Der neue Leiter des Stavenhagener Reutermuseums, Torsten Jahn, will unter anderem einen engeren Kontakt zu den Universitä
Der neue Leiter des Stavenhagener Reutermuseums, Torsten Jahn, will unter anderem einen engeren Kontakt zu den Universitäten suchen und das Museum digitaler präsentieren, um auch junge Leute mehr anzusprechen. Kirsten Gehrke
Wechsel

Neuer Chef will das Fritz-Reuter-Mueum digital aufpeppen

Nach monatelanger Vakanz hat das Fritz-Reuter-Literaturmuseum in Stavenhagen wieder einen Leiter. Ein Schweriner trat jetzt sein Amt an.
Stavenhagen

Eines hat Torsten Jahn schnell gemerkt. In Stavenhagen lernt er viele Menschen kennen. Da reicht schon ein Fuß vor die Tür des Reutermuseums und auf dem Markt vor dem Reuterdenkmal mit Leuten ins Gespräch zu kommen, wie mit dem Lehrer einer 5. Klasse, die gerade eine Stadtrallye durch Stavenhagen macht. „Da können wir beide mal nachdenken, ob wir nicht zusammen eine digitale Rallye machen wollen“, schlägt er vor und empfängt später die Klasse in „seinem“ Museum. „Das ist ein tolles Haus, liegt mitten im Zentrum, ist das Geburtshaus von Fritz Reuter“, sagt der neue Leiter des Literaturmuseums. Seit seiner Jugend habe der Autor ihn begleitet, habe er Reuter gelesen. Obwohl er zugibt, dass ihn Johannes Gillhoff mit „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“ noch mehr geprägt hat. Er freut sich auf seine Aufgabe an der Spitze der bedeutendsten Kultureinrichtung der Region.

Eigentlich hatte ihn seine Mutter darauf gebracht, als die im Radio von der Ausschreibung der Stelle hörte. Das sei genau das Richtige für dich, habe sie gesagt. „Und mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte sie Recht, die Stelle hat mich ausgesucht“, meint der 57-Jährige, der in Schwerin geboren und Vater eines 14-jährigen Sohnes ist. Schon vor seinem Dienstantritt am Dienstag wirkte er bei den Vorbereitungen für den diesjährigen Fritz-Reuter-Preis mit, der im November verliehen wird. Torsten Jahn wurde in Schwerin geboren, ist dort zur Schule gegangen, spielte bei Post Handball und lief Marathon. Er lernte Buchhändler, studierte in Leipzig zunächst Wirtschaftswissenschaften, später Anfang der 1990-er Jahre an der Fernuniversität Hagen Literatur- und Politikwissenschaften. Er hat mit 22 in Berlin einen Buchhandel geleitet, war Buchhändler in Itzehoe, leitete dort sowie in Neumünster und Hamburg-Harburg Kinos, führte die Heinrich-Heine Buchhandlung in Hamburg, war Geschäftsführer der FilmLand Mecklenburg-Vorpommern und leitete das Filmkunstfest in Schwerin. Zuletzt war er Regionalleiter einer Buch- und Medienkette. Seine Neugier ist ungebrochen.

Plattdeutsch lernen als Grundvoraussetzung

Und nun kommt er vom Film zurück zur Literatur. „Die Grundlage für jeden Film ist ein Drehbuch und das ist Literatur“, erklärt er. Mit dem Filmkunstfest sei er auch im Land unterwegs gewesen, kannte dadurch Stavenhagen und als Besucher das Reutermuseum. Die Niederdeutsche Sprache habe mit Identität zu tun. Torsten Jahn versteht Platt und liest es, aber leider könne er es nicht wirklich sprechen, gibt er zu. Als 10-Jähriger habe er mit seinem Vater ein wenig gesnackt. „Aber ich muss es lernen“, sagt er. Das sei eine Grundvoraussetzung, die er vorhabe. Wie vielschichtig die Aufgabe als Museumsleiter ist, das habe ihn gereizt an Stavenhagen. Das Haus sei nicht nur Literaturmuseum, sondern eine Kultureinrichtung, wo man viel kreativ machen kann. Der Fundus biete sich geradezu an, wissenschaftlich zu arbeiten. Dann komme die touristische Komponente hinzu. Das alles sei vielseitig und spannend.

Als wichtigste Aufgabe sehe er zuerst, eine Bestandsaufnahme zu machen, nach zwei Jahren Corona, jetzt Energiekrise und nach der Vakanz der Leitung. Vieles wolle er mit seinem Team angehen. Durch Corona habe sich das Besucherverhalten verändert, das Museum müsse digitaler werden, seine Präsenz im Internet ausbauen und noch wissenschaftlicher werden. Wie Jahn sagt, wolle er einen engeren Kontakt zu den Universitäten Greifswald und Rostock suchen. Das Museum sollte Jugendliche mehr ansprechen, wo Reuters Geschichten Geschichte beschreiben. Wie es sie schon vor Corona gab, denke er auch wieder an Projekte mit Schulen, könne sich in diesen mehr Action vorstellen, wie eine digitale Schnitzeljagd.

Literaturpreis weiterentwickeln

Auch sehe er eine große Bedeutung des Hauses als Tourismus-Zentrum. Tolle Projekte, wie Lesungen oder Veranstaltungen sollen weiterentwickelt und überlegt werden, wie Preise nachhaltiger gestaltet werden können. Das plattdeutsche Wort zum Beispiel werde überregional beachtet. Jetzt sei zu überlegen, wie man ganzjährig damit arbeitet. Auch der Fritz-Reuter-Literaturpreis sollte weiterentwickelt werden. „Wie können wir ihn jünger machen?“ Wie könne er für weitere Partner attraktiver werden, etwas für die plattdeutsche Sprache und für die Region zu tun. Im Grunde würden die Mitarbeiter all das schon verkörpern, sagt Jahn. „Sie leisten tolle Arbeit.“

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Das bekommt der neue Museumschef auch bei seiner Begegnung auf dem Markt bestätigt. Wie der Lehrer der 5. Klasse ihm erzählt, habe eine seiner Mitarbeiterinnen das Konzept für die Stadtrallye up Platt entwickelt, auf der er jetzt mit den Schülern unterwegs ist.

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