BEHÖRDE MISST LÄRM

Schießt die Polizei in Stavenhagen zu laut?

Gustav Schulz kämpft schon seit Jahren für mehr Ruhe im Stavenhagener Stadtholz. Er stört sich daran, dass Polizisten beim Schützenverein oft stundenlang das Schießen üben. Nun sollen genaue Zahlen her.
Eckhard Kruse Eckhard Kruse
Immer wieder stehen am Vormittag Autos der Polizei auf dem Gelände der Schützengesellschaft in Stavenhagen. Die Beamten trainieren dann das Schießen.
Immer wieder stehen am Vormittag Autos der Polizei auf dem Gelände der Schützengesellschaft in Stavenhagen. Die Beamten trainieren dann das Schießen. Eckhard Kruse
Stavenhagen.

Gustav Schulz hat jetzt endgültig genug. Er will nicht mehr das Knallen erdulden, das immer wieder durch das Stavenhagener Stadtholz schallt. Der Lärm kommt aus den Waffen von Polizisten, die an vielen Vormittagen der Arbeitswoche auf der Schießanlage der Stavenhagener Schützengesellschaft von 1884 ein Schießtraining absolvieren. „Oftmals von Montag bis Donnerstag“, sagte Schulz. Das gehe früh los. Manchmal werde bis 14  Uhr geschossen. Die Schützen des Vereins trainierten immer am Freitagabend.

„Ich kämpfe schon seit 2012“, berichtete Gustav Schulz. Er sammelte 15 Unterschriften unter Bewohnern des Stadtholzes und von Klockow. Seitdem sei aber nicht viel passiert. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Neubrandenburg hatte mehrmals Messungen versprochen. 2013 sei einmal der Lärmpegel geprüft worden. Doch die zweite versprochene Hauptmessung lässt nun seit Jahren auf sich warten.

Anwältin schaltete Behörde ein

In dieser Woche soll es nun soweit sein, wie StALU-Chef Linke informierte. Am Donnerstag würden die Mitarbeiter des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) die Lärmpegel messen. Die Geräte würden auf dem Gelände der Familie Schulz aufgestellt. Nur starker Regen und heftiger Wind könnten die Messung noch verhindern.

Dass es nun vorangeht, darum habe sich seine Anwältin gekümmert, berichtete Gustav Schulz. „Sie hat das StALU angeschrieben“, erzählte er. Denn jetzt, wo er Rentner ist und die meiste Zeit auf seinem Grundstück ist, wolle er nicht mehr so viele Schießgeräusche hören. Und auch die anderen Bewohner des Stadtholzes würden sich über ein bisschen mehr Ruhe freuen.

Anlage laut Baugenehmigung nur für Sportschützen

Der Anwalt des Schützenvereins, Hans-Volker Fischer, ist aber sehr gelassen, selbst wenn es zu einem Rechtsstreit kommen sollte. Der Verein habe alle Genehmigungen für die Schießanlage. Der Landkreis Seenplatte schaue auch immer sehr genau auf alles, was mit Waffengebrauch und Waffenbesitz zusammenhänge. „Wenn etwas an der Anlage nicht zulässig wäre, dann hätte der Landkreis längst reagiert“, sagte Fischer. Und er wunderte sich auch, dass der Anwohner sich nicht an dem Lärm des benachbarten Waldbads stört. Denn der dortige Geräusch-Pegel dürfte mindestens genauso hoch sein wie der aus der Schießanlage.

Doch Gustav Schulz ist sich nicht so sicher, ob alles rechtens ist. Sein Anwältin habe nämlich die ursprüngliche Baugenehmigung aus dem Jahr 1993 gefunden. „Danach dürfen nur Sportschützen auf der Schießanlage im Stadtholz trainieren“, sagte er. Die Polizei wäre außen vor. Der Anwohner hofft bei einer Überschreitung des erlaubten Lärmpegels, dass die Schützengesellschaft wenigstens eine Lärmschutzwand errichten muss, um den Schall einzudämmen.

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