LANDKREIS ROSTOCK FäHRT NEUEN KURS MIT THüNEN

Thünen-Museum Tellow fit gemacht fürs 21. Jahrhundert

In den letzten Jahren hangelte sich das Thünen-Gut Tellow von einer drohenden Insolvenz zur nächsten. Diese verhängnisvolle Phase will der Landkreis Rostock als Eigentümer jetzt durchbrechen.
Eberhard Rogmann Eberhard Rogmann
Auf dem Gut in Tellow wirkte der Agrarökonom und Sozialreformer Johann Heinrich von Thünen von 1810 bis zu seinem Lebe
Auf dem Gut in Tellow wirkte der Agrarökonom und Sozialreformer Johann Heinrich von Thünen von 1810 bis zu seinem Lebensende 1850. Heute befindet sich ein Museum in dem Gutshaus. Simone Pagenkopf
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Tellow.

In eigene Regie will der Landkreis Rostock das Thünen-Gut in Tellow wieder übernehmen. Das kündigte Vize-Landrat Stephan Meyer im Gespräch mit dem Nordkurier an. Noch in diesem Jahr soll deshalb der Pachtvertrag mit der Thünen-Gut gGmbH, die das Areal derzeit bewirtschaftet, aufgelöst werden. In intensiven Gesprächen während der letzten Monate seien die Weichen entsprechend gestellt worden. „Wenn der bis 2025 laufende Vertrag vorfristig aufgelöst wird, sind wir in Tellow endlich handlungsfähig“, spielt Meyer auf die seit längerem währende Hängepartie an. Ende 2017 stand das Thünen-Gut vor der Insolvenz. Diese konnte abgewendet werden, weil mit der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof ein neuer Gesellschafter ins Boot kam. Dem schwebte vor, hier ein Kompetenzzentrum für nachhaltige Landwirtschaft zu etablieren. Dafür wären Investitionen in Millionenhöhe erforderlich. Sichtbare Schritte in diese Richtung waren allerdings nicht zu verzeichnen.

Jetzt hat der Landkreis als Eigentümer des Gutes – 22 Hektar Gutshof mit mehreren Gebäuden, Park und Wald – offenbar die Reißleine gezogen. „Uns geht es nicht allein darum, unser Eigentum vor immer wieder drohender Insolvenz zu retten. Wir haben den Auftrag für eine nachhaltige Entwicklung“, betont der Dezernent der Kreisverwaltung. Grundlage dafür sei ein im vergangenen Jahr erstelltes Konzept einer Schweriner Agentur in enger Zusammenarbeit mit Museumsleiterin Angela Ziegler. Das sei eine anspruchsvolle Aufgabe. Die veranschlagten Kosten bewegen sich nicht zuletzt wegen des eingetretenen Investitionsstaus im oberen siebenstelligen Bereich. Dabei konzentriere man sich auf den Kernbereich des Museums.

Nicht zuständig für extra Veranstaltungen

Allein sei das für den Kreis nicht zu stemmen. „Die Arbeiten werden sich in Phasen über mehrere Jahre erstrecken. Wir haben dabei den Bund und das Land mit ins Boot holen können“, zeigt Stephan Meyer auf. Eine generelle Schließung während der Umgestaltung wolle man vermeiden, wenngleich bestimmte Bereiche wegen Bauarbeiten zeitweise nicht zugänglich seien. Anspruch sei es, die Wirkungsstätte des Agrarökonomen und Sozialreformers Johann Heinrich von Thünen authentisch zu präsentieren. „Wir wollen zeigen, dass Thünens Ideen aus dem 19. Jahrhundert bis in unsere Zeit reichen. Dies auf eine Weise, die sich nicht an ein Fachpublikum richtet, sondern die normalen Menschen anspricht“, macht Meyer deutlich.

Die Ziele sind hoch gesteckt. Bis zum Jahr 2027 ist eine Besucherzahl von knapp Hunderttausend anvisiert. Zuletzt kamen etwa 24  000 jährlich hierher. Stephan Meyer macht sich keine Illusionen über die Größe der Herausforderung. In der aktuellen Zahl werden auch alle Besucher von Veranstaltungen in der Gutsscheune mitgerechnet. „Das wird künftig nicht der Fall sein. Denn wir beschränken uns auf den Museumsbetrieb. Veranstaltungen auszurichten, sehen wir nicht als kreisliche Aufgabe an. Das können wir schlicht auch gar nicht leisten.“ Damit sei die Thünen-Scheune aber nicht tot. Es sei vorstellbar, dass ein externer Betreiber sie übernimmt.

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