VERFAHREN GEGEN MANN AUS DAHMEN

Prozess wegen Schwarzfahrens bringt ganze Familie vor Kadi

Ein junger Mann aus Dahmen erhält wegen Fahrens ohne Führerschein eine Bewährungsstrafe. Doch der Prozess hat für seine Frau und seine Mutter ein juristisches Nachspiel.
Christian Menzel Christian Menzel
Das Fahren ohne Führerschein bringt einem Mann Bewährung ein.
Das Fahren ohne Führerschein bringt einem Mann Bewährung ein. Foto: © Dudarev Mikhail – stock.adobe.com
Dahmen.

Im Verfahren gegen einen jungen Mann aus Dahmen hat Richter Björn Kröhnert am Freitag ein Urteil gesprochen: Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis erhielt der Beschuldigte eine Haftstrafe von vier Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. Zusätzlich wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und darf vor dem Ablauf von zwei Jahren keine Fahrerlaubnis beantragen.

Das Urteil hätte schon bei der Hauptverhandlung in Güstrow vor eineinhalb Wochen fallen sollen. Damals hatte die Nachbarin den Mann bezichtigt, sein Kind in die Kita gefahren zu haben, obwohl er nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis ist. Dem widersprach die Ehefrau des Beschuldigten, die behauptete, an dem Tag vor knapp zwei Jahren selbst gefahren zu sein. Somit stand Aussage gegen Aussage, aber eine der beiden Zeuginnen musste gelogen haben. Also suchten Gericht und Staatsanwaltschaft nach weiteren Zeugen. Das Paar selbst nannte die Erzieherinnen der Kita als mögliche Zeugen. Ein Vorschlag, der voll nach hinten losgehen sollte, wie sich bald herausstellte. Denn natürlich konnten weder die Kita-Leiterin noch ihre Assistentin sagen, wer genau das Kind an jenem Novembertag 2017 gebracht hatte. Dafür stellte sich heraus, dass der Beschuldigte in dem Jahr oft selbst mit dem Auto gefahren sei, obwohl er da schon keine Papiere mehr hatte. An manchen Tagen soll er auch mit einem Pocket Bike gekommen sei – auch dafür braucht es eine Fahrerlaubnis. Und zu guter Letzt hatte auch manchmal die Oma das Kind mit dem Auto gebracht. Doch die hat auch keine Fahrerlaubnis. Somit könnte die Familie mit weiteren Ermittlungen rechnen: die Ehefrau wegen einer Falschaussage vor Gericht und die Oma wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Eine weitere Zeugin verwickelte sich in Widersprüche und konnte nicht zur Aufklärung des Sachverhalts beitragen.

Dafür sprachen sechs Eintragungen in das Bundeszentralregister gegen den Beschuldigten. Er hatte bereits wegen Diebstahls, Betrug, dem unerlaubten Erwerb von Betäubungsmitteln und zweimal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor dem Kadi gestanden. Die Staatsanwältin beantragte die Freiheitsstrafe, weil dem jungen Mann mit Geldstrafen offenbar nicht beizukommen sei. „Betrachten Sie die Verurteilung als Warnschuss. Das vorsätzliche Fahren ohne Führerschein ist kein Kavaliersdelikt. Sie gefährden damit andere Menschen und sich selbst auch“, führte sie aus. Der Richter folgte den Ausführungen der Anwältin auch bei der Bemessung des Strafmaßes. Noch im Gerichtssaal nahm der junge Mann das Urteil an.

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Kommentare (1)

sicherlich nicht um die Flodders handelt - gebt ihnen im Sinne der Kinder eine soziale Loesung