ANZEIGEN WEGEN KÖRPERVERLETZUNG

Polizei ermittelt nach Gerangel mit Gnoiener Bürgermeister

Eigentlich sollte sich das Gespräch im Rathaus um die nächtlichen Krawalle in der Stadt drehen. Doch dann gingen sich Gnoiens Bürgermeister Lars Schwarz und ein Einwohner an den Kragen – so schlimm, dass beide später die Polizei einschalteten.
Torsten Bengelsdorf Torsten Bengelsdorf
Tatort Rathaus: Nach einer handfesten Auseinandersetzung ermittelt die Polizei jetzt, wer im Bürgermeister-Zimmer am Mittwoch wem zuerst an die Wäsche gegangen ist. (Symbolbild)
Tatort Rathaus: Nach einer handfesten Auseinandersetzung ermittelt die Polizei jetzt, wer im Bürgermeister-Zimmer am Mittwoch wem zuerst an die Wäsche gegangen ist. (Symbolbild) NK-Bildmontage
Gnoien.

Mittwochabend 17 Uhr im Gnoiener Rathaus. Erneut haben sich hier einige Anwohner aus dem Bereich der Park- und Teichstraße mit Bürgermeister Lars Schwarz (CDU) verabredet, um sich über die nächtlichen Ruhestörungen in den benachbarten Parkanlagen zu beschweren. Die dem Bürgermeister im August übermittelten Fragen in diesem Zusammenhang seien noch immer nicht beantwortet, beschwert sich einer der Anwohner. Es kommt zum Streit im Bürgermeister-Zimmer. Schon bald geht es gar nicht mehr um lärmende Jugendliche. Jetzt herrscht Krawall im Rathaus.

Was hier genau passiert ist, da gehen die Darstellungen am Tag danach auseinander. „Ich habe den Bürgermeister angesprochen auf eines seiner Wahlversprechen“, berichtet Dieter Bauch, einer der Teilnehmer der Runde. Was er denn wolle, habe Lars Schwarz geantwortet. „Ich bin dann aufgestanden und um die Ecke gegangen in den Vorraum und wollte den Raum verlassen, als der Bürgermeister mir hinterher getobt kam“, erzählt Dieter Bauch.

Ehefrau ging dazwischen

Was aber dann geschah, das beschäftigt jetzt die Polizei, die es nach dem Gesprächstermin beim Bürgermeister mit gleich zwei Anzeigen zu tun hat. Noch am Mittwochabend rückten die Beamten in Gnoien an, um die Aussage und eine Anzeige von Dieter Bauch aufzunehmen. „Der Bürgermeister hat mich am Kragen gepackt und wollte mich rausschmeißen“, gab Bauch zu Protokoll. Er habe sich am Hemd festgehalten und dem Bürgermeister zwei Knöpfe abgerissen. Bei dem Gerangel sei dann eine Vase zu Boden gefallen und zersprungen. „Dann kam meine Frau um die Ecke und ist dazwischen gegangen. Sonst hätten wir uns wohl noch auf dem Boden gewälzt.“

Bürgermeister Lars Schwarz wollte sich am Donnerstag auf Anfrage des Nordkurier nicht zum Verlauf des Vorfalls äußern und verwies auf seinen Stellvertreter Marco Krüger, der allerdings am Mittwochabend erst später ins Rathaus gekommen war, als die Rangelei schon vorbei war. Krüger berichtet von „Beleidigungen massiver Art“, die Dieter Bauch in dem Gespräch gegen Lars Schwarz vorgebracht habe. Deshalb habe der Bürgermeister Dieter Bauch auch aufgefordert, den Raum zu verlassen und ihn bis zur Tür begleitet. Hier seien die Beschimpfungen weiter gegangen. „In diesem Zuge hat Herr Bauch Herrn Schwarz dann an den Kragen gepackt und gegen den Schrank geworfen“, erzählt Krüger und gibt damit die Sichtweise des Bürgermeisters wieder.

Blaue Flecken am Hals

Als Arzt habe er den Bürgermeister später untersucht und blaue Flecken am Hals festgestellt und davon wie auch vom zerrissenen Hemd Fotos gemacht. Erst am Donnerstagvormittag ging dann allerdings bei der Polizei die Anzeige des Bürgermeisters gegen Dieter Bauch wegen Körperverletzung und Beleidigung ein. Wer da nun wem zuerst an den Kragen gegangen ist, wird schwer zu ermitteln sein. Zwei Zeugen im hinteren Zimmer haben dies jedenfalls nicht sehen können.

Am Donnerstagnachmittag meldete sich Gnoiens Rathaus-Chef dann doch noch zu Wort: „Wenn ein ehrenamtlicher Bürgermeister bei der Ausübung seiner Arbeit (Bürgergespräch) in seinen Amtsräumen (Rathaus) massiv beleidigt wird und als er das geführte Gespräch deshalb abbricht, von seinem Hausrecht Gebrauch macht und auffordert, das Rathaus zu verlassen, dann tätlich angegriffen wird, dann ist ein Tiefpunkt erreicht“, so Lars Schwarz.

Was am Mittwochabend völlig auf der Strecke blieb, ist die Ruhestörung in den Parkanlagen der Stadt. Einen neuen Gesprächstermin im Rathaus gibt es jedenfalls erst einmal nicht.

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