Misswirtschaft bei Sportförderung
Veruntreuung? Kreissportbund drohte Insolvenz

An diesem Wochenende findet das Weihnachtsboxturnier in Teterow statt. Ohne Zuschüsse vom Kreis wäre das nicht finanzierbar, betont Vereinsvorsitzender Michael Blumenau.  
An diesem Wochenende findet das Weihnachtsboxturnier in Teterow statt. Ohne Zuschüsse vom Kreis wäre das nicht finanzierbar, betont Vereinsvorsitzender Michael Blumenau.
Hans Werner Ruge

Im Landkreis Rostock scheint die Sportförderung aus dem Ruder gelaufen zu sein. Gegen den bisherigen Geschäftsführer des Sportbundes ermittelt die Polizei.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Dem Kreissportbund (KSB) im Landkreis Rostock drohte die Insolvenz. Der KSB sieht sich mit finanziellen Forderungen von Seiten des Landkreises Rostock sowie des Landessportbundes konfrontiert, die nicht beglichen werden können. Gegen den bisherigen Geschäftsführer Thomas Tiede. läuft ein Ermittlungsverfahren. Er steht im Verdacht, Gelder veruntreut zu haben. Er ist Ende November von seiner Funktion abberufen worden.

Wie Torsten Haverland, Geschäftsführer des Landessportbundes, Freitagnachmittag informierte, konnte die Insolvenz des KSB noch einmal abgewendet werden. Eine Überbrückung offener Forderungen sei gewährleistet. Der Verband selbst stundet seine Ansprüche. „Wir wollen den Kreissportbund nicht noch mehr in Schwierigkeiten bringen. Jetzt kann der Betrieb erstmal weiter gehen.“

Vereine sind auf Fördermittel angewiesen

Michael Blumenau, Vorsitzender der SSV Einheit Teterow, des größten Sportvereins der Bergringstadt, ist dennoch erschüttert. „Wir sind auf die Fördermittel des Kreissportbundes angewiesen. Sollten die wegbrechen, müssten wir uns das Geld woanders besorgen, denn unsere Mitglieder können diese Beträge nicht aufbringen“, sagt er.

Der Vereinschef verweist auf das 49. Weihnachtsboxturnier am Wochenende. 800 Euro Zuschuss vom Kreis sind da fest eingeplant. „Wenn diese Unterstützung ausbleibt, wird es kein 50. Turnier geben.“ An den Zuschüssen hänge ebenfalls die Herbstregatta der Segler.

Kreis macht Sport-Förderung in Eigenregie

Im Güstrower Landratsamt leuchten die Lampen beim Stichwort Kreissportbund schon seit längerem rot. Bereits 2016 hatte der Landkreis die Förderpraxis im Sport höchst kritisch bewertet. Aus einem daraufhin erfolgten Prüfverfahren ergaben sich Rückforderungen für die Jahre 2016/17 in Höhe von über 37 600 Euro. Gründe für die Forderung waren, dass Mittel nicht verwendet bzw. nicht zweckentsprechend eingesetzt worden sind. So hatte der Sportbund zum einen weniger Geld an Vereine weitergeleitet und dafür mehr in die eigene Geschäftsstelle investiert.

Wie Kreissprecher Michael Fengler anmerkt, sind für Forderungen von 2016 einige Raten gezahlt worden. Der Löwenanteil stehe aber noch aus. Für die Ansprüche aus 2017 läuft noch ein Widerspruchsverfahren. Letzteres könne eine vertiefte Prüfung nach sich ziehen.

Angesichts der alarmierenden Situation hat Landrat Sebastian Constien für den 11. Dezember ein Krisengespräch mit Vertretern des Kreissportbundes angesetzt. Mit Jahresbeginn 2019 wird der Landkreis die Förderung im Kinder- und Jugendsport vollständig in seine eigene Regie übernehmen, kündigte der Kreissprecher an.