Bis zum 15. März müssen alle Pflegekräfte einen Impf- oder Genesen-Nachweis bei ihrem Arbeitgeber erbringen. An
Bis zum 15. März müssen alle Pflegekräfte einen Impf- oder Genesen-Nachweis bei ihrem Arbeitgeber erbringen. Anderenfalls drohen Sanktionen bis zum Tätigkeitsverbot. Marijan Murat
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Treibt die Corona-Impfpflicht Altenheime in den Notstand?

Weil ab der nächsten Woche eine Impfpflicht gilt, müssen sich die Einrichtungsleitungen jetzt mit ihrem ungeimpften Personal beschäftigen. Doch das ist gar nicht so einfach.
Malchin

Das DRK-Pflegeheim in Teterow hatte es Anfang Februar schwer getroffen. Auf bis zu 40 Prozent ihrer Pflegekräfte musste die Einrichtung wegen Corona-Infektionen oder Quarantäne-Maßnahmen verzichten. Die verbliebenen Pflegekräfte arbeiteten daraufhin teils in Zwölf-Stunden-Schichten, um die Ausfälle auszugleichen, berichtet der Leiter des Pflegeheimes Ronald Hinkelmann. Die Situation habe sich mittlerweile aber wieder beruhigt: Jetzt fehle nur noch eine Mitarbeiterin krankheitsbedingt.

Zahl der Ungeimpften ändert sich ständig

Dagegen hat das Diakonie-Seniorenzentrum in Gnoien derzeit noch mit größeren Ausfällen zu tun. 15 Prozent der Pflegekräfte fehlten wegen Corona-Erkrankungen oder Quarantäne. Betroffen seien meist Eltern von Kindern und Jugendlichen, die sich im Kindergarten oder in der Schule ansteckten. In den Pflegeheimen in Malchin, Teterow und Dargun ist die Situation dagegen entspannter.

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In der nächsten Woche kommt nun auch noch die einrichtungsbezogene Impfpflicht dazu, die die Pflegeheime vor weitere Unsicherheiten stellt. Doch wie hoch ist eigentlich die aktuelle Impfquote in den Einrichtungen genau? Ganz so einfach lasse sich das nicht beantworten, heißt es aus mehreren Pflegeheimen. Das Awo-Pflegeheim in Dargun beispielsweise erfasst zwar den Impfstatus, will aber keine konkrete Quote angeben. Die Zahl der Ungeimpften ändere sich fortlaufend, weil einige Pflegekräfte sich kurzfristig für eine Impfung entscheiden oder eine Infektion durchmachen und damit als genesen gelten. Was die Impfpflicht für die Darguner Einrichtung bedeutet, darüber will Awo-Geschäftsführerin Karola Schumann nicht spekulieren. Die Meldung an das Gesundheitsamt erfolge in jedem Fall wie vorgesehen bis Ende März.

Nur ein Heim mit Impfquote von 100 Prozent

Zwischen 80 und 90 Prozent der Mitarbeiter seien im Diakonie-Heim in Gnoien geimpft oder genesen, schätzt Doreen Verfürth von der Diakonie „Mecklenburgische Seenplatte“ ein, die das Maria--und-Marta-Haus betreibt. Auch sie sagt, die Zahl schwanke ständig, da Pflegekräfte sich teils infizieren und der Status sich ändere. Sie hofft, dass es nicht zu einem Betretungs- oder Tätigkeitsverbot für Ungeimpfte kommt, sagt Doreen Verfürth. Anderenfalls seien Einschränkungen in der Pflege programmiert.

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Im Kursana-Seniorenzentrum in Stavenhagen liegt die Impfquote der Beschäftigten dagegen bei 100 Prozent, heißt es aus der Einrichtung. Im Teterower DRK-Pflegeheim sei die Impfquote mittlerweile ebenfalls sehr hoch – nur eine Person habe noch keinen Piks bekommen. Das DRK selbst werde keine Kündigung aussprechen, versichert Leiter Hinkelmann. Das weitere Vorgehen müsse das Gesundheitsamt entscheiden.

Im Caritas-Pflegeheim St.  Ansgar in Teterow haben fünf von 30 Pflegekräften noch keine Impfung erhalten, berichtet Leiterin Gesine Fox. Auch sie sieht es kritisch, wenn ungeimpfte Pflegekräfte den Beruf nicht mehr ausüben könnten – in dem Teterower Heim würden schließlich alle Vorsichtsmaßnahmen und Regeln eingehalten und es gebe tägliche Tests.

Arbeitsverbot in jedem Fall das falsche Signal

Anders stellt sich die Situation im Malchiner Seniorenzentrum an der Bleiche dar. Bisher habe man sich geweigert, den Impfstatus konkret zu erfassen – dies sei aus Gründen des Datenschutzes problematisch, findet Torsten Ehlers, Sprecher des Güstrower Diakonie-Vereins, der Träger des Heimes ist. In dieser Woche habe aber das Gesundheitsamt erstmals dazu aufgefordert, eine Liste mit den Namen der Ungeimpften zu erstellen. Die Diakonie sei nicht glücklich darüber, aber werde der Aufforderung nachkommen. Eine konkrete Impfquote kann Ehlers nicht nennen, da der Impfstatus bisher nicht konkret erfasst wurde. Er schätzt sie grob auf 70 bis 80 Prozent. Ein drohendes Arbeitsverbot für ungeimpfte Pflegekräften sei in jedem Fall das falsche Signal, erklärt Ehlers. Der Arbeitsmarkt für Pflegepersonal sei ohnehin schon „leer gefegt“, man steuere auf einen Pflegenotstand zu.

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Gekündigt hat wegen der Impfpflicht in den befragten Einrichtungen bislang keine Pflegekraft. In Stavenhagen wollte man allerdings auch keine Auskunft über Kündigungen und infektionsbedingte Fehlzeiten geben.

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