BEDENKEN GEGEN KLÄRSCHLAMMVERBRENNUNG

Rollen bald 19 000 Lkw zusätzlich nach Stavenhagen?

In der Sitzung der Stavenhagener Stadtvertreter haben Anwohner Bedenken gegen die geplante Klärschlammverbrennung geäußert. Die Kreistagsfraktion der Grünen warnt vor einem Mülltourismus aus Brandenburg.
Auf dieser Fläche neben dem bestehenden EEW-Heizkraftwerk könnte eine zweite Anlage entstehen. Dieses Mal eine Kl&au
Auf dieser Fläche neben dem bestehenden EEW-Heizkraftwerk könnte eine zweite Anlage entstehen. Dieses Mal eine Klärschlammverbrennung. Eckhard Kruse
Stavenhagen.

Dass nicht alle Bürger den Bau der geplanten Klärschlammverbrennung von EEW in Stavenhagen so einfach hinnehmen werden, das zeigte die jüngste Stadtvertretersitzung. Rainer Plötz wollte wissen, ob die Stadt neben dem EEW-Gutachten noch ein neutrales Gutachten in Auftrag geben könnte, um zu überprüfen, ob die Angaben zu der angeblich geringen Luftbelastung stimmen. Die Unterlagen durchlaufen derzeit das Genehmigungsverfahren und sind einsehbar. Die Verbrennung samt Trocknung soll nach Möglichkeit 2022 in der Schultetusstraße in Betrieb gehen. Plötz bat auch, Kontakt nach Stapelfeld bei Hamburg aufzunehmen. Denn dort solle ebenfalls eine Klärschlammverbrennung entstehen.

„Muss die Anlage kommen oder kann man sie noch verhindern?“, fragte Robert Kind. Die Stadt habe nichts von der Anlage. Das Unternehmen verdiene daran. „Der Bürger hat den Verkehr und die Umweltbelastung“, betonte Kind. Er habe auch Insiderwissen, das er der Stadt gern zur Verfügung stellen würde. Der Kardinalfehler sei vor 2007 begangen worden, als die erste Verbrennungsanlage – damals noch für Nehlsen – in Stavenhagen genehmigt wurde.

Abwägung von Vor- und Nachteilen

Im Juni werde es eine öffentliche Sondersitzung der Stadtvertreter zum neuen EEW-Projekt geben, erläuterte Stadtpräsident Klaus Salewski (Die Linke). „Die Stadt kann nicht entscheiden, ob die Anlage gebaut wird oder nicht“, sagte er. Sie gebe nur ihr Einvernehmen. Die Entscheidung liege beim StALU (Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt), ergänzte Bürgermeister Stefan Guzu (parteilos). „Wir können aber unsere Einwände vorbringen.“ Man könne auch mit der EEW-Geschäftsführung sprechen und herausfinden, welche Vor- und Nachteile die Stadt hat.

Dass die Verkehrsbelastung in der Region und in Stavenhagen wachsen wird, darauf hat nach dem Landtagsabgeordneten Peter Ritter (Die Linke) nun auch die Kreistagsfraktion der Grünen hingewiesen. „Unsere Hauptkritik richtet sich gegen den drohenden Abfalltourismus und die damit verbundene Umweltverschmutzung“, so Fraktionschef Falk Jagszent. Der Klärschlamm solle hauptsächlich aus Berlin und Brandenburg angeliefert werden. Bei voller Auslastung der Anlage bedeutet dies ein Plus von jährlich 19 000 Lkw-Fahrten durch die Region. Das sei den Bürgern nicht zuzumuten. Mit langen Transportwegen entstünden wohl auch höhere Entsorgungskosten. Kritisiert wurde zudem, dass EEW eine Bahn-Anlieferung allein aus wirtschaftlichen Gründen ablehne.

Unternehmen EEW widerspricht

Das Unternehmen EEW widerspricht indes: Vor allem plane man mit lokalen und regionalen Klärschlämmen aus dem Land MV, eventuell noch mit Klärschlämmen aus dem nördlichen Brandenburg. „Weite Transporte liegen auch nicht in unserem Interesse“, sagte Morten Holpert, Technischer Geschäftsführer in Stavenhagen. Eine Bahnanlieferung ergebe keinen Sinn, weil die Kläranlagen in der Regel keine Bahnanschlüsse haben und die Kosten für die Verbraucher steigen würden.

Das Unternehmen leiste jetzt auch schon seinen Beitrag zum Gewebesteueraufkommen der Stadt. „Wir sponsern Sportvereine und spenden an öffentliche Einrichtungen“, so Holpert. Auch in Stavenhagen. In Stapelfeld unterstütze man eben ein Schwimmbad. Er hofft, dass mit der Energie der Anlage einmal 90 Prozent des Fernwärmebedarfs der Stadt gedeckt werden können. Davon würden Stavenhagen und EEW ökologisch und ökonomisch profitieren. Mit der Verbrennung von Schwermetallen, Medikamentenrückständen, Hormonen und Mikroplastik würden diese Schadstoffe auch nicht mehr auf die Äcker rund um Stavenhagen gelangen. Das diene dem Grundwasserschutz.

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