Die Heizkessel der Stavenhagener Wärmeversorgung werden kommenden Jahr Erdgas verbrennen, das deutlich teurer ist als noc
Die Heizkessel der Stavenhagener Wärmeversorgung werden kommenden Jahr Erdgas verbrennen, das deutlich teurer ist als noch 2020. Eckhard Kruse
Steffen Oriwol, Geschäftsführer Wärmeversorgung Stavenhagen.
Steffen Oriwol, Geschäftsführer Wärmeversorgung Stavenhagen. Eckhard Kruse
Gaspreis-Explosion

Stavenhagener Fernwärme wird teurer

Erdgas ist momentan rund 500 Prozent teurer als im vergangenen Jahr. Das wird sich 2022 auch auf den Fernwärmepreis in Stavenhagen, Jürgenstorf und Rosenow niederschlagen.
Stavenhagen

Der Geschäftsführer der Stavenhagener Wärmeversorgung schaut jeden Tag auf die Preise der Leipziger Erdgasbörse. Mehrmals sogar. Immer in der Hoffnung, dass die Preise ein wenig sinken und er die restliche Hälfte Erdgas für die städtische Fernwärmeversorgung über ein Partnerunternehmen einkaufen kann. Doch immer wieder wird Steffen Oriwol enttäuscht. Denn die Preise sinken seit Monaten nicht mehr. Und so wird nun immer klarer, dass er das Gas für 2022 nicht für die Summe vergangener Jahre einkaufen kann. „Der Gaspreis ist schon so hoch wie vor 20 Jahren“, sagte er. Er liege gegenwärtig etwa 500 Prozent über dem Preis von 2020.

Doch mit einem so starken Preisanstieg müssen die Stavenhagener Fernwärmekunden für 2022 aber auf keinen Fall rechnen, betonte Steffen Oriwol. Auch wenn die Wärmeversorgung nicht um eine Preiserhöhung herumkommen wird, werde sie etwa 15 bis 30 Prozent betragen. Das liege vor allem daran, dass die Lohn- und Vorhaltungskosten in den weiteren Preisbestandteilen einen weitaus größeren Anteil an dem Stavenhagener Fernwärmepreis haben als der Gasverbrauch. „Ich weiß, dass die Erhöhung vielen Kunden wehtut“, sagte er. Deswegen tue es ihm auch selbst sehr weh, die Preise anzuziehen. Doch es gehe wegen des deutschlandweiten Preisanstiegs für Erdgas nicht anders.

Markt-Logik früher Jahre spielt in diesem keine Rolle mehr

Die Wärmeversorgung Stavenhagen verbrauche im Jahr etwa Gas für 20.000 Megawattstunden. Das sei immer abhängig davon, wie kalt der Winter ist, so Oriwol. Bis jetzt habe er Gas für 10.000 Megawattstunden gekauft. „Ich ärgere mich aber, dass ich nicht schon im ersten Quartal damit angefangen habe.“ Denn da seien die Preise noch günstiger gewesen.

Dass er das nicht tat, hat aber einen Grund. In den letzten fünf bis sechs Jahren seien die Gaspreise ziemlich stabil gewesen. Auch 2020 habe sich das nur wenig geändert. Weil auch die großen Unternehmen immer zum Jahresende kauften und die Preise dann sanken, hatte es sich eingespielt, dass man stets in den letzten beiden Quartalen kaufte und damit sehr gut gefahren ist. „Doch diese Logik spielt in diesem Jahr keine Rolle mehr“, sagte der Geschäftsführer. Der Erdgaspreis steigt weiter – auch, weil die Gazprom ihre Gastanks in Deutschland nicht wieder auffülle.

Klärschlammverbrennung könnte Gas-Problem lösen

Steffen Oriwol kauft das Gas gemeinsam für die Wärmeversorgungen in Jürgenstorf und Rosenow ein, um günstigere Einkaufspreise zu erzielen. In Jürgenstorf rechnet Oriwol mit einem Anstieg der Fernwärmekosten um etwa 15 Prozent. In Rosenow werde man den Anstieg im Jahr 2022 aber kaum merken. Denn hier liege der Gasanteil wegen der großen Menge an erneuerbarer Energie nur bei vier Prozent.

Von Preisanstiegen bei Erdgas könnte auch die Wärmeversorgung unabhängig werden. Dafür müsste sie einen Vertrag mit EEW schließen und die Wärme der Klärschlammverbrennung in Zukunft in das Fernwärmenetz einspeisen, so Steffen Oriwol. Dafür wäre dann nicht einmal eine CO2-Steuer von aktuell 25 Euro und ab 2025 von 55 Euro je Tonne zu zahlen, weil das Kohlendioxid im Klärschlamm aus biologischen Ausscheidungen des Menschen stammt und die Wärme damit als erneuerbare Energie gilt. EEW könnte leicht die ganze Stadt versorgen. Ansonsten würde die Wärme verpuffen. Momentan sei etwa die Hälfte der Haushalte ans Fernwärmenetz angeschlossen.

 

zur Homepage