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Praxistest im DRK-Pflegeheim Teterow

Die Schwestern Cindy Kühn (rechts) und Mandy Schulz stellen die Medikamente für die Bewohner zusammen. Dabei ist höchste Sorgfalt und Konzentration geboten.
Die Schwestern Cindy Kühn (rechts) und Mandy Schulz stellen die Medikamente für die Bewohner zusammen. Dabei ist höchste Sorgfalt und Konzentration geboten.
Eberhard Rogmann

Alles, was der Arzt verordnet, kann man unbedenklich einnehmen. Wirklich? Eine wissenschaftliche Studie will dieser Annahme auf den Grund gehen. Erste Ergebnisse lassen aufhorchen.

Cindy Kühn und Mandy Schulz sitzen im Stationszimmer des DRK-Pflegeheims Teterow  konzentriert in ihre Arbeit vertieft. Das ist ein Moment ihres Arbeitstags, wo sich die beiden nur höchst ungern stören lassen. Sie stellen die Medikamente für die Heimbewohner zusammen. Von Routine keine Spur. „Das ist schon eine ziemliche Fülle. Damit auch wirklich jeder genau seine verordneten Arzneien bekommt, wird lieber einmal mehr nachgeschaut“, versichert Schwester Cindy. Doch damit nicht genug. Die Schwestern beobachten ihre Klienten nach der Medikamentengabe höchst sorgfältig. Jegliche Auffälligkeiten werden protokolliert. Sei es, dass jemand schnell ermüdet oder vernehmlich aufdreht, unter Schwindel und Gleichgewichtsstörung leidet oder Probleme mit der Verdauung sich einstellen.

Diese besondere Sorgfalt hat eine einfache Erklärung. „Seit einem Jahr beteiligen wir uns an einer Forschungsstudie der Universität Rostock zur Therapiesicherheit von Arzneimitteln“, verrät Ronald Hinkelmann, Leiter des Pflegeheimes. 15 Heime in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen sind dafür ausgewählt worden. Darunter die DRK-Einrichtung Teterow. Nun sollte man eigentlich darauf vertrauen, dass Arzneimittel, die in Deutschland verschrieben werden, hinlänglich auf ihre Wirkungen und Nebenwirkungen getestet sind. „Natürlich, das ist so“, bestätigt Hinkelmann. Nur zu gut kennt er das schlagende Argument seiner Heimbewohner, wenn man sie nach ihren Pillen fragt. „Dat hätt mi de Dokter verschräben“ - soll heißen: Das kann ich ruhig nehmen, damit ist alles in Ordnung. Wirklich?

Bewusst ältere Menschen ausgewählt

Ebendas soll die Studie herausfinden. Zwei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: Das ist zum einen die Wirkung von Medikamenten in Kombination mit anderen. In der Praxis tritt dies meist zutage, wenn neben Arzneimitteln, die von Hausarzt verschrieben sind, weitere kommen, die ein Facharzt verordnet hat.  Weil ein und derselbe Wirkstoff heute in zahlreichen unterschiedlichen Arzneien auf dem Markt ist, wird die Vielfalt möglicher Wechselwirkungen nahezu unüberschaubar. In diesen Dschungel soll die laufende Studie etwas mehr Licht bringen. Des Weiteren sind bewusst Ältere ausgewählt. Sie benötigen in der Regel mehr Medikamente als jüngere Menschen und ihre Verträglichkeit kann ebenfalls mit steigenden Lebensalter abweichen. „Da wir davon ausgehen, dass der Anteil von älteren Menschen in den kommenden Jahren weiter zunimmt, sind solche Erkenntnisse sicher in der Pflege sehr wichtig. Wir wollen als Teilnehmer der Studie unseren Beitrag dazu leisten“, merkt der Heimleiter an. Die Apotheken sowie die Hausärzte der Stadt und der Umgebung sind mit im Boot.

Die Pflegeschwestern sind mit besonderem Eifer bei der Sache. „Das ist die beste Weiterbildung“, findet Schwester Eveline Rohde. Darüber hinaus motiviert der Erfolg. Wenn die Studie auch erst Halbzeit hat, so konnte im letzten Jahr beispielsweise die Zahl von Stürzen im Heim deutlich reduziert werden. „Ob das nun auf korrigierte Medikation oder die geschärfte Beobachtung durch das Personal zurückgeht, ist für uns zunächst zweitrangig. Der Trend ist erfreulich“, kommentiert Ronald Hinkelmann.