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Nicht nur Kicker rocken das Stadion

Im Dreierpack sollen die Chroniken zum Hechtfest übrigens auch zu bekommen sein.  FOTO: privat

VonSimone PagenkopfVon sportlichen Highlights, Besucherrekorden und Fernsehstars – die beiden Teterower Wolfgang Blanck und Herward Müller wissen so ...

VonSimone Pagenkopf

Von sportlichen Highlights, Besucherrekorden und Fernsehstars – die beiden Teterower Wolfgang Blanck und Herward Müller wissen so einiges zu erzählen bei ihrem Exkurs, der nicht nur durch Sportstätten führt.

Teterow.7000 Zuschauer im Teterower Bergringstadion – man mag‘s kaum glauben, aber die hat es wirklich schon gegeben. Einmal. Und das ist fast 50 Jahre her. Ein Freundschaftsspiel zwischen dem SC Empor Rostock und dem SC Neubrandenburg am 30. Juli 1964 zog Fans en masse. Die Rostocker gewannen damals übrigens 3:1.
Vor allem aber haben die Teterower seit der Einweihung des Stadions im Juni 1961 ihre lang ersehnte Sportstätte und damit hatte dann auch die Odyssee der Fußballer endlich ein Ende. Im Hohen Holz, auf der Langenbruchsweide, dem Schulkamp, selbst auf der höchsten Erhebung in den Heidbergen, auf der Ziegenweide nämlich, und schließlich am Grünen Weg wurde schon gekickt. „Es ist kaum zu glauben, was es da so alles zu erzählen gibt“, bemerkt Wolfgang Blanck schmunzelnd. Gemeinsam mit Herward Müller ist er eingetaucht in „Die Geschichte der Teterower Sportstätten und des Teterower Fußballsports von 1989 bis 2012“. Gleichnamige Broschüre liegt jetzt druckfrisch vor, 67 Seiten dick.
Wer meint, hier kommen nur Fußballfans auf ihre Kosten, irrt. Zumal im Bergringstadion neben sportlichen auch zahlreiche kulturelle Veranstaltungen stattfanden. Zu DDR-Zeiten bekannte Unterhaltungskünstler wie Rica Deus, Lutz Jahoda oder Eberhard Cohrs hatten hier ihre Bühne. Im August 1974 erlebten bei den gemeinsamen Betriebsfestspielen des HO-Kreisbetriebes, der Konsumgenossenschaft und des Schlachtbetriebes 6000 Teterower eine Galaschau mit Britt Kersten, Steffi Bergen, Ingrid Raack, Andreas Holm, Thomas Lück, Jens Heller, den Fontanas und Chris Wallasch. „Danach war Schluss. Die sozialen und hygienischen Einrichtungen im Stadion gaben nichts mehr her und entsprachen nicht einmal im Mindesten den einfachsten Anforderungen“, sagt Wolfgang Blanck. „Großveranstaltungen, die hier in den nächsten Jahren bis zur Wende 1989 stattfanden, hatten wohl immer mehr Teilnehmer als Zuschauer.“
Sportbegeistert aber waren Teterower immer schon und auch sehr einfallsreich, wenn es um ihre Interessen ging. Das gilt auch für die Turner. Mitte des 19. Jahrhunderts hielt der Turngedanke in Teterow seinen Siegeszug. Ab 1863 fanden regelmäßig Übungsstunden statt, wenn nicht unter freiem Himmel, dann im Saal des einstigen Schützenhauses (heute „Grotte“). Dass das kein Dauerzustand sein konnte, war den Aktiven klar. Sie brachten einen Turnhallenbaufonds auf den Weg. Wie Herward Müller beim Durchforsten der „Teterower Nachrichten“ jener Zeit entdeckte, „soll der Fonds gebildet werden aus freiwilligen Spenden, Zuwendungen von etwaigen Überschüssen, Vermächtnissen etc., also ohne direkte Belastung der Mitglieder“. Am Ende wurde über zehn Jahre gesammelt, am 7. Mai 1907 waren 1147 Mark zusammengekommen. Ein Jahr später erhielten die Maurermeister Rathcke und Kohlert den Zuschlag für den Bau der städtischen Turnhalle auf dem Schulkamp. Die Original-Baupläne befinden sich übrigens im Stadtarchiv.
Die Broschüre indes, in der sich dann wohl auch noch jeder wiederfindet, der zwischen 1989 und 2012 in Teterow dem runden Leder nachjagte, gibt es unter anderem in der Tourist-Information, im Sport- und Angeltreff und im „Hechtkrug“. Auch zum Teterower Hechtfest am kommenden Wochenende wird sie auf dem Festplatz zu haben sein. Der Erlös von fünf Euro pro Exemplar kommt dem SV Teterow 90 zugute.

Kontakt zur Autorin
s.pagenkopf@nordkurier.de