NOTSTAND BEI GASTRONOMIE

„Poggenkrug”-Wirte in Dargun suchen Nachfolger

Die Stadt Dargun hat einen Notstand in der Gastronomie, der nicht gerade förderlich für den gerade blühenden Tourismus ist. Nun trifft es ein Traditionslokal.
Dietmar und Rosalinde Hettich, Gastwirte des „Poggenkrug” in Dargun, würden gern in Rente gehen. Doch sie hab
Dietmar und Rosalinde Hettich, Gastwirte des „Poggenkrug” in Dargun, würden gern in Rente gehen. Doch sie haben noch keinen Nachfolger. Den hoffen sie in diesem Jahr zu finden, sonst steht es schlecht um die langjährige Tradition. Kirsten Gehrke
Der Poggenkrug hat eine lange Geschichte. 1771 wurde das jetzige Haus gebaut und sah mal so aus, wie auf diesem Bild, das in d
Der Poggenkrug hat eine lange Geschichte. 1771 wurde das jetzige Haus gebaut und sah mal so aus, wie auf diesem Bild, das in der Gaststube hängt. Doch die Klosterschänken-Tradition an diesem Standort geht bis ins Mittelalter zurück. Kirsten Gehrke
Dargun.

Dargun steckt in einem Dilemma. Mit Schlossanlage, Klostersee und Lütt Museum entdecken immer mehr Menschen die kleine Stadt. Die historische Kulisse begeistert viele, doch immer wieder hören die Mitarbeiterinnen in der Stadtinformation, dass Dargun zu wenig Gastronomie hat. Spontan abends mal essen gehen, ist fast unmöglich. Nun musste auch noch der „Poggenkrug” am Klosterdamm den normalen Gaststättenbetrieb einstellen. Damit hält nur noch das Deutsche Haus in der Schloßstraße die Stange. In der Gastronomie herrscht Notstand.

Eigentlich wollten Rosalinde und Dietmar Hettich in diesem Jahr in Rente gehen. Seit 38 Jahren führen die Gastwirte den „Poggenkrug”, ein Lokal mit einer Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Einen Käufer hatten die beiden sogar schon gefunden, doch der sei jetzt abgesprungen. Der hat offenbar kalte Füße bekommen und zu viel Respekt vor dieser Aufgabe gehabt, vermuten sie. Und dann war im Dezember auch noch das Weihnachtsgeschäft futsch. Rosalinde Hettich hatte sich die Hand gebrochen und konnte nicht mehr in der Küche stehen. Wenn in einem Zweier-Team einer ausfällt, dann ist Holland in Not. Aber ganz Schluss soll noch nicht sein, wie es Gerüchte in der Stadt vermuten lassen. „Wir machen nur noch Veranstaltungen”, sagt Dietmar Hettich. Alle angemeldeten Feiern würden sie ausrichten, wie an diesem Wochenende einen Geburtstag. Eventuell wollen sie im Sommer noch an den Wochenenden wie gewohnt öffnen, damit der Schnitt nicht ganz so hart ist. „Aber das ist keine Lösung”, meint Hettich. Sie hoffen, dass sie Nachfolger finden, vielleicht ein junges Paar, so wie sie es damals waren. Der Standort in Schlossnähe könnte kein schönerer sein. Die Neuen könnten im Haus gleich eine Wohnung beziehen, die derzeit noch als Feriendomizil vermietet wird. Die Voraussetzungen seien optimal. Die Hettichs würden es sich so wünschen, dass das Lokal weitergeführt wird. Das Gasthaus ist im Internet ausgeschrieben.

Durch Zufall zum „Poggenkrug”

Rosalinde und Dietmar Hettich sind leidenschaftliche Gastronomen. Beide haben sich zu DDR-Zeiten in der Lehre im Volkshaus in Malchin kennengelernt. Sie wurde Köchin, er Kellner, der zusätzlich noch den Schein zum Gaststättenleiter gemacht hatte und mit 20 Jahren der jüngste Gastwirt in der Region war, als beide in die Konsum-Gaststätte nach Ritzerow delegiert wurden. Als das zweite Kind unterwegs war, hatten sie sich ein Haus in Dargun gekauft. Der Zufall wollte es 1982, dass der „Poggenkrug”-Wirt in Rente ging und der Konsum sie geschickt hat, an einen Ort, an dem schon die Klosterbauern Korn und Bier tranken. Die Schänke geht auf 1172 zurück, urkundlich belegt sei sie von 1533. Das jetzige Haus wurde 1771 erbaut. In der Nähe an der Klosteranlage befindet sich der Poggenteich, auf Hochdeutsch der Froschteich, daher auch der Name „Poggenkrug” und Frösche als Deko überall in der Gaststube und auf dem Tresen.

Kündigung oder Gaststätte allein führen

Nach der Wende standen beide vor der Frage, mit der Kündigung vom Konsum arbeitslos zu werden oder die Gaststätte allein zu führen. Sie waren mutig, modernisierten Küche, Heizung und Inneneinrichtung. 1998 kauften sie das Haus. Ihre Hausmannskost sei weithin beliebt. Viele Gäste seien extra wegen ihres Rumpsteaks, Eisbein, Entenkeule und Soljanka gekommen, erzählt Rosalinde Hettich. Die Poggenplatte mit Schweinesteak, Leber, Würstchen, Pilze, Pommes und Salat sei die Spezialität des Hauses. Schade wäre es, wenn eine so lange Tradition aufhören würde. „Wir haben das Alter, ich werde 65”, sagt sie. Ihr Mann ist 63 Jahre alt.

Das Deutsche Haus weiß um den Gastronomie-Notstand in Dargun. „Noch können wir täglich öffnen”, sagt Uwe Korthaase. Nach der der Wende hatte er das Hotel in der Schloßstraße gekauft und weitergeführt, inzwischen ist sein Sohn Torsten Korthaase mit im Geschäft. Noch hätten sie sonntags bis 20 Uhr, an den anderen Tagen in der Woche bis 21 oder 22 Uhr geöffnet. Aber leicht sei das nicht. Eigentlich sei er mit seinen 80 Jahren längst Rentner, seine Frau mit über 70 mache noch immer die Hotelzimmer sauber. Zwei Servicekräfte und zwei in der Küche hätten sie. Im Moment gehe es. Noch.

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