DAUERHITZE

Straßen, Wälder, Menschen ... alles schwitzt!

Das Dauerhoch schafft alle und jeden. Auch in der Mecklenburgischen Schweiz.
Kirsten Gehrke Kirsten Gehrke
Eberhard Rogmann Eberhard Rogmann
Georg Wagner Georg Wagner
Die Hitze lässt bereits den Asphalt auf manchen Straßen weichwerden. Im Stadtgebiet von Dargun mussten deshalb Mitarbeiter des Straßenbauamtes am Sonnabend Rollsplitt auf die Bundesstraße aufbringen.  
Die Hitze lässt bereits den Asphalt auf manchen Straßen weichwerden. Im Stadtgebiet von Dargun mussten deshalb Mitarbeiter des Straßenbauamtes am Sonnabend Rollsplitt auf die Bundesstraße aufbringen. Torsten Bengelsdorf
Noch kommen Boote in den Hafen von Salem, aber wegen des sinkenden Pegelstandes muss man beim Manövrieren aufpassen.
Noch kommen Boote in den Hafen von Salem, aber wegen des sinkenden Pegelstandes muss man beim Manövrieren aufpassen. Kirsten Gehrke
Malchin.

Schwitzen und kein Ende, alles stöhnt an diesen schweißtreibenden Tagen. Die Folgen der Hitze sind deutlich zu spüren. Wegen der Trockenheit haben am Wochenende die Feuerwehren Malchin und Dargun auf ihren Facebook-Seiten auf die Sperrung der Waldflächen hingewiesen und vor offenem Feuer gewarnt. In Kummerow ist das Feuerwerk zum Ende des Sommerfestes abgesagt worden. Dabei hatte die Gemeinde schon eine andere Lösung als den Sportplatz gefunden und einen Ponton auf dem See platziert. Mit der Wassergefahrengruppe der Feuerwehr Malchin sei alles schon abgesprochen gewesen, so Bürgermeister Bernd Moritz.

Kreislauf belastet

Unterdessen belastet die Hitze natürlich auch den Körper stärker. Die Gefäße weiten sich, folglich muss das Herz stärker pumpen, damit der Kreislauf nicht schlappmacht. Die Malchiner scheinen das noch ganz gut wegzustecken. Im Krankenhaus Malchin sei die Zahl der Patienten mit hitzebedingten Beschwerden nur minimal angestiegen, erklärte Dr. Regina Tanzer-Gast, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg, zu dem Malchin gehört. Angesichts der hohen Temperaturen sei der Allgemeinzustand der Patienten generell beeinträchtigt, begleitend zur jeweiligen Grunderkrankung.

Doch Hitze sei nicht nur für Patienten eine Herausforderung, sondern auch für die Mitarbeiter. Der Arbeitgeber habe darauf entsprechend reagiert und Mineralwasser nicht nur für Patienten, sondern auch für die Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Ähnlich sieht es im DRK-Krankenhaus in Teterow aus. Hier ist man darauf eingestellt, Patienten mit Symptomen zu behandeln, die auf die Hitze zurückzuführen seien. „Bislang waren es wenige Einzelfälle, dass Menschen mit Kreislaufproblemen zu uns kamen“, sagte Prof. Thomas Wertgen, Chef der Inneren Abteilung. Auch bei Durchfall sollte man einen Arzt konsultieren, rät der Mediziner. Denn leicht könnte sich insbesondere bei Älteren ein bedrohliches Flüssigkeitsdefizit einstellen.

Genug trinken und Schattenplätze aufsuchen

Anzeichen dafür seien Schwindel und das Gefühl, nicht ganz sicher auf den Beinen zu stehen. „In solchen Fällen können wir mittels Infusion die Salzbilanz wieder ins Gleichgewicht bringen werde“, so Prof. Wertgen. Auch Gesunde sollten auf die Signale ihres Körpers achten. An Vorkehrungen rät er, zwei bis drei Liter zu trinken, regelmäßig Schatten auszusuchen und starke Bewegungen zu meiden.

Auch die Straßen leiden. Der Asphalt auf der Ortsdurchfahrt Dargun war erneut am Sonnabend so aufgeweicht, dass Rollsplitt aufgetragen werden musste. Bereits im Juni war die B 110 zum Sanierungsfall geworden, seitdem die Bundesstraße als Umleitungsstrecke für das A-20-Loch bei Tribsees gilt und der Lkw-Verkehr stark zugenommen hat. Die Bitumenschicht schwitzt an mehreren Stellen. „Wir beobachten das ständig“, sagt Christin Mann, stellvertretende Betriebsstellenleiterin der Straßenmeisterei Demmin.

Sei der Asphalt weich, werde abgesplittet. Doch diese Notreparatur soll bald vorbei sein. In etwa 14 Tagen soll das Problem komplett beseitigt werden. Das heißt, dass sich die Darguner auf Bauarbeiten in ihrer Ortsdurchfahrt einstellen dürfen. Auf rund 500 Meter werde die Fahrbahndecke an den Schwitzstellen abgefräst und neu eingebaut, kündigt Christin Mann an. Auch auf einigen Landesstraßen mit viel landwirtschaftlichem Verkehr seien Spuren der Hitze zu sehen – vor allem in Kurven und an Kreuzungen. Aber im Großen und Ganzen gehe es noch mit den Hitzeschäden, meinte die Fachfrau.

Gewässerpegel sinkt

In Seen und Flüssen geht indes das Wasser zurück. Auch wenn es an der Peene noch nicht so aussieht wie an der mancherorts zum Rinnsal verkümmerten Elbe, führt doch auch der „Amazonas des Nordens“ nur relativ wenig Wasser. An der Aalbude stand der Pegel jetzt bei 5,35 Meter über Pegelnull. Das sind nur wenige Zentimeter über dem mittleren Niedrigwasser, und auch der Kummerower See hat viel Wasser verloren.

Den Salemer Hafen etwa können zwar Segler noch anlaufen, aber Hafenmeister Peter Gailtene empfiehlt dabei umsichtiges Manövrieren. Am größten Hafen des Ostufers, in Gravelotte, sieht es nicht viel anders aus. Immerhin: An den Stegen im äußeren Bereich reicht laut Bürgermeister Hubert Niedhoff das Wasser auch für tiefer gehende Boote noch aus, und Motorboote mit geringerem Tiefgang könnten auch das innere Becken anlaufen.

Noch keine Probleme für die Fahrgastschiffe

Fragt sich nur, wie es weitergehen wird. Noch gibt es für Demmins Fahrgastschiffe auf der Peene zwischen Demmin und dem Kummerower See keine Probleme. „Ganz so wenig Wasser ist es noch nicht“, sagt Kapitän Ingo Müller, der gleichfalls die Nachrichten über Elbe und Rhein verfolgt. Damit seine beiden Schiffe in Schwierigkeiten geraten könnten, müsste seiner Auskunft nach der Wasserstand noch um mindestens 50 Zentimeter fallen, doch Müller glaubt trotz Trockenheit nicht unbedingt daran, dass das eintreten wird. „Die Peene kann ja je nach Wind auch umgekehrt fließen, das gleicht sich einigermaßen aus“, sagt er. „Im Lauf der 20 Jahre haben wir das so festgestellt.“

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