ÖFFENTLICHE TOILETTE

Not mit der Notdurft in Kummerow

Auf der einen Seite beklagen Urlauber in Kummerow, dass das öffentliche WC geschlossen ist. Die andere Seite ist ernüchtert, wie von manchen Leuten die sanitäre Anlage verlassen wird. Doch der Grund für die Misere ist ein ganz anderer.
Kirsten Gehrke Kirsten Gehrke
Zwischen Schloss und Badestelle hat Kummerow eine öffentliche Toilette. Doch beklagen Urlauber und andere Gäste, das
Zwischen Schloss und Badestelle hat Kummerow eine öffentliche Toilette. Doch beklagen Urlauber und andere Gäste, dass das Häuschen immer geschlossen sei. Kirsten Gehrke
Wie manche Leute öffentliche Toiletten hinterlassen, hat die Gemeinde im Frühjahr dokumentiert.
Wie manche Leute öffentliche Toiletten hinterlassen, hat die Gemeinde im Frühjahr dokumentiert. Bernd Moritz
Kummerow.

Eigentlich will der Hesse seinen Besuch in Kummerow in positiver Erinnerung behalten. „Ist wirklich ein netter Ort mit Schloss und Hafen und dann noch direkt am See“, meint er. Nur sei ihm dann doch eines unangenehm aufgestoßen. Die Not mit der Notdurft. Freute er sich noch, dass es im Schlosspark eine öffentliche Toilette gibt, stand er aber vor verschlossener Tür. Sehr misslich, wenn man schon mit zusammengekniffenen Beinen davor stehe. „Und dann sagen dir Kummerower, dass das Klo immer zu ist.“

Das könne doch nicht deren Ernst sein. Was sei ihm übrig geblieben? Das sei ihm peinlich zu sagen, er habe sich an den nächsten Busch gestellt. Als Mann habe man ja diese Alternative. Aber eine Frau? „Die ist ja völlig aufgeschmissen“, meint er. Vor allem außerhalb der Öffnungszeiten des nahen Schlosses, wohin man sich sonst flüchten könnte.

Der Hesse war indes nicht der einzige, dem es so erging. In dieser Saison hat man des Öfteren davon gehört. Da hat sich so mancher geärgert. Kummerower haben beobachtet, dass schon oft Leute vor der geschlossenen Toilette gestanden haben und von einer Stelle auf die andere getrampelt seien. Nur am Festwochenende, als die US-Cars auf der Wiese Station machten, soll das Nobel-Klo oder Millionen-Klo, wie es sich im Dorf schimpft, geöffnet gewesen sein.

Zu pompös?

Mit Fördermitteln hatte die Gemeinde Anfang der 1990-er Jahre die sanitäre Anlage gebaut. Chromstahl und elektronische Sensoren soll sich die Kommune geleistet haben. Das hatte seinerzeit der Landesrechnungshof moniert. Ob das wirklich zu damaligen Zeiten zu pompös war, das kann Christa Pinno, stellvertretende Bauamtsleiterin in Malchin, nicht sagen.

Sie erinnert sich aber, dass damals das WC im Rahmen der Tourismusförderung errichtet wurde. Im Moment bleibe es geschlossen, weil der Gemeindearbeiter krank sei und kein anderer gewonnen werden konnte, der die Toilette regelmäßig sauber macht. Wenn man sie offen lässt und nichts macht, sehe sie entsprechend aus. Das könne man keinem anbieten. Vor dem Sommerfest habe der ehemalige Bürgermeister das Klo selbst geschrubbt.

Wie sich manchmal Leute benehmen, darüber kann Bernd Moritz nur den Kopf schütteln. Solange der Gemeindearbeiter im Dienst war, habe der zweimal die Woche sauber gemacht und das WC mit Papierrollen ausgestattet. Da sei auch das Häuschen geöffnet gewesen. Nur sei mittlerweile einiges demoliert worden, zum Beispiel das Riegel-Scharnier an der Tür zur Herrentoilette. Damit einem die schwere Tür nicht auf den Kopf falle, sei zunächst dieses WC dicht gemacht worden. Denn Reparaturen von heute auf morgen seien nicht möglich.

Keine Lösung in Sicht

Wie dann manchmal die als einzige geöffnete Damentoilette hinterlassen wurde, könne er kaum beschreiben. Binden hätten herum gelegen, Papier sei abgerollt gewesen, es habe gestunken. „Bei dem Geruch ist selbst mir schlecht geworden“, sagt Moritz. Zudem sollen Wohnmobilbesitzer ihre Chemietoiletten dort entleert und die Toilette verstopft haben.

Wie es aus der neuen Gemeindevertretung heißt, werde sich die Gemeinde Gedanken machen müssen, wie es weitergehen soll mit dem WC. Was komme an Kosten für Unterhaltung und Reparaturen auf sie zu. Sauberkeit müsse gewährleistet sein. Solange es da keine Lösung gibt, bleibt das Häuschen erst einmal zu.

 

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k.gehrke@nordkurier.de

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