DÜRRE-FOLGEN

Pilzfreunde sammeln merkwürdiges Gemüse

2020 scheint in Mecklenburgs Mitte kein gutes Pilzjahr zu werden. Viele Sammler legen deshalb so ziemlich alles in den Korb, was sie so finden. Darunter Arten, die selbst Pilzberatern Rätsel aufgeben.
Der Weiße Giftchampignon ist nur schwer vom genießbaren Champignon zu unterscheiden, warnt der Teterower Pilzberat
Der Weiße Giftchampignon ist nur schwer vom genießbaren Champignon zu unterscheiden, warnt der Teterower Pilzberater Christoph Kretschmer. Eberhard Rogmann
Teterow.

Das ist nicht unbedingt alles gesund, was die Pilzsammler in diesen Tagen bei Christoph Kretschmer vorbeibringen. Teterows Pilzberater muss in diesem Jahr öfter als sonst mal in der Spezialliteratur nachschauen, was da so alles in den heimischen Wäldern gewachsen ist. In den Sammelkörben finden sich derzeit auch etliche Pilze, die zwar essbar, aber eben doch relativ selten sind, wie etwa der Glimmerschüppling. „Andere Pilze wachsen so, wie wir sie aus den Pilzbüchern eben gerade nicht kennen. Sie haben in diesem Jahr eine ungewöhnliche Form oder eine andere Größe“, sagt der Fachmann. „Um dann ganz sicher zu sein, muss ich auch schon mal das Mikroskop mit zu Hilfe nehmen.“

Keine Frage, die Pilzsaison 2020 ist eine ganz außergewöhnliche und dürfte viele Sammler kaum zufriedenstellen. Gerade in der Region rings um Teterow sieht es gar nicht gut aus. „Ob am Hollerberg, im Hohen Holz oder an der Rennbahn – hier sind nicht viele essbare Pilze zu sehen“, weiß Kretschmer aus eigener Sammelerfahrung. Im mittleren Mecklenburg sei es in diesem Jahr einfach zu trocken gewesen. In anderen Regionen wie etwa rings um Stralsund sehe es dagegen viel besser aus, weil es dort offenbar mehr geregnet hat.

In diesem Jahr nur halbe Artenvielfalt

In Mecklenburgs Schweiz fehlen dagegen in diesem Jahr die Klassiker, wie Kretschmers Kollege in Stavenhagen, Manfred Böttcher, gerade einschätzte. Steinpilze und Maronen würden nur sehr vereinzelt wachsen. Es gebe ein paar essbare Täublinge und einige Pilze an Bäumen wie Krause Glucke, Austernseitling und den ersten Hallimasch. „Wir haben in diesem Jahr nur ungefähr die Hälfte der Artenvielfalt“, meinte Böttcher.

Und darin besteht nun auch die Gefahr. Einige Sammler schleppen alles an, was sie an Pilzen finden können. Darunter auch viele Exemplare, die sie gar nicht kennen. Da ist dann auch schon mal der Giftchampignon dabei, hat Christoph Kretschmer in Teterow erfahren. „Der ist zwar nicht tödlich, kann aber bei Menschen mit Vorerkrankungen ganz böse Folgen haben.“ Also Finger weg von diesem Pilz!

Für MV 2020 bisher 35 Pilzvergiftungen gemeldet

Beim Gemeinsamen Giftinformationszentrum von vier ostdeutschen Bundesländern in Erfurt wurden für Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr bisher 35 Pilzvergiftungen gemeldet. Im gesamten Jahr 2019, in dem es eine wahre Pilzschwemme gab, waren es 60 Fälle, 2018 nur 17. Die tatsächlichen Zahlen könnten höher liegen, da wahrscheinlich nicht in jedem Fall das Zentrum konsultiert werde. In diesem Jahr wurden demnach am häufigsten Champignons mit Karbolegerlingen verwechselt. Mehrmals bestand der Verdacht auf eine Vergiftung durch Knollenblätterpilze oder rohe Pilze, vor allem bei Kleinkindern.

Und gerade in diesem Jahr, in dem es schon Glückssache ist, eine Pilz-Mahlzeit in freier Natur zusammenzubekommen, müssen die großen Pilzausstellungen coronabedingt auch noch ausfallen. Christoph Kretschmer hat in seiner Gartenanlage in Teterow Ost und vor seinem Haus einige Pilze dieser Saison gezeigt. Gern würde er auch mal vor einer Apotheke seinen Pilzstand aufbauen. „Doch für die Flächen hier wie zum Beispiel die Parkplätze brauche ich erst mal eine Genehmigung. Und das dauert ein paar Tage. Wenn ich die Pilze aber finde, muss ich sie auch sofort ausstellen können“, beschreibt Teterows Pilzberater das Problem.

Pilze könnten noch sprießen

Einig sind sich die Fachleute, dass die Saison noch nicht vorbei ist. Bei genügend Regen und ausbleibendem Frost geht da noch einiges – am ehesten in Mischwäldern an Wegen, wo der Regen den Boden erreiche.

Christoph Kretschmer ist in Teterow, Am Hollerberg 30, Telefon 03996-182110 zu erreichen, Manfred Böttcher im Bütt-Soll-Weg 24 in Stavenhagen, Telefon 039954-39232 oder 0171-6506809.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Teterow

Kommende Events in Teterow (Anzeige)

zur Homepage