Musik

Stadt.Land.Klassik! zu Gast in Teterow

Was für ein Mozart, was für ein Grieg! Das leidenschaftliche Spiel der Neuen Philharmonie fährt in die Herzen der Teterower.
Ein stimmungsvolles Ambiente bot das Kirchengewölbe für das Konzert der Neuen Philharmonie in Teterow.
Ein stimmungsvolles Ambiente bot das Kirchengewölbe für das Konzert der Neuen Philharmonie in Teterow. Voß S.
Der deutsch-russische Dirigent und Pianist Andreas Schulz gastierte  in Teterow – ein Heimspiel.
Der deutsch-russische Dirigent und Pianist Andreas Schulz gastierte in Teterow – ein Heimspiel.
Teterow

Es war anders, wohltuend anders. Und wollte irgendwie nicht in diese narzisstische Zeit der lauten Töne und des aggressiven Marketings passen. Es lief leise an, verhalten, unspektakulär. Und entwickelte im Gegensatz dazu aber eine qualitative Wucht, die sicher lange nachklingt.

Wenig wies auf das Konzert „Stadt.Land.Klassik!“ der Nordkurier-Mediengruppe am späten Samstagnachmittag in Teterow hin. Die Menschen kamen bedächtig, im sakralen Konzertsaal St.Peter und Paul waren nur alle zwei Bänke mit je drei bis vier Zuhörern besetzt. Die Masken vor den Gesichtern ließen die Atmosphäre gedämpft erscheinen. Und doch, das Konzert im Rahmen der jüngsten Tournee mit der Neuen Philharmonie in kleiner Besetzung war schon lange und wie immer in Teterow ausverkauft. Und die Musik sollte tief in die Herzen der Besucher gehen.

Grandioser Klang in Teterow

„Es ist wie ein Aufatmen“, sagte Pastor Alexander Lemke euphorisch im Anschluss an das etwa einstündige Konzert, das freilich ohne Pause vonstattenging. „Ich habe den Eindruck, das Publikum nimmt die Musik viel tiefer auf.“ Freilich sei dieses Ereignis nicht das erste Konzert in der Kirche nach Ausbruch der Pandemie und des damit verordneten kulturellen Stillstands gewesen.

Erstmals aber hat das junge, spielfreudige Orchester unter Leitung des deutsch-russischen Dirigenten und Pianisten Andreas Schulz die mittelalterliche Kirche im Herzen Teterows als Konzertsaal erprobt. Und was für ein grandioser Klang sich da im hohen Gewölbe ausweitete! Da machte es gar nichts, dass das Kirchenmikrofon ausgefallen war, das eigentlich zur kenntnis- und anekdotenreichen Moderation durch Claudia Schneider als Geschäftsführerin innerhalb der Nordkurier-Mediengruppe ausgefallen war. Ging ja auch Jahrhunderte lang so.

Und der Tschaikowsky war das Sahnehäubchen

Ausgerechnet mit der „Kleinen Nachtmusik“ mitten an diesem sonnigen Nachmittag begrüßten die Musiker Teterow. Doch Mozart, das heißt geweckt werden. Und so begann der erste Satz der populären Serenade Nr. 13 spritzig und hoheitsvoll zugleich – um sich im zweiten mit liebevollem Schmelz, aber auch feiner Ironie fortzusetzen, im dritten tänzerisch daherzukommen und im vierten sogar übermütig. Ach ja, und Mozart wäre nicht Mozart, würde sich nicht auch um dieses Werk ein Geheimnis ranken: Warum ist der fünfte Satz verschollen? Wer war der Auftraggeber dieses Ohrwurms?

Im Mittelteil des Konzerts gingen mit Edvard Griegs „Holberg-Suite“ spätromantische Schwärmerei aus der Lebzeit des selbstbewussten norwegischen Komponisten und opulenter Barock, der Lebzeit des Dichters Holberg, dem das Werk gewidmet war, eine geradezu filmmusikreife Symbiose ein.

Als finales Sahnehäubchen dann Tschaikowsky. Mit dessen leidenschaftlich-sehnsüchtig gespielter Suite C-Dur konnte Dirigent Andreas Schulz einmal mehr seine russische Seele ausleben. Melancholisch und gefühlsschwanger, so breitete sich diese große Musik aus. Und erzählerisch – klang es hier und da nicht wie Glöckchen im Galopp einer Kutsche durch den russischen Winterwald? Wie ein Vorgeschmack auf die Konzerte der Vorweihnachtszeit? Die Neue Philharmonie, sie kommt dann ja wieder. Natürlich nach Teterow!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Teterow

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