In Stavenhagen versuchen derzeit anscheinend besonders viele, sich mit gefälschten Impfbüchern einen digitalen Coron
In Stavenhagen versuchen derzeit anscheinend besonders viele, sich mit gefälschten Impfbüchern einen digitalen Corona-Impfnachweis zu ergaunern. Oliver Dietze
In Apotheke

Polizist fliegt mit gefälschtem Impfnachweis auf

Bei der Ausstellung digitaler Impfzertifikate stoßen Apotheker immer häufiger auf Betrugsversuche. In Stavenhagen wurde sogar schon ein Polizist ertappt.
Malchin

Stavenhagen scheint ein Mekka des Impfausweisbetrugs zu sein. Da gab es nicht nur den 55-Jährigen, der sich in einer Apotheke einen digitalen Impfausweis erschleichen wollte, und zwei weitere Polizeianzeigen in Malchin und Stavenhagen. „Wir hatten in den vergangenen Wochen mindestens an jedem Tag einen Fall“, sagte Arne Sandström, Inhaber der Schweden-Apotheke in Stavenhagen.

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Die meisten davon habe er aber nicht bei der Polizei angezeigt, weil seiner Meinung nach danach nichts passiere. „Ich habe den Kunden ins Gewissen geredet“, sagte Sandström. Er bot ihnen an, die Impfausweise zu zerreißen oder andernfalls die Polizei zu rufen. Dann entschieden sich die Kunden für die Vernichtung oder auch für die Schwärzung des Bereichs, wenn es sich um den originalen Impfausweis handelte.

Impfbetrüger in allen Bevölkerungsgruppen

Erschrocken ist Arne Sandström über die Personen, die versuchten, sich mit falschen Impfnachweisen durchzumogeln. „Es handelte sich um Menschen aus allen Berufsgruppen, von Mitarbeitern im arbeitsmedizinischen Dienst über Lagerarbeiter bis hin zu Polizisten“, betonte er. Ein Polizist sei dabei gewesen, präzisierte Sandström. Er ist enttäuscht, dass Personen lügen und betrügen und dabei andere gefährden, weil sie gar nicht geimpft sind. Dass es so viele Fälle sind, habe offensichtlich mit dem Standort im Einkaufszentrum zu tun, wo ohnehin viele ortsfremde Menschen einkaufen. Aktuell gebe es weniger Fälle. In seiner Filiale in Schwanen-Apotheke habe es teilweise zwei Versuche die Woche gegeben.

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Petra Kokel, Inhaberin der Fritz-Reuter-Apotheke in Stavenhagen, nannte zwar keine Zahl. Aber auch sie hatte einige Fälle mit falschen Impfausweisen. Die Apotheken seien verpflichtet, die Nachweise auf Plausibilität prüfen. „Wir sind aber keine Detektive“, betonte sie. Mitunter sei es auch sehr schwer, die Dokumentationen mancher Impfärzte nachzuvollziehen.

Polizei: Apotheker sind die letzte Kontroll-Instanz

Für den Neubrandenburger Polizeisprecher Alexander Gombert sind es in der Regel auch Apotheker, denen die Fälschungen auffallen. Friseure, Gastronomen oder Einzelhändler seien weder geschult noch in der Pflicht, die Echtheit der vorgelegten Zertifikate zu überprüfen. „Die Apotheker sind die letzte Instanz, die alles kontrolliert und dann das entsprechende Zeugnis herausgibt“, so Gombert. 17 Fälle seien seit 1. Oktober im Landkreis Seenplatte angezeigt worden. Im Polizeihauptrevier Güstrow gab es eine zweistellige Zahl von Verdachtsfällen. Wie viele Fälle es zwischen Gnoien und Teterow waren, konnte der Pressesprecher nicht sagen. Er wusste aber, dass eine Anzeige auch von einem Restaurantbesitzer aus dem Teterower Revierbereich kam.

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Die Teterower Rats-Apotheke hat bisher nur einem Stadtbewohner den digitalen Nachweis verweigern müssen, so Inhaber Armin Noeske. Doch für die Apotheken werde es immer sicherer, die Impfausweise zu prüfen. Von Apothekenkammer und Apothekerverband bekämen sie Informationen, welche Ärzte gar keine Impfungen durchführen oder welche Chargen-Nummern von Impfstoffen es gar nicht gibt. Seit ein paar Tagen gebe es über das Portal für die digitalen Codes auch Rückmeldungen, ob die genannten Impfchargen überhaupt im genannten Zeitraum verimpft wurden.

Weit mehr Versuche gab es in der Auerhahn-Apotheke Teterow. „Wir hatten in den vergangenen zwei Monaten weniger als zehn Fälle“, sagte die Angestellte Hanna Kühn. Man melde die Betrugsversuche, um auch andere Apotheken zu warnen. Die Polizei rufe man aus Gründen des Datenschutzes nicht. „Hier sind uns die Hände gebunden“, erläuterte sie. Dennoch habe man den Kunden klargemacht, dass sie auch in anderen Apotheken keine Chance auf einen digitalen Impfnachweis haben. „Am Ende haben wir ihnen die Schere in die Hand gegeben, um den falschen Impfausweis zu zerschneiden.“

Fälschungen stellen eine Straftat dar

Dass die Apotheken diese Fälle nicht anzeigen, bedauert die Polizeisprecherin Susann Ossenschmidt. „Es handelt sich dabei um Straftaten“, betonte sie. Es werde auch definitiv ermittelt. Wer beim Benutzen eines falschen Ausweises erwischt wird, dem drohen eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe, so ihr Kollege Gombert. Fälscher müssten mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu zwei oder sogar bis zu fünf Jahren rechnen.

Die Hubertus-Apotheke in Gnoien hatte noch keinen Betrugsversuch, so Inhaberin Annette Milkereit. „Wir sind aber in Alarmbereitschaft.“ Sie wusste aber, dass ein Bürger den Stempel einer Gnoiener Hausärztin fälschte und sich in Rostock einen digitalen Impfnachweis holen wollte. Das klappte aber nicht.

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