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Rat „alter Hasen“ stößt in Teterow auf geteiltes Echo

Hannelore Langhof [KT_CREDIT] FOTO: Eberhard Rogmann

VonMathias GreisertEine neue Arbeitsgruppe ehemaliger Bürgermeister und Verwaltungschefs will Gemeinden ehrenamtlich beraten. Große Erwartungen weckt das ...

VonMathias Greisert

Eine neue Arbeitsgruppe ehemaliger Bürgermeister und Verwaltungschefs will Gemeinden ehrenamtlich beraten. Große Erwartungen weckt das Angebot rund um Teterow aber nicht gerade.

Teterow/Altentreptow.„Ich wüsste nicht, was ich sie fragen sollte.“ Jördenstorfs Bürgermeisterin Hannelore Langhof (parteilos) sieht das Angebot ihrer ehemaligen Amtskollegen eher skeptisch.
Mehrere langjährige Verwaltungschefs wollen künftig Gemeinden im ganzen Land mit ihrem Erfahrungsschatz als Berater zur Seite stehen. In Altentreptow gründeten sie deshalb jetzt die „Arbeitsgemeinschaft der Altmeister des Städte- und Gemeindetages“. „In 20 Jahren hat man eine Menge gelernt und kann einiges weitergeben“, meinte etwa Demmins Altbürgermeister Ernst Wellmer (CDU). Insgesamt haben etwa 30 ehemalige Verwaltungsspitzen Interesse an einer Mitarbeit signalisiert. Mit dabei auch Schwerins früheres Stadtoberhaupt Johannes Kwaschik und Laages Alt-Bürgermeister Uwe Heinze (beide SPD). Den amtierenden Bürgermeistern soll das Angebot der Gruppe bei der nächsten Vollversammlung des Städte- und Gemeindetags am 11. Juni in Güstrow vorgestellt werden.
Teterows Stadtoberhaupt Reinhard Dettmann (parteilos) kann sich gut vorstellen, dass die Ehemaligen auch für seine Region die eine oder andere Anregung zu bieten haben. Als Beispiele nennt er die Flächenplanung, Gewinnung von Investoren oder die Umstellung auf die kaufmännische Buchführung (Doppik). Letztlich stünden große Kommunen vor den gleichen Problemen wie ihre kleine, sieht auch Boddins Bürgermeisterin Erika Heise (Wählergemeinschaft) dem neuen Beratungsangebot aufgeschlossen entgegen. „Ein Außenstehender hat ja doch einen ganz anderen Blick auf die Dinge.“
Für Hannelore Langhof läuft der angebotene Rat allerdings ins Leere. In ihren fast zwanzig Jahren als Bürgermeisterin habe sie den Erfahrungsaustausch mit „Leidensgenossen“ zwar zu schätzen gelernt. Gegen die chronische Unterfinanzierung der Gemeinden könnten die Ehemaligen aber auch nicht helfen. Durch Altschulden aus der Nachwendezeit und steigende Kosten für Pflichtaufgaben bleibe ihrer Gemeinde immer weniger Geld für freiwillige Aufgaben. Jugendarbeit sei schon gestrichen, der Bibliothek drohe die Schließung. „Wir können so gut wie nichts mehr gestalten, was soll uns da ein kostenloser Rat nutzen?“

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m.greisert@nordkurier.de