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Gericht

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War der Angeklagte die Marionette des Rotlichtkönigs?

Schon seltsam: Diverse Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt sollen Bestechungsgelder angenommen haben. Nur einer sitzt jetzt auf der Anklagebank.
Schon seltsam: Diverse Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt sollen Bestechungsgelder angenommen haben. Nur einer sitzt jetzt auf der Anklagebank.
Peter Steffen

Wann wird Freundschaft kriminell? Der Strafprozess gegen einen Justizvollzugsbeamten neigt sich dem Ende zu. Es geht um eine Rotlichgröße, Vorteilsnahme und Bestechung.

Für die Staatsanwältin gab es keine Zweifel. Das was Roland R. da getan hat, war nicht nur distanzlos, nicht nur eine Bekanntschaft oder Freundschaft. Der Mitarbeiter einer Vollzugsanstalt habe sich zur Marionette für den Rotlicht-König Arthur B. machen lassen.

Anfangs ging es - ganz harmlos - nur um Verabredungen zum Grillen oder zum Pilzesammeln. Doch Arthur B. brauchte Kontakte in das Bützower Gefängnis. Wege hinein und hinaus für Nachrichten, Handys und andere Dinge. Und da soll dann Roland R. ins Spiel gekommen sein. 15 000 Euro BEstechungsgeld soll er dafür kassiert haben. Neben dem Angeklagten und seiner Lebensgefährtin Sibylle S. beteiligten sich auch etliche Justizangestellte der JVA Bützow an den Geldgeschäften. Das alles sei belegt zum einen durch die Aussagen von Zeugen Norbert, die die Geld- und Handyübergaben bestätigten, durch Quittungen und Überweisungen und auch durch die Telefonüberwachung.

"Keine Chance, jemals wieder aus diesem Kreislauf herauszukommen"

"Arthur B. hatte sich in der JVA mit Roland R. eine Marionette aufgebaut, die keine Chance hatte, jemals wieder aus diesem Kreislauf herauszukommen", sagte die Staatsanwältin. "Der Angeklagte hat schwerwiegende Dienstpflichtverletzungen begangen und der Justiz große Nachteile zugefügt". Er habe nur aus Geldgier gehandelt, denn er befand sich nicht in finanzieller Not. Die Staatsanwältin fordert eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten sowie die Rückzahlung der 15000 Euro Bestechungsgeld.

Die Verteidigung hielt sich an das Urteil des Amtsgerichtes Güstrow vom 22. Dezember 2009 in der selben Angelegenheit und plädierte auf Freispruch. Der Verteidiger sprach einem Zeugen jegliche Glaubwürdigkeit ab. Sein Mandant säße als einziger auf der Anklagebank, obwohl etliche Kollegen sich auch an dem Geldgeschäft beteiligt hätten. Sie hätten sogar zugegeben, Handys in die JVA geschmuggelt zu haben. Das Verfahren sei in der Verhandlung verdreht worden. Die Vorgabe des Justizministeriums hätte eben geheißen: "Wir müssen hier ein Ergebnis finden, das uns ermöglicht, den Angeklagten aus dem Dienst zu entfernen".

Die Urteilsverkündung ist am 3. November.