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Tierschützer bezichtigen Amtstiersarzt der Tierquälerei

Tiertransporte über lange Distanzen und unter zweifelhaften Bedingungen genehmigt zu haben, bezichtigt die Tierschutzorganisation Peta einen Amtstierarzt. Aus Sicht des Vereins liegt ein Gesetzesverstoß vor.
Eberhard Rogmann Eberhard Rogmann
Seit Jahren stehen lange Transporte von landwirtschaftlichen Nutztieren durch Europa im Visier der Öffentlichkeit.
Seit Jahren stehen lange Transporte von landwirtschaftlichen Nutztieren durch Europa im Visier der Öffentlichkeit. Sebastian Gollnow
Teterow.

Ein Tierarzt des Veterinäramtes vom Landkreis Rostock soll Beihilfe zur Tierquälerei geleistet haben. Zu dieser Überzeugung gelangten Tierschützer der Organisation Peta. Der in Stuttgart ansässige Verein erstattete deshalb Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Rostock.

In der Sache geht es um Transporte von Lebendvieh nach Russland und Usbekistan seit Dezember vergangenen Jahres. Diese Transporte seien von dem betreffenden Veterinär amtlich genehmigt worden. Dies hätte nach Auffassung von Peta nicht erfolgen dürfen. Denn dem Tierarzt sei bekannt, dass auf dem Transport geltende gesetzliche Bestimmungen nicht eingehalten werden können. Peta verweist auf die mediale Berichterstattung sowie Dokumentationen von Nicht-Regierungsorganisationen. Dem zufolge sei es an den betreffenden Grenzübergängen immer wieder zu stundenlangen Wartezeiten und auf den Routen zu extremen Witterungsbedingungen gekommen. Eine angemessene Versorgung der Tiere sei in diesen Situationen nicht gewährleistet.

In diesem Zusammenhang verweisen die Tierschützer auf die Hitzewellen der letzten Monate in Mitteleuropa, während derer Temperaturen um die 40 Grad erreicht wurden. Angesichts solcher Extremsituationen habe der Landwirtschaftsausschuss der EU schon Anfang des Jahres empfohlen, Transportpläne nur dann zu genehmigen, wenn der Wetterbericht während der gesamten Transportzeit keine Temperaturen über 30 Grad Celsius erwarten lässt. Es sei zu ermitteln, inwiefern in der letzten Juni-Woche und der dritten Woche im Juli Tiertransporte stattfanden, die von dem betreffenden Veterinär genehmigt wurden. Sollte dies der Fall sein, hätte er das damit einhergehende Leiden der Tiere in Kauf genommen und damit gegen das Gesetz verstoßen, argumentieren die Tierschützer.

Tiertransporte regional immer brisanter

Bei der Staatsanwaltschaft in Rostock war gestern niemand erreichbar, der zu der Anzeige hätte Auskunft geben können. Im Landratsamt Güstrow hat man keine Kenntnis von der Anzeige durch Peta, heißt es auf eine Anfrage des Nordkurier. Nähere Auskünfte zur Abwicklung von Tiertransporten im Landkreis Rostock generell könne man erst Anfang nächster Woche erteilen, heißt es aus der Pressestelle, wobei auf die Urlaubszeit verwiesen wird.

Die Problematik der Tiertransporte gewinnt regional an Brisanz. Der Konzern Danish Crown hatte erst kürzlich angekündigt, in seinem Schlachthof in Teterow die Schlachtung von Schweinen Ende August ganz einzustellen. Das würde bedeuten, dass die Schweineproduzenten in Mecklenburg ihre Tiere zur Schlachtung außer Landes bringen müssen. Im Gegenzug soll der Betrieb in Teterow zum größten Rinderschlachthof Europas ausgebaut werden, hatten die Dänen angekündigt. Auch das hätte ein starkes Anwachsen von Tiertransporten über längere Distanzen zur Folge.

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