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Pastor kehrt Malchin den Rücken

Von seiner St. Johanniskirche war Pastor Thomas Waack von Anfang an begeistert. Im September verlässt er nun die Kirchgemeinde nach 15 Jahren.
Von seiner St. Johanniskirche war Pastor Thomas Waack von Anfang an begeistert. Im September verlässt er nun die Kirchgemeinde nach 15 Jahren.
Torsten Bengelsdorf

Nach 15 Jahren noch einmal etwas Neues wagen – das will Thomas Waack schon ab September, wie er jetzt überraschend bekannt gab. Was der Kirchenmann von Malchin mitnimmt, sind nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch mancher Eindruck, der nachdenklich machen dürfte.

Ausgerechnet in die Festwoche 575 Jahre St. Johanniskirche platzt jetzt diese Nachricht: Malchins Pastor Thomas Waack will seine Kirchgemeinde nach 15 Jahren verlassen. Und das auch schon recht bald: Im September ist der Abschiedsgottesdienst geplant. Warum dieser plötzliche Aufbruch? „Ich stand vor der Wahl: Entweder ich bleibe jetzt bis zum Ruhestand oder ich mache doch noch einmal etwas Neues. Und das Neue reizt mich schon“, sagt der 56-Jährige. Er hat sich auf eine Pastorenstelle in Eutin beworben. Und hat sie auch bekommen. „Eutin in der Holsteinischen Schweiz“, wie Waack betont.

Wenn er geht, werde er viele schöne Erlebnisse in Malchin im Gepäck haben – von der gemeinsamen Zeit in der Kirchgemeinde, von Ausflügen, oder von den Weihnachts- und Osternächten, in denen der einzigartige Marienaltar geöffnet wurde. Doch in Erinnerung bleiben wird ihm auch das: „Vielen Malchinern ist gar nicht bewusst, was sie mit dieser Kirche hier haben.“ Ein bewundernswertes Bauwerk, das für die Kleinstadt eigentlich viel zu groß geraten ist. 8000 bis 10 000 Touristen würden jedes Jahr die St. Johanniskirche besichtigen. Und trotzdem habe die Stadt bis vor einigen Jahren schlichtweg vergessen, bei ihren Führungen die Kirche mit einzubeziehen.

Frust über schlechte Zusammenarbeit

Sehr verwundert sei er auch gewesen, dass die Stadt nach vielen Jahren einer guten Zusammenarbeit plötzlich mit der Stadtinformation aus der Sakristei auszog. „Überhaupt habe ich die Erfahrung gemacht, was für ein Potenzial verloren geht, wenn sich die Stadt uneinig ist. Vieles driftet dann auseinander.“ Er hätte sich gewünscht, dass seine Vorschläge zu mehr Gemeinsamkeit stärker angenommen worden wären. Ebenso, dass kulturelle Angebote der Kirche besser verknüpft worden wären. „Jeder macht das Seine und man kommt nicht zusammen, das ist hier sehr verbreitet“, bedauert der Pastor.

Zu den Auseinandersetzungen mit den Windkraftgegnern wolle er sich dagegen nicht mehr äußern. Sein Abschied aus Malchin habe mit all dem aber weniger zu tun. Es sei einfach der Wunsch, nach 15 Jahren noch einmal etwas Neues zu wagen. Und dennoch: „Ich und meine Frau, wir sind doch sehr verwurzelt hier. Das schüttelt man nicht einfach so ab.“