INDUSTRIE

„Tierischer“ Biodiesel aus Malchin darf bald in den Kraftstoff

Das Malchiner Unternehmen Ecomotion musste seinen Biodiesel aus tierischen Fetten über viele Jahre teuer ins Ausland exportieren. Das wird sich nun ändern.
10.000 bis 12.000 Tonnen Biodiesel werden im Jahr bei Ecomotion aus tierischen Abfallfetten hergestellt.
10.000 bis 12.000 Tonnen Biodiesel werden im Jahr bei Ecomotion aus tierischen Abfallfetten hergestellt. Eckhard Kruse
Bisher exportierte Ecomotion den tierischen Biodiesel in andere europäische Länder und selbst in die USA.
Bisher exportierte Ecomotion den tierischen Biodiesel in andere europäische Länder und selbst in die USA. Eckhard Kruse
Das Fett für die Dieselproduktion kommt von der benachbarten Tierentsorgungsfirma Secanim.
Das Fett für die Dieselproduktion kommt von der benachbarten Tierentsorgungsfirma Secanim. Eckhard Kruse
Malchin ·

Nach jahrelangem Ringen um eine deutlich bessere Lösung kann man beim Unternehmen Ecomotion auf dem Malchiner Saria-Gelände aufatmen. Denn zum Beginn des Jahres 2022 wird endlich möglich sein, was man sich bei dem Hersteller von Biodiesel schon lange erhofft hatte. Der aus den Fetten von Schlachtabfällen oder bei der Entsorgung von erkrankten Tieren produzierte Kraftstoff darf dann wie aus Pflanzen hergestellter Kraftstoff auch dem deutschen Diesel beigemischt werden, erläuterte Ecomotion-Geschäftsführer Robert Figgener. Damit könne er endlich auch an deutschen Tankstellen verkauft werden.

Deutschland verbot Biodiesel aus tierischen Fetten 2006

Das war bis dato nicht erlaubt. Nach dem Produktionsbeginn im Jahr 2001 habe der Gesetzgeber im Jahr 2006 entschieden, dass Sprit aus tierischen Fetten in Deutschland nicht als Kraftstoff vertrieben werden darf. Fortan musste Ecomotion seinen Biodiesel teuer exportieren. Denn in anderen Ländern gab es diese Vorschrift nicht. Der Malchiner Kraftstoff ging beispielsweise nach Italien, in die Niederlande und sogar bis in die USA, so Figgener. „Es ist aber irrsinnig, wenn man den Biodiesel um die Iberische Halbinsel herumschippern muss“, sagte er am Rande eines Firmenbesuchs von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und des Landtagsabgeordneten Thomas Krüger (beide SPD).

In diesem Jahr hat sich die Gesetzeslage nun geändert. Auch dank der Unterstützung des Landes MV sei es ab 1. Januar 2022 möglich, den Biodiesel aus tierischen Fetten dem Kraftstoff beizumengen. Figgener ist sich sicher, dass die Suche nach weiteren CO2-Einsparungen auf Bundesebene den Weg dafür freigemacht hat. Denn beim Einsatz von Biodiesel tierischen Ursprungs komme man im Vergleich zum herkömmlichen Diesel auf eine CO2-Einsparung von 90 Prozent. Das sei viel mehr als bei Biodiesel, der aus Raps produziert wird.

Tierentsorgung nebenan liefert tausende Tonnen Fett

Das Unternehmen Secanim auf dem gleichen Firmenareal liefert die Fette, die bei der Tierentsorgung entstehen. 1200 Tonnen Schlachtabfälle würden hier pro Woche entsorgt, so Niederlassungsleiter Lukas Pade. Aus den Fetten habe man eine Produktionsausbeute von 93 Prozent, erläuterte Figgener weiter. Auf diese Weise würden 10.000 bis 12.000 Tonnen Biodiesel im Jahr hergestellt. Bei welchen Tankstellen der Malchiner Kraftstoff im Diesel beigemischt sein wird, das konnte Figgener nicht sagen. Man werde ja nicht alle Raffinerien in Deutschland beliefern.

Weiter entsteht bei der Biodiesel-Produktion Glyzerin, das in Biogasanlagen in Strom verwandelt wird. Ein weiteres Beiprodukt ist Kaliumsulfat. Das liefere Ecomotion an die Düngemittelindustrie, so der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Martin Rethmann. Das Tiermehl von Secanim gehe als Zusatzstoff an die Zementindustrie, so Figgener. Die Verfütterung an Tiere sei schon seit Jahren nicht mehr erlaubt. Das sei wichtig, damit Tierseuchen sich nicht verbreiten.

Außerdem gibt es die Firmen Refood und Gerlicher auf dem Saria-Gelände an der B104. Refood entsorgt Speisereste. Gerlicher liefert und entsorgt Frittierfette.

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