ALKOHOLSUCHT

Stadtvertreter hatten auf Rücktritt Bernd Mahnkes gehofft

Der Stavenhagener Bürgermeister will sich von seiner gerade erst eingestandenen Alkoholabhängigkeit heilen lassen. Seine neue Offenheit, ließ jetzt auch Abgeordnete ganz offene Worte finden.
Eckhard Kruse Eckhard Kruse
Der Stavenhagener Bürgermeister Bernd Mahnke bekannte sich zu seiner Alkoholsucht. Er kündigte an, sich in Behandlung zu geben.
Der Stavenhagener Bürgermeister Bernd Mahnke bekannte sich zu seiner Alkoholsucht. Er kündigte an, sich in Behandlung zu geben. Eckhard Kruse
Stavenhagen.

Dass sie am Mittwochabend noch ein Schreiben vom Bürgermeister Bernd Mahnke (parteilos) in ihren E-Mail-Postfächern fanden, das überraschte die Stavenhagener Stadtvertreter doch einigermaßen. Denn die persönliche Erklärung über die Zukunft des Stadtoberhauptes sollte erst in der Stadtvertretersitzung am Donnerstag verlesen werden. Nun informierte Mahnke die Abgeordneten schon einen Tag früher: Nach seiner zweiten Alkoholfahrt räumte er eine ernsthafte Erkrankung ein. Er wolle sich jetzt helfen lassen und schnell wieder gesund werden, um seine Arbeit als Bürgermeister fortsetzen zu können.

„Ich finde die Entscheidung richtig, dass er sich jetzt öffentlich zu seiner Krankheit bekennt und bereit ist, Hilfe anzunehmen“, sagte Detlef Hein, Fraktionschef der Reuterstädter Bürgergemeinschaft. Er hätte aber nicht vorhersagen können, ob Mahnke zurücktritt oder die jetzige Entscheidung trifft. „Wir können ihm nur wünschen, dass ihm seine Genesung gelingt.“

„Hätte weiter gehenden Schritt erwartet”

Dietmar Dumjahn, Fraktionsvorsitzender der Partei „Die Linke“, hatte es in dieser Weise vermutet. Auch er ist froh, dass Mahnke gegen seine Krankheit ankämpfen will. „Was diese Ankündigung aber wert ist, werden wir erst in einem halben Jahr sehen“, sagte er mit einer Portion Skepsis. Denn solange werde Mahnke ausfallen und die Verwaltung ohne ihren Chef arbeiten müssen.

„Rein menschlich gesehen, war es so der richtige Schritt, seine Abhängigkeit einzugestehen“, meinte CDU-Fraktionschef Thomas Suhr. „Ich hätte aber einen weiter gehenden Schritt erwartet, damit die Kommune wieder besser arbeiten kann.“ Seiner Meinung nach wurde eine große Chance für einen geordneten Rückzug des Bürgermeisters vertan. Zur Kommunalwahl im Mai hätten die Stavenhagener einen Nachfolger wählen können.

Abgeordnete fordern klare Regelung für Krankheitszeit

„Ich habe gedacht, dass er aus der Schusslinie geht“, bekannte Lothar Kuhn, Fraktionschef der Unabhängigen. Er befürchtet, dass somit alles beim Alten bleibt und sich an der Verwaltungsspitze nichts ändert. Auch Stadtpräsident Klaus Salewski (Die Linke) bekannte, dass seine Erwartung eine andere war. Mahnkes Entscheidung sei aber zu akzeptieren. Während seiner Krankschreibung werde die Stadtvertretung auch keine Schritte gegen den Bürgermeister einleiten. Danach müsse man weitersehen.

Wenn Mahnke länger krank macht, dann muss er die Amtsgeschäfte aber komplett an seine Stellvertreterin Berit Neumann übergeben, betonte Dumjahn. Es dürfe nicht wieder so kommen, dass der Bürgermeister während seiner Krankheit von zu Hause aus versucht, die Verwaltung zu steuern. Das war laut Dumjahn in der Vergangenheit der Fall gewesen. Nur mit einer klaren Regelung könne die Verwaltung vernünftig arbeiten. „So weit, wie seine Krankheit fortgeschritten war, könnte er der Verwaltung sowieso nicht mehr helfen“, meint der Stadtvertreter.

Auch für Lothar Kuhn steht fest, dass hier klare Regelungen getroffen und Kompetenzen festgelegt werden müssen, damit solche Eingriffe nicht mehr passieren. „Wenn jemand krank ist und sein Problem lösen will, dann muss er sich auf sich selbst konzentrieren und die Arbeit Arbeit sein lassen“, meinte Detlef Hein. Mahnkes Bekenntnis sei für ihn aber ein Zeichen, dass er ernsthaft an seiner Heilung arbeiten will.

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