WAHRZEICHEN RESTAURIERT

Rennfahrer weist wieder den Weg zum Bergring

Eine Restauratorin hat Teterows berühmten Holz-Rennfahrer wieder flott gemacht. Und dabei auch gleich noch eine große Bitte seines Schöpfers erfüllt.
Die Arbeit am Rennfahrer war für sie etwas Besonderes, so Restauratorin Esther Wüstenberg. Natürlich war sie am
Die Arbeit am Rennfahrer war für sie etwas Besonderes, so Restauratorin Esther Wüstenberg. Natürlich war sie am Freitag auch dabei, als die Männer der Kommunaltechnik ihn wieder montierten. Simone Pagenkopf
Teterow.

Eine kleine Zitterpartie war es schon. Und damit meint Esther Wüstenberg nicht nur, wie der hölzerne Bergring-Rennfahrer von der B108 in Teterow in ihre Werkstatt rein und jetzt auch wieder raus gefädelt wurde. „Das war Millimeterarbeit“, zollt die Restauratorin den Männern von der Kommunaltechnik in Teterow Respekt. Am Freitagvormittag war dann noch einmal Fingerspitzengefühl gefragt, als sie den Rennfahrer ganz sensibel per Kran an seinem angestammten Platz montierten. Esther Wüstenberg hat ihn in den zurückliegenden Wochen einer Verjüngungskur unterzogen, das stark bewachsene Holz gereinigt, die schon abgeblätterte Farbe nach einem Farbbefund rekonstruiert.

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Komplettiert hat sie den Rennfahrer übrigens auch. Auf ganz spezielle Bitte von Jim Schütz, der ihn vor 15 Jahren schuf. „Ich sollte unbedingt den Kinnriemen des Helms hinzufügen. Den hatte er damals vergessen. Nach 15 Jahren sitzt der Helm nun sicher“, sagt sie schmunzelnd. Zudem löste sich ein Rätsel. Warum haben die beiden Wegweisungen zum Bergring eigentlich einen unterschiedlichen Farbton? Das mag sich manch einer in der Vergangenheit vielleicht schon gefragt haben. Jim Schütz hatte sie nachträglich gefertigt, und wie sich jetzt herausstellte, lagerte der erste Balken mit der Schriftseite auf der Erde, sodass er selbst nicht mehr so genau nachgucken konnte. Esther Wüstenberg hat beide Farbtöne beibehalten. Die Arbeit am Teterower Rennfahrer habe ihr viel Spaß gemacht, erzählt sie. „Das war wie nach Hause kommen. Ich habe Jimi und seine Art zu arbeiten kennengelernt, als ich 16 war. Seine Witzigkeit findet sich hier wieder. Das war für mich etwas ganz Besonderes.“

Erster Wegweiser war 1945 verschwunden

Der hölzerne Rennfahrer ist übrigens der Dritte seiner Art, der vom Carl-Schröder-Platz den Weg zum Bergring weist. Jim Schütz hatte einer Mischung der beiden Vorgänger noch seine ganz eigene Note gegeben, natürlich gewürzt mit einer Prise Humor. Die Wegweiser-Geschichte begann vor 84 Jahren. Bürgermeister Andreas Lange hatte sich dazu noch einmal schlau gemacht. „Der erste Rennfahrer stammte von Karl Völker aus Plau. Er hielt nur bis zum Ende des Krieges und war 1945 verschwunden. Als Vorlage diente ein Foto von Hans Winkler, der das Rennen 1935 mit Bahnrekord gewann und die Startnummer 75 hatte.

Den Zweiten fertigte Paul-Friedrich Schlunt 1952“, erinnerte er gestern. Schlunt‘s Fahrer saß im Gegensatz zum jetzigen recht aufrecht, war aber auch in die Jahre gekommen und bereits mehrfach repariert worden, bevor er 2004 seinen Platz räumen musste. Grund: Die Straße wurde saniert. Stadtvertreter, Vereine und Privatpersonen starteten dann eine Spendenaktion und der nun dritte Rennfahrer bekam einige Meter vom alten Standort entfernt einen neuen Platz.

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In diesem Jahr schaut die Bergringstadt übrigens auf 90 Jahre Bergringgeschichte und seit 84 Jahren weist ein hölzerner Rennfahrer den Weg zur Grasbahn. „Er ist nicht nur ein Hingucker. Er gehört dazu“, so Bürgermeister Andreas Lange.

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