600.000 EURO NÖTIG

Stavenhagens Kläranlage stinkt viel länger als erlaubt

Lange hat es gedauert, bis eine Spezialfirma die tatsächliche Ursache für den Stavenhagener Klärwerksgestank gefunden hat. Am Ende wartet nun wohl die nächste Gebührenerhöhung.
Die Biofilter der Stavenhagener Kläranlage funktionieren so gut wie gar nicht. Das liegt vor allem an der Zusammenstzung
Die Biofilter der Stavenhagener Kläranlage funktionieren so gut wie gar nicht. Das liegt vor allem an der Zusammenstzung des Abwassers, das hier ankommt. Eckhard Kruse
Die Ausbreitungsanalyse zeigt, dass die starken Gerüche auch bis in die Innenstadt und bis nach Ivenack ziehen. An 5 Proz
Die Ausbreitungsanalyse zeigt, dass die starken Gerüche auch bis in die Innenstadt und bis nach Ivenack ziehen. An 5 Prozent aller Stunden im Jahr darf es stinken (dunkelgrün). Im hellgrünen bis orangen Bereich (ab 5 bis 25 Prozent aller Stunden im Jahr) liegt der WZV darüber. Als Geruchsstunde gilt eine Stunde, in der es 10 Minuten lang unangenehm roch. Olfasense/WZV Malchin-Stavenhagen
Stavenhagen ·

Etwa sechs Jahre hat es bis zu dieser Erkenntnis gedauert. Solange wurden und werden die Stavenhagener immer wieder mit einem unerträglichen Gestank von der Kläranlage belästigt. Doch nun musste der neue Geschäftsführer des Wasserzweckverbands Malchin-Stavenhagen (WZV), David Schacht, einräumen, dass die Kläranlage die Vorgaben des Genehmigungsbescheids gar nicht einhält. Denn es stinkt viel länger als erlaubt.

Statt der insgesamt 18 Tage im Jahr (5 Prozent Geruchsstunden), an denen es riechen dürfte, werden in den Wohnbereichen in der Nähe der Kläranlage und in der Innenstadt 36 Tage (5 bis 10 Prozent Geruchsstunden) erreicht. Das ist doppelt so viel wie erlaubt. Schacht erläuterte dabei, dass es sich nur um eine Modellrechnung handelt, die Maximalwerte angesetzt wurden und die tatsächlichen Geruchstage wahrscheinlich geringer gewesen sind. Ein Durchschnitt sei nicht errechnet worden.

Abhilfe ohne Gebührenerhöhung nicht zu finanzieren

Trotzdem will der Zweckverband nun 600.000 Euro investieren, um die Abluftanlage weitgehend geruchsfrei zu bekommen. Wenn die Verbandsversammlung am 14. Dezember zustimmt, soll 2020 und 2021 ein Gaswäscher für anorganische Schwefelverbindungen und ein neuer Biofilter entstehen. Für weniger belastete Abluft würden weiterhin die vorhandenen Biofilter genutzt. Damit es zwischenzeitlich nicht weiter stinkt, wird der WZV das Filtermaterial 2021 noch einmal erneuern.

Mit dem großen Vorhaben weiß Malchins Bürgermeister Axel Müller (CDU) als Verbandsvorsteher aber schon jetzt, dass die Bürger und Unternehmen des gesamten Verbandsgebiets die Stavenhagener Maßnahme über das Solidarprinzip mitfinanzieren müssen. Sie ist für ihn notwendig und erforderlich. Anders als über eine Gebührenanhebung sei die Investition von 600.000 Euro aber nicht zu stemmen. Die Erhöhung komme aber nicht sofort, informierte David Schacht. Die Gebühren würden 2021 neu kalkuliert und dann für den Zeitraum 2022 und 2023 gelten. Er glaubt, dass die Gerüche vermindert werden. Eine 100-prozentig geruchsfreie Anlage sei aber nicht zu realisieren.

Biofilter funktionieren so gut wie gar nicht

Wie hat die Spezialfirma Olfasense aber nun herausgefunden, dass die erlaubten Werte weit überschritten werden? Sie testete im September alle Geruchsquellen des Klärwerks. Dabei stellte sich heraus, dass die Filter ihre Aufgabe gar nicht erfüllen. „Sie funktionieren so gut wie gar nicht“, sagte Schacht. Das liege an dem hohen Gehalt von Schwefelwasserstoff und Ammoniak in der Abluft, der in der besonderen Mischung von Industrieabwässern und Kommunalabwässern entsteht. Auch die lange Zeit, die die Abwässer in der Druckleitung von Malchin nach Stavenhagen stehen, sei ein Faktor bei der Geruchsbildung. Dadurch werde die Arbeit der Mikroorganismen in den Filtern stark beeinträchtigt.

Die Geruchsexperten bedienten sich anschließend der Windgeschwindigkeit und der Windrichtung der Station Trollenhagen des Deutschen Wetterdienstes. Damit berechneten sie am Beispiel von 2019, wie sich die Gerüche über der Stadt ausbreiteten. Danach schwebten die starken Gestankswolken nicht nur durch die Schultetusstraße, sie erreichten auch die Innenstadt, die Eichen und den Dorfrand von Ivenack. Letzteres erstaunte auch David Schacht. Weniger oft waren die Ortschaften Basepohl, Klockow und Neubauhof betroffen.

 

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Kommentare (1)

... die Tatsachen leugnen, ohne Konsequenzen. Eine ungeeignete Filteranlage wird angeschafft, dann wird so getan als wäre alles in Ordnung. Warum ist der Geschäftsführer offenbar unantastbar? Was steckt dahinter? So schafft man kein Vertrauen.