Das Steintor war vor 130 Jahren schon einmal bis auf den Torbogen abgetragen worden. Doch dann protestierten die Malchiner geg
Das Steintor war vor 130 Jahren schon einmal bis auf den Torbogen abgetragen worden. Doch dann protestierten die Malchiner gegen den Abriss und das Tor wurde samt Innenraum wieder aufgebaut. Torsten Bengelsdorf
Tourismus

Entsteht bald eine Ferienwohnung im Steintor von Malchin?

Nach sechs Jahren hat der Kinder- und Jugendtreff das historische Bauwerk wieder verlassen. Doch das Tor-Innere ist viel zu schade, um es jetzt leer stehen zu lassen.
Malchin

Einen Hochzeitsboom hatte Malchins Steintor nicht gerade ausgelöst. Nachdem der Innenraum in den 1990er Jahren aufwendig restauriert worden war, galt das historische Bauwerk eine Zeit lang als Außenstelle des Standesamtes. Doch nur wenige Paare gaben sich hier das Ja-Wort. Ohnehin war das Tor-Innere ja eigentlich mehr als Treffpunkt für die Malchiner Vereine gedacht, doch für betagte Mitglieder war dann doch die beschwerliche Treppe hinauf immer eine ziemliche Hürde.

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Sechs Jahre lang musste sich Malchin nun keine Gedanken mehr machen, was man mit dem einzigen zugänglichen Raum der alten Stadtbefestigung anfangen kann. Der Kinder- und Jugendtreff war hier nämlich im Frühjahr 2016 eingezogen, nachdem im Malchiner Jugendklub die Lichter ausgegangen waren.

Zu unpraktisch für Jugendarbeit

Da sich der Treffpunkt aber auch etwas älteren Schülern öffnen will, erwies sich der Torraum zuletzt als ziemlich unpraktisch, so dass sich der Verein „KiJu-Treff Malchin“ für die jungen Leute mittlerweile in der Achterstraße eingerichtet hat und man im Rathaus nun wieder vor dem Rätsel steht: Was kann man mit einem solch geschichtsträchtigen Gebäude nur anfangen?

Eigentlich war das Tor-Schicksal ja bereits vor 130 Jahren besiegelt. Das Steintor war damals in keinem guten Zustand und die Durchfahrt stellte eher ein Verkehrshindernis dar. Als dann auch noch ein herabfallender Stein einen Passanten verletzte, hatten die Stadtväter genug und beschlossen den Abriss, der – so beschreiben es die Gebrüder Böttcher in ihrem Buch „Malchin – Ein historischer Rückblick in Bildern“ – auch sofort in Angriff genommen wurde.

Ferienwohnung vorstellbar

Eine Unterschriftensammlung und ein Einspruch des Großherzogs stoppten jedoch die Arbeiten und das Tor wurde wieder aufgebaut. Für alle Zeit leer stehen soll das Steintor nach dem Auszug der Kinder und Jugendlichen nun aber nicht. Ein Verkauf kommt selbstverständlich nicht infrage, stellt Bürgermeister Axel Müller (CDU) klar. Wäre ja noch schöner, wenn Malchin einen Teil seiner Historie auf diese Weise verscherbelt.

„Eine Idee ist, in dem Tor jetzt eine Ferienwohnung einzurichten“, sagt der Bürgermeister. Gebucht werden könnte die noble Unterkunft dann über die Stadtinformation. Das Rathaus könnte im Steintor zwischendurch aber auch mal offizielle Gäste der Stadt unterbringen.

Doch ist der Innenraum dafür eigentlich geeignet? Doch, doch, sagt der Bürgermeister. Im geräumigen Torraum mit seinen vergitterten Fenstern führt eine Treppe zu einem Podest, das sich als Schlafzimmer anbieten würde. Auch über Sanitäranlagen verfügt das 1894 wiederaufgebaute Steintor.

Malchin wäre nicht die einzige Stadt, die ein Stadttor als Herberge nutzt. Demmin zum Beispiel hat sein Luisentor vor 15 Jahren als Gästehaus der Stadt eingerichtet. Und das ist es bis heute. Auch in Neubrandenburg verfolgt man ähnliche Pläne.

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