Andreas Lange, Bürgermeister von Teterow, sieht sich einem Bürgerentscheid gegenüber.
Andreas Lange, Bürgermeister von Teterow, sieht sich einem Bürgerentscheid gegenüber. Thomas Koch
CDU-Fraktionschef Matthias Hantel (Mitte) bei der Stimmabgabe. Über den Bürgerentscheid wurde am Mittwochabend in ge
CDU-Fraktionschef Matthias Hantel (Mitte) bei der Stimmabgabe. Über den Bürgerentscheid wurde am Mittwochabend in geheimer Wahl abgestimmt. Thomas Koch
Bürgerentscheid

Veruntreuung? Teterower entscheiden über Zukunft des Bürgermeisters

Das Verhältnis zwischen Teretower Stadtvertretung und Bürgermeister Andreas Lange gilt seit Monaten als zerstört. Lange soll Geld zulasten der Stadt veruntreut haben.
Teterow

Jetzt haben es die Einwohner der Stadt Teterow in der Hand. Mit einem Bürgerentscheid werden sie am 3. Juli darüber befinden, ob Andreas Lange (parteilos) weiterhin Bürgermeister der Bergringstadt sein soll. Auf einer Sondersitzung im Rathaussaal haben die Stadtvertreter am Mittwochabend mit deutlicher Mehrheit für den Bürgerentscheid gestimmt. 17 Abgeordnete stimmten dafür, drei dagegen. Damit wurde die nötige Zweidrittelmehrheit sogar noch übertroffen.

Vorwürfe treffen offenbar zu

Das Vertrauensverhältnis zwischen Abgeordneten und Rathauschef gilt seit Monaten als gestört. Das Fass zum Überlaufen brachten Vorwürfe gegen Andreas Lange, in seiner Zeit als Fraktionschef der Linken Sitzungsprotokolle gefälscht und damit Geld zulasten der Stadt Teterow veruntreut zu haben. Diese Vorwürfe haben sich nach einer Prüfung durch eine Sonderkommission vor einigen Tagen offenbar bestätigt. Nach Nordkurier-Informationen handelte es sich bei den Protokollmanipulationen nicht um Einzelfälle. Die Rede ist von mehr als 50 Fällen. Ob damit tatsächlich schon alle Manipulationen aufgedeckt sind, ist fraglich. Alle infrage kommenden Protokolle seien durch die Sonderkommission noch nicht in Augenschein genommen worden.

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Dass es für ihn keine schöne Angelegenheit und alles andere als eine Freude sei, so eine Sondersitzung einzuberufen, das betonte am Mittwochabend Bürgervorsteher Werner Herzlik. Man habe dem Bürgermeister mehrfach die Möglichkeit gegeben, sich zu den schweren Vorwürfen zu äußern. Da seitens des Rathauschefs keine Reaktion gekommen sei, habe man keine andere Wahl, als den Weg des Bürgerentscheides zu gehen.

Bürgermeister nimmt Votum ohne Reaktion auf

Auf Antrag von Stadtvertreter Jürgen Wasner (CDU) erfolgte die Abstimmung über den Bürgerentscheid in geheimer Wahl. Wortlos verfolgte Andreas Lange den gesamten Verlauf der Sitzung. Als CDU-Fraktionsmitglied Hannes Dettmann um Punkt 18.33 Uhr das Abstimmungsergebnis bekannt gab, nahm der Bürgermeister das Votum nach außen hin emotionslos entgegen.

Wie aus Stadtvertreterkreisen bekannt wurde, hatten mehrere Abgeordnete dem Rathauschef in den vergangenen Tagen noch ans Herz gelegt, von sich aus zurückzutreten, um weiteren Schaden vom Amt des Bürgermeisters und von der Stadt Teterow abzuwenden. Dazu sah sich Andreas Lange aber offenbar nicht veranlasst.

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Über sein Schicksal wird nun am 3. Juli mit Urnen- und Briefwahl entschieden. Nach Aussage der städtischen Wahlleiterin hätte auch die Möglichkeit bestanden, ausschließlich mittels Briefwahl abzustimmen. Die Stadtvertreter sprachen sich allerdings dagegen aus. Für die Abwahl des Bürgermeisters hat der Gesetzgeber die Latte sehr hoch gelegt. Dafür müssten am 3. Juli ein Drittel der Wahlberechtigten an der Abstimmung teilnehmen und zwei Drittel von ihnen auch für die Abberufung stimmen.

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