Die Idylle am Pannekower See ist durch einen tödlichen Badeunfall aktuell getrübt.
Die Idylle am Pannekower See ist durch einen tödlichen Badeunfall aktuell getrübt. NK-Archiv
Sicherheit

Tödlicher Badeunfall – Was muss sich ändern?

Der tödliche Badeunfall am Pannekower See hat Bestürzung in der Gemeinde Altkalen ausgelöst. Er wirft aber auch Fragen zur Sicherheit an derartigen Badestellen auf.
Altkalen

Der Pannekower See bei Altkalen ist bei den Menschen in der Mecklenburgischen Schweiz beliebt – gerade bei den aktuell heißen Temperaturen. Doch einen Tag nach dem tödlichen Badeunfall in dem See herrscht in der Umgebung eine gedrückte Stimmung. Auch Altkalens Bürgermeisterin Renate Awe ist bestürzt über den tragischen Vorfall. „Das ist schlimm. Wie konnte das passieren“, fragt auch sie.

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Am Dienstagnachmittag war eine 58-Jährige Urlauberin mit einem Stand-Up-Paddle-Board auf den See herausgefahren und plötzlich vom Board gefallen. Als sie nicht mehr auftauchte, rannte ihr Sohn ins Wasser und konnte sie bergen, wie die Polizei mitteilte. Seine sowie die Reanimationsversuche der Rettungssanitäter halfen nicht. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Polizei hat nun ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Dabei werden beispielsweise Zeugen befragt und der Leichnam genau untersucht.

Rettungsschwimmer kann sich die Kommune nicht leisten

Der Pannekower See ist nicht offiziell von der Gemeinde als Badestelle ausgewiesen. „Das hatten wir nicht beantragt, weil es so viele Auflagen gibt“, erklärt Renate Awe. Beispielsweise müsste die Gemeinde einen Rettungsschwimmer stellen und das wäre zu teuer für die Kommune. Die Diskussion um einen Rettungsschwimmer kochte vor einiger Zeit auch in anderen Kommunen hoch. Grund war eine Regelung der kommunalen Haftpflicht-Versicherung KSA. Sie will nur haften, wenn die öffentlichen Badestellen auch bewacht werden. Wie im Fall von Altkalen kann sich das aber kaum eine Gemeinde im Land leisten. Der Hinweis aus dem Schweriner Innenministerium im vergangenen Jahr, dass beim Vorhandensein von Abfallbehälter oder Volleyballfeldern sowie einfachen Badestegen eine Aufsicht nicht zu erwarten sei, sahen einige Bürgermeister eher als eine Art Beruhigungspille und weniger als eine gesicherte Rechtsgrundlage an.

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Renate Awe hatte mit Blick auf den Pannekower See bereits 2020 das Amt Gnoien gebeten, Schilder an der Badestelle aufzustellen. Sie sollen unter anderem darauf hinweisen, dass das Baden auf eigene Gefahr erfolge und dass es sich um kein ausgewiesenes Badegewässer der Gemeinde handele. Die Gemeinde wolle damit eine Haftung ausschließen, erläutert Awe. 2021 und im April 2022 habe sie beim Amt deswegen nachgehakt. Doch aufgebaut wurde das Schild bislang nicht. „Es soll noch einmal abgestimmt werden, welche weiteren Hinweise noch auf dem Schild stehen sollen“, erläutert Janett Höter, Leiterin des Amtes Gnoien.

Gemeinde kann das Baden nicht verbieten

Doch darf in diesem Fall überhaupt in dem See gebadet werden? „In Mecklenburg-Vorpommern darf man in jedem See baden“, erläutert Janett Höter eine gesetzliche Regelung. Eine Gemeinde könne das Baden nicht verbieten, sondern müsse es dulden. Bei Naturbadestellen, an denen kein Eintritt genommen werde, bade jede Person auf eigene Gefahr. Ein Hinweisschild könne man zwar hinstellen, aber es müsse trotzdem jeder auf sich selbst aufpassen. Erst wenn im Wasserbereich ein Sprungturm oder eine Bade-Insel errichtet werde, entstehe eine Aufsichtspflicht für die Gemeinde, hebt Höter hervor.

Bürgermeisterin Renate Awe will nun trotzdem das Hinweisschild so schnell wie möglich aufstellen lassen und konkretere Informationen vom Innenministerium fordern.

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