BAUERN-GESPRÄCHSRUNDE

Tierwohl-Debatte bleibt in Teterow ein Monolog

Kaum ein Berufsstand steht mit seiner Tätigkeit öffentlich so stark in der Kritik wie die Bauern. Gerade wehren sie sich gegen neue Auflagen durch die Politik.
Eberhard Rogmann Eberhard Rogmann
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Gastgeber des Klönabends war Matthias Hantel (2. von links), Vorsitzender des Bauernverbandes Güstrow und Geschäftsführer des Milchhofes Alt Sührkow. Eberhard Rogmann
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Torsten Roder, Schweinezüchter aus Viecheln, plädierte dafür, die erreichte Einigkeit der Bauern im Streit für ihre Belange nicht aufs Spiel zu setzen. Eberhard Rogmann
Jürgen Drewes (Mitte) vom NDR moderierte die Veranstaltung im Kulturhaus Teterow.
Jürgen Drewes (Mitte) vom NDR moderierte die Veranstaltung im Kulturhaus Teterow. Eberhard Rogmann
Ludger Recker aus Kuchelmiß schildert die Bedingungen für die Schweine in seinen Ställen. Schon aus Eigenintre
Ludger Recker aus Kuchelmiß schildert die Bedingungen für die Schweine in seinen Ställen. Schon aus Eigenintresse achte er darauf, dass es den Tieren wohl ergeht, versicherte er. Eberhard Rogmann
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Elisabeth Dey, Leiterin des kreislichen Veterinäramtes in Güstrow, plädierte für eine Versachlichung der öffentlichen Debatte zum Thema Tierwohl, die oftmals mehr von Emotionen als von Fakten getrieben sei. Eberhard Rogmann
Teterow.

Bauern geben sich kämpferisch in diesen Tagen. Kaum waren sie von der Großdemo kommend von ihren Traktoren gestiegen, begaben sie sich auf ein anderes Podium. Ins Kulturhaus Teterow hatte der Bauernverband Güstrow zu einer Gesprächsrunde ums Thema Tierwohl geladen. Eine brisante Angelegenheit.

Doch den Bauern fehlte an diesem Abend der Widerpart. Weder zeigten sich eloquente Kritiker aus der Tierschutzszene, noch griffen die angesprochenen „Verbraucher“ in die Debatte ein. Das ist bedauerlich, weil Peter Sanftleben, Direktor der Landesforschungsanstalt MV, wissenschaftlich fundiert in die Thematik einführte und damit eine faktenbasierte Basis für die Diskussion legte.

Problem: Für Erzeuger zahlt sich Tierwohl nicht aus

Eine seltene Chance, denn öffentliche Debatten verlaufen zumeist emotionsgetrieben und in ideologisch geprägten Bahnen. Zu seiner Grundthese, Nutztieren gehe es heute hierzulande so gut wie nie zuvor in der Vergangenheit, gab es in dieser Runde keinen Widerspruch. Der Forscher belegte das mit zahlreichen Beispielen, die letztlich darauf hinausliefen, dass bessere Bedingungen der Haltung sich in einer besseren Gesundheit der Tiere widerspiegeln. Deutschland stehe beim Tierwohl weltweit an der Spitze.

Das Problem: Für die Erzeuger zahlt sich das nicht aus. Ludger Recker, Schweinezüchter aus Kuchelmiß, verwies auf Dänemark. Dort gibt es bereits seit einigen Jahren ein Tierwohllabel für Fleischprodukte. Die aber bleiben in den Regalen liegen wie Blei. Letztlich werde die Ware zum Preis konventionell erzeugter Produkte verkauft. Für den Erzeuger ein empfindliches Verlustgeschäft. Damit berührte er einen neuralgischen Punkt. Die Primärproduzenten von Nahrungsmitteln erhalten deutlich die geringsten Margen und sind vielfach dem Preisdiktat des Handels ausgeliefert.

Chile oder Russland: 280 000 Schweine liefern Fleisch

Was Bauern der Politik ankreiden, ist ein Aktionismus unter dem Verdikt des Umweltschutzes, der die wirtschaftlichen Folgen nicht berücksichtigt. Wenn den Schweinen beispielsweise 30 Prozent mehr Freiraum gewährt werden soll, bedeutet dies, dass die Zahl der Tiere sich um etwa diesen Anteil reduziert. Denn neue Ställe werden so schnell nicht entstehen. In der Folge müsste Deutschland Fleisch importieren.

„Aus Russland oder Chile?“, fragte Recker. „Wollen wir das wirklich?“ Er habe im Ural eine Anlage mit 280 000 Schweinen besichtigt. „Ein Gülleproblem hatte man dort nicht. Es gab einen Stausee im Hinterland und bei Bedarf wurden die Schleusen geöffnet und alles ergoss sich in einen Strom, der in den Wäldern Sibierens verschwand.“

Deutschland mit seinen hohen Standards konkurriere mit solchen Ländern. Wenn Umweltschutz nur gesetzlich festgeschrieben, aber nicht eingepreist werde, so das Fazit, brauche man sich bald keine Gedanken über den Tierschutz hierzulande machen. „Dann gibt es hier keine Nutztierhaltung mehr und wir können uns wieder mit Sumpfkulturen befassen, wie unsere Vorfahren vor Jahrhunderten, die dieses Land einst urbar machten“, resümierte Moderator Jürgen Drewes.

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