Die Teterower Fußball-Ikone Gerd Kische. Vor wenigen Tagen ist er 70 Jahre alt geworden. Zuhause ist Gerd Kische heute i
Die Teterower Fußball-Ikone Gerd Kische. Vor wenigen Tagen ist er 70 Jahre alt geworden. Zuhause ist Gerd Kische heute in einem kleinen Dorf in der Nähe von Laage. Thomas Koch
Gerd Kische (links) im Trikot der DDR-Nationalmannschaft. Mit seinem Team bezwang er bei der Weltmeisterschaft 1974 die Auswahl der Bundesrepublik mit 1:0.
Gerd Kische (links) im Trikot der DDR-Nationalmannschaft. Mit seinem Team bezwang er bei der Weltmeisterschaft 1974 die Auswahl der Bundesrepublik mit 1:0. NK-Archiv
Olympisches Gold

Warum Gerd Kische ein fast vergessener Fußballheld aus Teterow ist

Er war Nationalspieler in der ehemaligen DDR und langjähriger Kapitän des FC Hansa Rostock: Gerd Kische. Obwohl er große Erfolge feierte, hat er in seiner Heimatstadt von offizieller Seite nie große Wertschätzung erfahren.
Teterow

Von seinem Wohnort, einem kleinen Dorf in der Nähe von Laage, in seine Heimatstadt Teterow sind es noch nicht einmal dreißig Kilometer. Und dennoch scheint es so, als liege mitunter eine kleine Welt zwischen ihm und der Stadt, in der er einst aufgewachsen ist, sich die ersten fußballerischen Sporen verdiente und den Grundstein für eine sportliche Karriere legte, die ihn buchstäblich bis auf den Olymp führen sollte. Nein, die Liebe zu Teterow sei Gerd Kische nie abhandengekommen, sagt er. Er sei immer wieder gerne hier, schätze Ausflugsziele wie die Heidberge und die Burgwallinsel und kehre auch immer wieder gerne ein in die vielen guten Restaurants der Stadt, erzählt er.

Spielte gegen Beckenbauer, Müller und Netzer

Und dennoch: Trotz der vielen sportlichen Meriten, die der heute 70-Jährige im Laufe seiner Fußballerlaufbahn sammeln konnte, scheint die Bergringstadt nie so richtig warm geworden zu sein mit einem ihrer großen Sporthelden. Und das ist Kische zweifellos. Im Trikot der DDR-Nationalmannschaft hat er gegen alle Größen seiner Zeit gespielt. Neeskens, Cryff, Beckenbauer, Müller, Keegan, Netzer – kaum ein Weltstar fehlt in der langen Liste seiner Gegenspieler. Der Teterower Verteidiger – er war gleichermaßen geschätzt und gefürchtet. Wer in den Strafraum und Richtung Tor wollte, musste an der Mecklenburgischen Eiche vorbei, musste fürchten abgegrätscht zu werden oder auch schon mal den einen oder anderen blauen Fleck in Kauf nehmen. Das alles aber zumeist im Rahmen der sportlichen Regeln.

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Der Grundstein für seine Karriere wurde auf einem Teterower Fußballplatz gelegt, der heute fast schon in Vergessenheit geraten ist: der Sportplatz am Grünen Weg. Schon als Dreikäsehoch stand er hier Wochenende für Wochenende mit Vater und Onkel als Zuschauer an der Eckfahne und verfolgte die Spiele der ersten Männermannschaft, die seinerzeit sogar in der zweiten DDR-Liga kickte. Auf dem Platz stehen und Erfolge feiern, das wollte Kische auch.

Und er machte seinen Weg: Bei der BSG Einheit Teterow durchlief er alle Kinder und Jugendmannschaften, erinnert sich bis heute gern zurück an den strengen, aber stets fairen Trainer Gnefkow. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, vor allem seine Schnelligkeit, hatten sich schon bald über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen, sodass er als gerade einmal 17-Jähriger zum Zweitliga-Team Post Neubrandenburg und nur zwei Jahre später zum „Stern des Nordens“ – zum FC Hansa Rostock – wechselte. Kische war oben angekommen: DDR-Oberliga. Und es sollte noch besser werden.

Viele Teterower freuten sich, wenn er mit Hansa Punkte einfuhr

An der Ostsee hatte er gerade seine ersten Spiele absolviert, da meldete sich Nationaltrainer Georg Buschner bei ihm und berief ihn in die Nationalmannschaft der DDR. Für die sollte er in den nächsten Jahren 63 Mal das Trikot überstreifen und Erfolge feiern, die kein Team zuvor und keins danach erreichte. Auch wenn er als Fußballer die große, weite Welt zu sehen bekam – was Millionen Menschen damals verwehrt blieb –, die Bindung zu seiner Heimatstadt hat er auch in der Zeit nie verloren. Schließlich hatte er Familie und Freunde hier. Und die standen regelmäßig auf der Besucherliste. Natürlich nahmen viele Teterower Notiz von seinen sportlichen Erfolgen, freuten sich mit ihm, wenn er mit Hansa Punkte einfuhr oder als Nationalspieler von sich reden machte. Dass seine sportlichen Leistungen aber auch mal von offizieller Zeit seiner Heimatstadt eine Wertschätzung erfuhren, hat Gerd Kische bis zu seinem Karriereende und bis zum heutigen Tag nicht erlebt.

Erstmals sei ihm das bewusst geworden, als die DDR-Mannschaft bei der WM 1974 in der Bundesrepublik für Furore sorgte. Als einziges Team konnte die Buschner-Elf den späteren Weltmeister und „Klassenfeind“ BRD mit Beckenbauer und Co. mit 1:0 in die Knie zwingen. Am Ende landete die Mannschaft auf einem phänomenalen sechsten Platz. Auf ein Glückwunsch-Telegramm aus dem Teterower Rathaus, eine Einladung aus der Bergringstadt – darauf wartete Kische aber danach vergebens.

Kehrte aus Montreal mit Olympischem Gold wieder

Nicht anders war es, als er nur zwei Jahre später von den Olympischen Spielen in Montreal sogar mit einer Goldmedaille zurückkehrte. Auch danach war die Anerkennung von offizieller Teterower Seite gleich null. „Nein, ich bin niemandem böse. Das macht sicherlich jede Stadt anders. Aber ich habe es beispielsweise bei meinem damaligen Mannschaftskollegen Jürgen Croy erlebt. Der wurde im Rathaus seiner Heimatstadt Zwickau gefeiert wie ein Held und sogar Ehrenbürger der Stadt“, erinnert sich Kische. Warum er in Teterow diese Wertschätzung nie erfahren hat, das würde er aber auch heute noch gerne wissen.

Sei es, wie sei. Kische ist mit sich im Reinen, genießt seinen Ruhestand, geht gerne auf die Jagd und schaut sich hin wieder Heimspiele seines FC Hansa an. Groll auf seine Heimatstadt? Nein, solche Gefühle seien ihm fremd. Denn bis zum heutigen Tag gibt es viele Teterower, die wissen, was er als Fußballer geleistet hat. Und das sei ihm immer wichtiger als ein Orden oder die Eintragung in ein Goldenes Buch. Mehr als verdient, und auch darin sind sich viele Teterower einig, hätte er diese Wertschätzung aber allemal.

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