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Spendengeld fließt in ganz dunkle Ecke

Warten, auf dass es Licht wird. Nur vier Spender von damals waren gekommen: Fritz Grotevendt, Werner Neumann, Werner Schöttler und Rudolf Wessel (am Mast von links). [KT_CREDIT] FOTO: T. Bengelsdorf

VonTorsten BengelsdorfZehn Jahre, nachdem Geburtstagsgäste von Malchins Bürgermeister ein Wasserkraftwerk gesponsert haben, ist ihr Geld nun endlich ...

VonTorsten Bengelsdorf

Zehn Jahre, nachdem Geburtstagsgäste von Malchins Bürgermeister ein Wasserkraftwerk gesponsert haben, ist ihr Geld nun endlich angelegt. Allerdings ganz anders als damals gedacht.

Malchin.Das muss wohl einer der finstersten Winkel der ganzen Stadt gewesen sein: ein schmaler, staubiger Verbindungsweg zwischen der Weststadt und dem schmucken neuen Wohngebiet Am Kornbrink. Hierher, ans Ende Malchins, hat Bürgermeister Jörg Lange zur Dämmerstunde 40 Leute eingeladen. 40 Spender, die vor zehn Jahren Geld für ein großartig klingendes Projekt gegeben hatten: für ein kleines Wasserkraftwerk an der Malchiner Stadtmühle. So hatte es sich der Bürgermeister im Jahr 2003 zu seinem 50. Geburtstag gewünscht.
Doch dann machte unter der Mühlenbrücke eine Fischtreppe das Vorhaben zunichte. Sie zähmte die Wasserkraft der Ostpeene so sehr, dass an günstige Stromerzeugung nicht mehr zu denken war. Was sollte nun mit den 4232 Euro Spendengeldern passieren? Zurückzahlen? Das kam für den Bürgermeister nie in Frage.
Fast zehn Jahre lagen die Spenden sicher auf einem Stadtkonto. Nun endlich ist das Geld angelegt: in zwei Straßenlampen, die durch Photovoltaik leuchten und nun eben jenen dunklen Weg zum Kornbrink im Schatten der großen Zachow-Turnhalle erhellen. „Mein Dank geht noch einmal an alle Spender aus dem Jahr 2003“, sagt der Bürgermeister in Erwartung des automatischen Einschaltens der Hightech-Leuchten. Seit 2006 habe er sich schon Gedanken gemacht, was er wohl nach dem geplatzten Wasserkraft-Projekt hätte mit den Spenden machen können. Die Zeit drängte. „Denn ein Blick in den Kalender sagte mir, dass du schon bald 60 bist“, sinniert der Bürgermeister, während es an der Zachow-Turnhalle immer dunkler wird.
Von den 40 Spendern sind leider nur vier gekommen, um das erste Leuchten am Stadtrand mitzuerleben. Elektromeister Fritz Grotevendt ist einer von ihnen. „Wasserkraft ist doch Spielkram, das bringt gar nichts. Und die Entwicklung bleibt nun mal nicht stehen“, ist er mit dem neuen Verwendungszweck seiner Spende vollauf zufrieden.
Jens Pollex vom Stadtbauhof erklärt derweil die raffinierte Schaltung: Ein Steuerungsteil erfasst alle drei Tage den Zeitpunkt von Sonnenauf- und Sonnenuntergang. „Daraus errechnet sich dann die Einschaltzeit. Die Lampen brennen fünf Stunden lang nach Sonnenuntergang und schalten sich dann drei Stunden vor dem Sonnenaufgang wieder ein.“ Banges Warten. Die Hügelkette der Mecklenburgischen Schweiz hat die Sonne längst verschluckt. Ex-Bürgermeister Werner Neumann klopft an den Lampenmast. Früher habe das immer geholfen. Heute nicht. Es vergehen noch einige Minuten. Dann endlich wird es auch den 24 LED-Leuchten in einer Lampe zu dunkel. Um 21.18 Uhr beenden sie das Schattendasein des Zachow-Kornbrink-Weges. Zwei Minuten später folgt die zweite Lampe. Eine Spendenaktion hat nach zehn Jahren ein erhellendes Happy End.

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t.bengelsdorf@nordkurier.de