Am sowjetischen Ehrenmal gegenüber des Teterower Bahnhofes gab es zum 8. Mai alljährlich eine Gedenkveranstaltung. D
Am sowjetischen Ehrenmal gegenüber des Teterower Bahnhofes gab es zum 8. Mai alljährlich eine Gedenkveranstaltung. Doch diesmal ist es anders. Torsten Bengelsdorf
Tag der Befreiung

So gedenkt Teterow doch noch des Kriegsendes

Auch ohne offizielle Veranstaltung zum 75.  Jahrestag der Befreiung können die Teterower Haltung zeigen, meint jedenfalls die Linkspartei.
Teterow

So ganz ohne ein Gedenken soll der 8.  Mai, der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, in Teterow nun doch nicht ablaufen. Eine offizielle Veranstaltung sei wegen der Corona-Krise nicht geplant, hatte Bürgermeister Andreas Lange (parteilos) mitgeteilt. Obwohl sich doch Städte in der Nachbarschaft nicht durch das Virus von dem Gedenktag abbringen lassen. Malchin plant zum 75.  Jahrestag des Kriegsendes sogar einen Stadtrundgang zu den Gedenkstätten, die mit der Befreiung vom Faschismus in Verbindung stehen.

Doch auch Teterow sollte am 8.  Mai Haltung zeigen, meint Edeltraud Crepon von der Teterower Ortsgruppe der Linkspartei. Und sie hat eine Idee, wie ein Gedenken in Zeiten der Corona-Krise mit ihren Kontaktbeschränkungen aussehen könnte. Crepon ruft die Teterower sowie Einwohner der umliegenden Dörfer auf, am 8.  Mai zu beliebiger Zeit eine Blume niederzulegen – entweder am Ehrenmal der gefallenen sowjetischen Soldaten am Bahnhof Teterow oder an den Gräbern der gefallenen deutschen Soldaten auf dem städtischen Friedhof. Ihr Aufruf richte sich an alle Einwohner – unabhängig von Gesinnung, Nationalität, Partei, Religion und Alter, erklärte Crepon.

Teterow blieb anders als Malchin fast unbeschadet

Gerade erst hätten aus Anlass des Jahrestages wieder viele Berichte an das sinnlose Sterben von Tausenden Menschen auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges erinnert, etwa auf den Seelower Höhen, sagt die Teterowerin und erwähnt auch die Todesmärsche von KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen und die Opfer von Typhus, Hunger und der Zerstörung ihrer Häuser durch Bombenangriffe. „All diese unsagbaren Auswüchse von Machtgier, Eroberungssucht, Hass und Feindschaft lassen mich nicht unberührt. Ich weiß, dass viele Einwohner unserer Heimatstadt Teterow diese Gedanken teilen“, so Edeltraud Crepon.

Anders als die Stadt Malchin hatte Teterow das Kriegsende nahezu unbeschadet überstanden. Ein kleiner Trupp des sogenannten Volkssturmes – Kriegsinvaliden und Minderjährige – war Ende April 1945 zur Verteidigung von Teterow aufgeboten. Laut Zeitzeugen-Berichten bezogen sie mit Panzerfäusten bewaffnet auf dem Höhenzug zwischen Malchin und Teterow bei Hohen Mistorf Stellung. Doch ein Offizier soll die Jungen nach Hause geschickt haben, als die Panzer der Roten Armee Malchin erreichten.

Auch in Teterow viele Suizide zum Kriegsende

Russische Flieger sollen später drei Bomben auf Teterow abgeworfen haben, die allerdings keine größeren Schäden anrichteten. Die Stadt wurde am 1.  Mai kampflos übergeben und besetzt. Zu weiteren Zerstörungen und Brandschatzungen kam es nicht. Mit einer Ausnahme: Am 2.  Mai sprengte die Rote Armee das Kurhaus in den Heidbergen, das als Lazarett gedient hatte.

Wie in anderen Städten nahmen sich auch in Teterow zahlreiche Menschen aus Furcht und Verzweiflung das Leben. Eine genaue Zahl ist jedoch bis heute nicht bekannt.

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