Zweiter Weltkrieg

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Neue Spur führt zum geheimen Arado-Flugzeugwerk im Wald

Nur zwei Torpfeiler sind im Kalenschen Holz vom Malchiner Außenstandort der Arado-Flugzeugwerke übrig geblieben. 
Nur zwei Torpfeiler sind im Kalenschen Holz vom Malchiner Außenstandort der Arado-Flugzeugwerke übrig geblieben.
Torsten Bengelsdorf

Über dieses Kapitel der Stadtgeschichte ist nur wenig bekannt: Ab 1942 wurden in den Wäldern um Malchin Flugzeugteile hergestellt – streng abgeschottet.

Zusammen mit einer kleinen Werkzeugkiste hat Hubert Urban die kleine Metallmarke über all die Jahre gut verwahrt. Gewissermaßen als Andenken an die Kindheit, als Urban mit seinen Spielkameraden häufig durch das Hainholz ströperte. Der heute 78-Jährige wohnte damals an der Gielower Mühle und das Waldstück liegt einen Steinwurf entfernt auf der anderen Straßenseite. Dort hatte Hubert Urban die kleine Werkzeugmarke gleich nach Kriegsende entdeckt und mit nach Hause genommen.

Daran erinnert wurde er nun, als er im Nordkurier einen Beitrag über die
Arado-Flugzeugwerke fand, die ab 1942 eine Außenstelle in Malchin betrieben. „Die in dem Artikel abgebildete Arado-Marke trug die Nummer 125-6. Meine hat die Nummer 125-7“, berichtet der in Teterow wohnende Rentner.

Viele Zwangsarbeiter schufteten im Hainholz

Im Hainholz hätten die Flugzeugbauer fünf Hallen errichtet, weiß Hubert Urban. Die Arbeiter hätten hier teils Russisch, teils Polnisch gesprochen. Aufgefallen waren in dem Wald auch jede Menge Aluminium-Späne, die wohl in den Drehereien in den Baracken angefallen waren. Erinnern kann sich Hubert Urban auch noch an eine große Kuhle im Wald, in der Munition gesprengt worden sei.

Dass die Baracken eiligst aus dem Boden gestampft werden mussten, habe man auch daran gesehen, dass die Wasserversorgung über Handwagen von einer Quelle sichergestellt worden sei. Im Hainholz seien vor allem russische Zwangsarbeiter eingesetzt worden. Für sie standen in den Sandkuhlen Unterkunfts-Baracken. Und so trägt die Werkzeugkiste, die Urban nach Kriegsende im Hainholz fand, neben der Jahreszahl 1939 auch russische Initialen.

Nach einem Bombenangriff verlegt

„1946/47 wurden dann alle Hallen abgebaut und mit Pferd und Wagen weggebracht“, erzählt Hubert Urban. Seine Schilderungen sind insofern von Bedeutung, weil von den Arado-Standorten in den Wäldern um Malchin nur noch wenig bekannt ist. Mehrere Baracken hatten auch auf der anderen Stadtseite im Kalenschen Holz gestanden, wo bis heute die gemauerten Torpfeiler noch erhalten geblieben sind.

Die Produktion von Aufklärern, Jagd- und Trainingsflugzeugen war von Warnemünde aus hastig ausgelagert worden, nachdem die dortigen Arado-Werke im April 1942 bei alliierten Bombenangriffen schwer zerstört worden waren. Nach Malchin waren vor allem Drehbänke geschafft worden. Bis zu 700 Beschäftigte sollen dort gearbeitet haben. Für welche Teile Malchin zuständig war, ist heute unklar, ebenso wie es den Arbeitern damals ergangen ist.