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„Trümmermann“ zeigt Schülern Alkohol-Abgründe

In der Teterower Stadtbibliothek berichtet Autor Joachim Schwarz Schülern, wie Alkohol sein Leben zertrümmerte. [KT_CREDIT] FOTO: MG

VonMathias GreisertSeine schärfste Waffe ist die Wahrheit. Der trockene Alkoholiker Joachim Schwarze teilt in Teterow mit Schülern die Geschichte seiner ...

VonMathias Greisert

Seine schärfste Waffe ist die Wahrheit. Der trockene Alkoholiker Joachim Schwarze teilt in Teterow mit Schülern die Geschichte seiner Sucht und gibt ihnen einen unerwarteten Rat.

Teterow.Betretenes Schweigen. Als Joachim Schwarze in der Teterower Stadtbibliothek den Schnelldurchlauf seiner 30 Jahre Alkohol- und Medikamentenmissbrauch beendet, hat keiner der Jugendlichen eine Frage. „Erst mal sacken lassen?“, fragt eine Lehrerin. Die Achtklässler nicken stumm.
Erst im Februar waren zwei 13-jährige Mitschüler mit Verdacht auf Alkoholvergiftung im Krankenhaus gelandet (der Nordkurier berichtete). Zur bundesweiten Aktionswoche gegen Alkoholmissbrauch hörten die Jugendlichen nun die Geschichte des gebürtigen Hallensers Schwarze, die er während seiner Entwöhnungstherapie 2009 als Tagebuch aufgeschrieben hat. „Der Trümmermann“ wurde zum Bestseller.
Wie der 49-Jährige sagt, hat er erst durch das Schreiben erkannt, was ihn in die Sucht trieb und wie sehr sie ihn schließlich beherrschte. Er erzählt, wie er nach einem traumatischen Erlebnis während seiner Armeezeit das erste Mal gezielt trank, um sich zu betäuben. Das war Anfang der 1980er-Jahre und Schwarze bereits ein geübter Trinker. Er erzählt, wie er immer mehr brauchte, um zu verdrängen, zu vergessen, um schlafen zu können. Als er nach der Wende merkt, dass sich sein Alkoholkonsum mit seiner Tätigkeit als Krankenpfleger nicht verträgt, weicht er zum Arbeiten auf Beruhigungsmittel und Opiate aus. Zur Jahrtausendwende trinkt er an seinen freien Tagen 20 Bier in drei Stunden. Schonungslos schildert er, wie seine Persönlichkeit sich veränderte, wie er gewalttätig wurde, seine Frau bei jeder sich bietenden Gelegenheit betrog. „Heute ekele ich mich vor dem, der ich damals war“, sagt er und gibt den Jugendlichen zum Abschied einen unerwarteten Rat: „Probiert ruhig alles aus, was euch Spaß macht. Vergesst nur eure Träume nicht, und passt auf, dass nichts wichtiger wird als diese Träume.“ Denn Süchte, egal ob nach Alkohol oder Spielen, töteten immer Träume und endeten alle gleich: mit einem würdelosen, einsamen Tod.
Wie mehrere der Schüler nach der Lesung unverhohlen zugeben, haben auch sie schon Alkohol getrunken. Sie würden sogar regelmäßig zu Bier, Wein und Schnaps greifen, sagen zwei der Jungen. Außerdem rauche er eine ganze Schachtel Zigaretten am Tag, erzählt einer von ihnen. Nur beim Stichwort Drogen wehren die beiden entschieden ab. „Aber wenn man das so jetzt so hört, wird man schon nachdenklich“, so der Ältere.

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m.greisert@nordkurier.de