KONTROVERSE IN TETEROW

Neubauplan schockt Ärztehaus-Betreiber

Den Bau eines Medizinischen Dienstleistungszentrums entsetzt den Betreiber des Ärztehauses Poggestraße. Er sieht darin eine kontraproduktive Konkurrenz auf Kosten der Steuerzahler.
Eberhard Rogmann Eberhard Rogmann
Das Ärztehaus in der Poggestraße ist in die Jahre gekommen. Um künftig Nachfolger für Mediziner, die aufh
Das Ärztehaus in der Poggestraße ist in die Jahre gekommen. Um künftig Nachfolger für Mediziner, die aufhören, gewinnen zu können, arbeitet die Stadt daran, attraktivere Bedingungen zu schaffen. Eberhard Rogmann
Teterow.

Im thüringischen Weimar blickt man mit Sorge auf Teterow. Zumindest in der Geschäftsführung der dortigen Passat Grundstücksgesellschaft. Sie ist Eigentümerin des Ärztehauses in der hiesigen Poggestraße. Die Nachricht über den geplanten Bau eines medizinischen Dienstleistungszentrums in der Bergringstadt war dort voll ins Kontor geschlagen. „Wir waren geradezu geschockt, als wir in der Zeitung lesen mussten, dass Steuergelder für ein Konkurrenzprojekt aufgewendet werden“, bekundet Geschäftsführer Josef Saller.

Ein neues Medizinisches Dienstleistungszentrum werde dazu führen, dass Ärzte aus dem Ärztehaus ausziehen. Das sei für alle von Nachteil und werde insbesondere für Patienten doppelte Wege mit sich bringen, argumentiert der Immobilienverwalter. Saller verweist darauf, dass seine Gesellschaft in den letzten Jahren massiv in den Standort investierte. Parkplätze wurden verbessert, Werbeanlagen koordiniert, das Vordach erneuert und der Eingang zum Ärztehaus erweitert und neu gestaltet, zählt die Gesellschaft ihre Aktivitäten auf. Aus ihrer Sicht erscheint der Neubau in der Rosenstraße „städtebaulich als kontraproduktiv zu bewertendes Projekt ohne erkennbaren Mehrwert für die Stadt.“

Im Klinkerbau tickt die Uhr

Die Perspektive der Weimarer Immobilienfirma teilt man in der Bergringstadt indes nicht. Im Gegenteil stellen sich hier die Umstände ganz anders dar. Denn lange bevor Ärzte sich mit Gedanken einer Alternative befassten hatte der Mieter des Erdgeschosses die Segel gestrichen. Bereits vor fünf Jahren errichtete der Discounter Aldi eine neue Markthalle und zog aus. Das Argument für den Wechsel lautete damals schlicht, dass die Gegebenheiten vom Anfang der 1990er Jahre den Ansprüchen im 21. Jahrhundert nicht mehr genügten. Seitdem tickt in dem Klinkerbau die Uhr. Mehrere Ärzte fanden anderenorts in der Stadt lukrativere Bedingungen. So übersiedelte Ende vergangenen Jahres die urologische Gemeinschaftspraxis in das DRK-Krankenhaus. Die Bedingungen dort bewerteten die Mediziner als deutlich besser.

Das Beispiel blieb offenbar nicht ohne Wirkung. Der Impuls, eine Alternative zum Standort Poggestraße zu suchen, ging von dortigen Ärzten aus, macht Matthias Hantel, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Stadtvertretung, deutlich. Dabei gehe es gar nicht um ein „Konkurrenzunternehmen“ seitens der Stadt, sondern vielmehr um die Wahrnehmung ihrer Pflicht zur Daseinvorsorge. „Als Mittelzentrum müssen wir bestimmte Leistungen auch in der medizinischen Versorgung vorhalten. Dabei müssen wir den Blick in die Zukunft richten“, appelliert der Kommunalpolitiker. Er verweist darauf, dass etliche der im Ärztehaus praktizierenden Mediziner in absehbarer Zeit in den Ruhestand treten. Angesichts des jetzt schon spürbaren Ärztemangels im Land, glaube doch wohl niemand, dass man mit den fast 30 Jahre alten Praxisräumen jemand locken könnte, hielt Hantel den Stadtvertretern vor. „Wenn wir gute Ärzte gewinnen wollen, müssen wir ihnen etwas bieten. Dazu sind wir mit dem Bau eines modernen Dienstleistungszentrums angetreten.“

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