu Hause ist. Seit einigen Monaten ist er nun aber wieder häufiger in Malchin. In der Stadtmühle, wo Malchins Heimatmuseum untergebracht ist, führt er nun die Archivbestände wieder zusammen. Die Sammlungen über die Persönlichkeiten hatte Böttcher zunächst nach Berlin mitgenommen. Malchin sei eine der wenigen Städte in Deutschland, die über ein umfangreiches Archiv verfüge, das bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, betont Böttcher.

Das ganze Material wird nun erst einmal nach Rubriken sortiert und soll dann in ein Regalsystem eingeordnet werden, das an einigen Stellen bis zur Decke reicht. Schließlich stehen für das Archiv in der Stadtmühle nur zweieinhalb Räume zur Verfügung. Im Ordner „Sport“ sind etwa alle Berichte über die Malchiner Vereine gesammelt. Der Ordner „Handwerker“ verewigt nicht nur alle Malchiner dieser Berufsgruppe, sondern auch deren Geschwister und Eltern.

Glücksfall für Historiker

Unterstützung erhält Böttcher von Udo Dohms, der die Denkmalgruppe im Malchiner Heimatverein leitet, sowie von weiteren handwerklich begabten Vereinsmitgliedern.

Gemeinsam mit dem Heimatverein wolle er ein leistungsstarkes Archiv schaffen – auch, damit die lange Arbeit, die er gemeinsam mit seinem Bruder geleistet hat, nicht vergessen werde. Interessierte Bürger und Historiker sollen das Archiv für Recherchen nutzen können. Bei Bedarf könnten sie sich dann an den Museumsverein wenden. Ein gut sortiertes Archiv solle eine gezielteSuche ermöglichen.

zur Homepage