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Stavenhagener gesteht: 1000 Cannabis-Pflanzen angebaut

Alles grün: Im Februar entdeckten Ermittler die Plantage in Stavenhagen.
Alles grün: Im Februar entdeckten Ermittler die Plantage in Stavenhagen.
Polizei

Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte noch, nun legte er ein Geständnis ab: In einem ehemaligen Küchenstudio baute er Cannabis an – in großem Stil.

Im Prozess um eine große Cannabisplantage in Stavenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Er habe die Anlage mit rund 1000 Pflanzen in einem Ex-Küchenstudio aufgebaut, um Stecklinge zu ziehen und diese weiterzuverkaufen, erklärte der 46-Jährige am Montag am Landgericht Neubrandenburg. Als Abnehmer nannte er einen Händler in den Niederlanden. Grund seien Geldprobleme gewesen. "Es war eine Panikreaktion, aber so richtig funktioniert hat das Ganze nie", sagte der Angeklagte. Ihm wird Drogenhandel im größeren Stil vorgeworfen, wobei auch Waffen gefunden wurden.

Der Mann stammt aus Polen, lebte lange in Kerpen in Nordrhein-Westfalen und kam 2014 wegen seiner Frau nach Mecklenburg-Vorpommern. Er gestand zudem, vor seinem Umzug nach Stavenhagen auch schon in Kerpen (Nordrhein-Westfalen) Drogen angebaut zu haben. Dort war er Mitte 2016 rechtskräftig deshalb verurteilt worden. Das Ex-Küchenstudio in Stavenhagen mit seiner großen Fläche und den vielen Nebenräumen habe er eigentlich für sein selbstständiges Gewerbe in der Dämmungsbranche haben wollen. Damit sei er am Ende viel in Polen tätig gewesen, aber im Herbst 2016 habe es keine Aufträge mehr gegeben. Trotzdem hätte er monatlich 580 Euro für das Gebäude zahlen müssen.

Profi-Plantage

Der Ermittlungsleiter der Polizei bezeichnete die Plantage in seiner Zeugenaussage als "profimäßig eingerichtete Anlage." Polizisten hätten damals "violettes Licht in dem Haus gesehen." Daraufhin habe man per Hubschrauber mit Wärmebildkameras das Gebäude überflogen und gesehen, wie Wärme austrat. Schließlich folgte die Durchsuchung, wobei 800 der etwa 1000 Pflanzen erst Stecklinge waren. Dabei wurden eine Luftdruckwaffe und eine verbotene Stahlrute beschlagnahmt.

Der Angeklagte gab auch zu, den Strom für die Plantage, die über zahlreiche Wärmelampen und 28 Transformatoren verfügte, illegal aus dem Netz abgezweigt haben. Er habe zudem versucht, über einen Bremsmagneten den Stromzähler zu beeinflussen. "Das habe ich im Internet gelesen, aber das hat auch nicht richtig funktioniert", sagte der ausgebildete Elektromonteur.

Prozess wird fortgesetzt

Genaue Angaben, wie viele der Hanf-Stecklinge für drei bis fünf Euro pro Stück verkauft wurden, machte der Angeklagte nicht. Die Staatsanwaltschaft bezweifelt allerdings seine Darstellung, die Plantage nur als "Notnagel" aufgebaut zu haben. Das gefundene Cannabis-Material hätte laut einer Untersuchung des LKA für 24.000 "Konsumeinheiten" gereicht.

Der Prozess wird am 31. August fortgesetzt, dann wird auch ein Urteil erwartet. Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe.

Dieser Artikel wurde am Montag, den 21. August, mehrfach aktualisiert.