Alle für einen, einer für alle: Die Mitglieder der „Bruderschaft der freyen Leut“ zeigen auf dem Markt,
Alle für einen, einer für alle: Die Mitglieder der „Bruderschaft der freyen Leut“ zeigen auf dem Markt, wie man mit Schwertern kämpft. Nadine Schuldt
Daumen hoch: Jens Toralf Krase freut sich, dass der zweite Markt der Geschichte in Glasow stattfindet.
Daumen hoch: Jens Toralf Krase freut sich, dass der zweite Markt der Geschichte in Glasow stattfindet. Nadine Schuldt
Die Märchentante Runa alias Maria Willmer wird zusammen mit Drache Gregor Geschichten von nordischen Gottheiten erzä
Die Märchentante Runa alias Maria Willmer wird zusammen mit Drache Gregor Geschichten von nordischen Gottheiten erzählen. Nadine Schuldt
Markttreiben und Schaukämpfe

Verein macht in Glasow Geschichte lebendig

Im kleinen Örtchen Glasow können Besucher am Wochenende in die Zeit der Ritter und Gaukler eintauchen. Ein besonderer Markt macht es möglich.
Glasow

Wer am Sonnabend und Sonntag in Glasow ein „Donnern“ hört, sollte sich nicht erschrecken. Mit Kanonenschüssen wird dort der „2. Markt der Geschichte zu Glasow“ um 10 Uhr eröffnet. Nur wenig später können Besucher über einen ritterlichen Schwerkampf von Mitgliedern der „Bruderschaft der freyen Leut“ staunen. „Wir wollen einen Einblick geben, wie Kämpfe und das Leben vor vielen Jahrhunderten abliefen“, erläutert Peter Kondel, der einen Ritter mimt und auch sein Zelt mitgebracht hat. Neben den Rittern sind auch Landsknechte, Wächter der Stralsunder Stadtwache sowie die Söldnertruppe „Glasower Haufen“ vor Ort.

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Dunkle Zeit

Letztere gehört zum Verein Wendenland, Ort der Begegnung, der die Veranstaltung organisiert. Doch ist es angesichts des Krieges in der Ukraine überhaupt angebracht, Schaukämpfe darzustellen? „Für uns ist Krieg das Schlimmste, was es gibt“, stellt Vereinsvorsitzender Jens Toralf Krase klar. Allerdings seien in der Zeit der Reformation und in den Jahren danach Söldner allgegenwärtig gewesen. Es sei damals eine dunkle Zeit gewesen – auch in der hiesigen Region. Im Dreißigjährigen Krieg seien sowohl schwedische als auch kaiserliche Truppen drei Mal durch Teterow gezogen, hebt er hervor. Er weiß, wovon er spricht – der Verein befasst sich mit der Geschichte der Reformation von 1400 bis 1700.

Geschichtsträchtiger Boden

Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass der 2. Markt der Geschichte in Glasow abgehalten wird. So sei Glasow vor vielen Jahrhunderten das Nebengut von Bristow und Bülow, die verschiedenen adeligen Familien gehörten, gewesen. Zudem sei die Kirche in Bristow, der Nachbarort von Glasow, 1601 fertiggestellt worden und seines Kenntnisstandes die älteste protestantisch geweihte Kirche auf der Welt, so Krase. Die Fläche, die nun für die aktuelle Veranstaltung genutzt werde, sei auch früher der zentrale Platz für Feste und Feiern gewesen, erläutert der 51-Jährige. Damit nun alles reibungslos klappe, sei bereits vor zwei Wochen angefangen worden, das Gelände herzurichten und die Zelte aufzubauen.

Angebote für Kinder

Denn der Verein hat neben den Schaukämpfen auch ein abwechslungsreiches Markt-Treiben mit kulinarischen Genüssen, interessanten Handwerken wie Holz- oder Stoffarbeiten sowie Live-Musik zusammengestellt. So bietet Jürgen Kaiser alias Fuselfix an seinem Stand viele edle Tropfen an – beispielsweise einen Butterscotch nach einem alten Rezept aus Alaska. Auch für die kleinen Besucher gibt es viele Angebote: Sie können unter anderem den Geschichten der Märchentante Runa lauschen oder ihre Geschicklichkeit unter anderem beim Armbrustschießen oder bei der Kinderlehrschmiede ausprobieren. Abgerundet wird das Programm am Samstagabend mit Live-Musik sowie einer großen Feuershow.

Geldspende von der Gemeinde

Obwohl bislang mit der Organisation alles geklappt habe, gebe es für ihn auch einen kleinen Wermutstropfen, so Krase. Er bedauere, dass es von der Gemeindevertretung kaum Resonanz zu ihren Vorhaben gebe. Allerdings habe ihnen die Gemeinde eine kleine Geldspende zur Verfügung gestellt, freut er sich dann doch.

Man unterstütze die aktuelle Veranstaltung auch mit Sitzbänken, ergänzt Glasows Bürgermeisterin Kerstin Kuhn. „Grundsätzlich ist es gut, dass es in der Gemeinde Leute gibt, die etwas bewegen“, sagt sie.

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