HISTORISCHES GEWAND

Tracht sorgt im Museum Dargun für Begeisterung

Es war der Wunsch ihrer verstorbenen Mutter, dass dieses ganz besondere Kleidungsstück ins Darguner Museum kommt, meldete sich jetzt eine Frau aus Hamburg bei den Museumsleuten. Tatsächlich gehört die Tracht zu einem Darguner Kapitel, das bisher wenig erforscht ist.
Torsten Bengelsdorf Torsten Bengelsdorf
Museums-Chefin Marlies Claassen (rechts) und Vereinsmitglied Helga Triphan zeigen die 80 Jahre alte Tracht aus der Darguner Ac
Museums-Chefin Marlies Claassen (rechts) und Vereinsmitglied Helga Triphan zeigen die 80 Jahre alte Tracht aus der Darguner Ackerbauschule, die nun im „Lütt Museum“ zu sehen ist. Torsten Bengelsdorf
Dargun.

Mit einem alten Koffer aus den 1920er Jahren war vor einigen Tagen Annelie Schöning aus Hamburg angereist. Etwas aufgeregt fragte sie im „Lütt Museum“ nach der Chefin und erzählte dann, dass sie einen letzten Wunsch ihrer Mutter erfüllen wolle. Die Mutter, Margarete Bauer, stammt aus Rey in der Gemeinde Altkalen und war im Juli im Alter von 101 Jahren in Hamburg gestorben. Viele Jahrzehnte hatte sie diesen Koffer mit seinem Inhalt aufbewahrt, der nach ihrem Tod unbedingt nach Dargun ins dortige Museum gebracht werden sollte. Margarete Bauer schien genau gewusst zu haben, welchen Schatz sie da über so lange Zeit gehütet hatte.

Als die Tochter den Koffer nun im Museum öffnete, kam eine sorgsam zusammengelegte Tracht zum Vorschein: eine mit Ähren und Kornblumen bestückte Weste, eine weiße Schürze und ein roter Rock mit schwarzem Saum. Dazu einige Schriftstücke, die Beleg dafür seien, woher das wertvolle Kleidungsstück stammt – so ein Zeugnis der Darguner Ackerbauschule aus dem Jahr 1936. Kein Zweifel, die Frau aus Hamburg hatte eine Tracht nach Dargun gebracht, die im Museum bisher nur von alten Schwarz-Weiß-Fotos bekannt war. „Es dürfte sich um das einzige erhalten gebliebene Original einer Tracht aus der Ackerbauschule handeln. Für unser Museum ist das ein Superstück, eine tolle Geschichte“, sagt die Vorsitzende des Museums-Vereins Marlies Claassen.

Garderobe weicht ab von anderer Festkleidung

Die Tracht ist gleich aus mehreren Gründen etwas ganz Besonderes. So waren in der 1873 eröffneten Ackerbauschule erst ab dem Jahr 1934 Mädchen und Frauen aufgenommen worden, um sie in Hauswirtschaft zu unterrichten. So finden sich in dem Zeugnis von Margarete Bauer auch keine landwirtschaftlichen Fächer, benotet wurden vielmehr Hand- und Nadelarbeiten, Kinder- oder Familienpflege. Die Zeit der „Bäuerlichen Werkschule“, wie die Ackerbauschule im Darguner Schloss in der Zeit des Nationalsozialismus hieß, ist bisher erst wenig erforscht.

Die historische Garderobe mit dem roten Rock und dem dicken schwarzen Saum weicht aber auch deutlich von den anderen damals getragenen Festtagskleidern ab. „Vielleicht gab es hier in jedem Jahrgang eine Änderung“, vermutet Marlies Claassen. Die Trachten wurden an besonderen Feiertagen, aber auch beim sonntäglichen Kirchgang getragen. Dazu passt ein kleines, ebenfalls besticktes Täschchen – wahrscheinlich für das Gesangsbuch.

Die Darguner Ackerbauschule ging am 1. Mai 1945 mit dem Brand des Darguner Schlosses unter. Sie war bis dahin die älteste bäuerliche Bildungseinrichtung Mecklenburgs. Das „Lütt Museum“ widmet der Schule seit vielen Jahren eine kleine Ausstellung mit vielen alten Fotos und Dokumenten. Die Original-Tracht hat mittlerweile in einer Vitrine im Museumswohnzimmer ihren Platz gefunden und kann hier zu den Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden.

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