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Neukalen will über Flüchtlingsheim abstimmen

Zentral in einem Wohnblock an der alten Ziegelei oder dezentral im Stadtgebiet? Neben dem Eigentümer des Wohnblocks haben sich jetzt doch noch zwei Neukalener gemeldet, die Asylbewerber aufnehmen würden.
Zentral in einem Wohnblock an der alten Ziegelei oder dezentral im Stadtgebiet? Neben dem Eigentümer des Wohnblocks haben sich jetzt doch noch zwei Neukalener gemeldet, die Asylbewerber aufnehmen würden.
Carsten Büttner

Das hat es so in Mecklenburg-Vorpommern wohl noch nicht gegeben: Ausgehend von der Stimmung auf einem Einwohnertreffen will das Kleinstadt-Parlament Position zur Unterbringung von Asylbewerbern beziehen. Das könnte ganz schön nach hinten losgehen.

Es dürfte wohl voll werden am nächsten Dienstag auf der Neukalener Einwohner-Versammlung. So voll, dass Bürgermeister Willi Voß (CDU) jetzt nicht mehr in den Rathaussaal einlädt, sondern in die viel größere Fahrzeughalle der Neukalener Feuerwehr. „Wir hören das ja aus den Gesprächen heraus, wie sehr sich die Leute mit diesem Thema beschäftigen“, sagt Voß. Das Thema: Das kleine Peenestädtchen könnte nun doch ein Flüchtlingsheim bekommen. Genau dort, wo es der Seenplatten-Landkreis vor anderthalb Jahren noch abgelehnt hatte: in einem nahezu leer stehenden Wohnblock am abgelegenen Ziegelei-Gelände.

„Die hatten doch damals guten Grund, dieses Haus nicht zu nehmen“, meint eine ältere Frau am Marktplatz. Obwohl der Landkreis den Grund dafür nie genannt hat. Und: „Wir sind ja nicht gegen Ausländer. Aber 60 bis 70 Asylbewerber – verkraftet das unsere kleine Stadt?“, fragt sie in Sichtweite des Döner-Geschäftes am Markt, in dem ein Syrer mit dem Appetit der Neukalener seit vielen Jahren gute Geschäfte macht.

Die Frage ist nicht ob, sondern wie

Auch am kommenden Dienstag sollen die Neukalener ihre Meinung sagen. „Das ist uns ganz wichtig, der Landkreis möchte von uns ein Votum haben, wie wir als Stadt das sehen“, so der Bürgermeister. Und so findet sich dann zwei Tage nach der Einwohnerversammlung auch auf der Tagesordnung der Stadtvertreter ein äußerst brisanter Punkt: „Position der Stadtvertretung für die eventuelle Unterbringung von Asylbewerbern/Flüchtlingen in Neukalen“. Willi Voß lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Stadtvertreter dann von der Stimmung des Einwohnertreffens leiten lassen werden.

Viele Neukalener legen dies nun bereits so aus, dass sie oder die Stadtvertreter darüber abstimmen, ob die Kleinstadt nun Asylbewerber bekommt oder nicht. Doch ganz so wird es nicht kommen, versichert der Bürgermeister: „Wir müssen Flüchtlinge aufnehmen, das ist sicher. Die Frage ist, ob wir sie zentral in einer Gemeinschaftsunterkunft oder dezentral in einzelnen Wohnungen unterbringen.“ Darum solle sich dann auch der Stadtvertreter-Beschluss drehen. Er gehe davon aus, dass sich der Landkreis an dieses Votum dann auch hält.