Nils Saemann hat sein Wahlkreisbüro in der Teterower Pferdemarktstraße. Seine Mitarbeiterin heißt Grit Schmel
Nils Saemann hat sein Wahlkreisbüro in der Teterower Pferdemarktstraße. Seine Mitarbeiterin heißt Grit Schmelzer, die er nun als Fraktionsvorsitzende ablöst. Thomas Koch
Nils Saemann (SPD)
Nils Saemann (SPD) ZVG
Kommunalpolitik

Was ist da los bei der Teterower SPD?

Die Teterower SPD-Fraktion hat in dieser Woche ihre Vorsitzende Grit Schmelzer abgesetzt. Über die Gründe dafür wird derzeit in der Bergringstadt kräftig spekuliert.
Teterow

Das hat es in der mehr als dreißigjährigen Geschichte der Stadtvertretung noch nicht gegeben. Eine Fraktion entmachtet die eigene Vorsitzende und will sie auch gleich noch von fast allen Funktionen im Stadtparlament abberufen. Die „Palastrevolution“ der Teterower SPD gegen ihre Fraktionsvorsitzende Grit Schmelzer schlägt in dieser Woche hohe Wellen in der Bergringstadt.

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Ihren Fraktionsvorsitz ist Grit Schmelzer bereits los. Auf dem Posten wird künftig Nils Saemann sitzen. Auf der nächsten Stadtvertretersitzung in der kommenden Woche soll Schmelzer nun auch noch ihren Sitz im Hauptausschuss, im Aufsichtsrat der Stadtwerke und ihr Amt als stellvertretende Bürgervorsteherin verlieren. Die Abberufungsanträge hat ihr Genosse Nils Saemann bereits beim Teterower Bürgervorsteher Werner Herzlik (CDU) eingereicht.

Waren kritische Fragen der Grund?

Die aufständischen SPD-Stadtvertreter, zu denen neben Saemann die Abgeordneten Adi Schlaak und Maik Wahlandt gehören, begründen die personellen Veränderungen mit der Kommunalwahl im kommenden Jahr, für die man sich neu und breiter aufstellen wolle. Dass das nur ein vorgeschobener Grund ist, steht nicht nur für die betroffene Grit Schmelzer fest. Was dort gerade mit ihr gemacht werde, dafür findet sie deutliche Worte: „Unterste Schublade!“.

Vermutlich sei sie einigen im Rathaus und auch einigen ihrer Parteikollegen einfach zu unbequem geworden, meint sie. Nach Nordkurier-Informationen soll sie vor einigen Tagen im Aufsichtsrat der Stadtwerke jede Menge kritische Fragen zum Thema „Burgwall“ gestellt und sich damit den Unmut von einem Parteikollegen zugezogen haben. Über weitere Gründe für ihre „Entmachtung“ wird in diesen Tagen ganz kräftig spekuliert in der Bergringstadt.

Profitiert Schwiegersohn von der Absetzung?

Immer wieder wird dabei an das Jahr 2021 erinnert. Seinerzeit wollte Grit Schmelzer ihrem Genossen Nils Saemann das Direktmandat für den Landtag streitig machen, hatte dafür sogar die Rückdeckung vom Teterower Ortsverband. Die Teterower Sozialdemokraten waren äußerst unzufrieden mit dem, was Nils Saemann als Abgeordneter in der Landeshauptstadt für seine Heimatregion leistete. Oder besser: Was er nicht leistete.

Saemann schaffte es allerdings, die anderen Ortsvereine in seinem Wahlkreis auf seine Seite zu bringen, landete am Ende doch als Direktkandidat auf dem Wahlzettel und schaffte erneut den Einzug ins Schweriner Parlament. Um seine Teterower Parteifreunde zu versöhnen, kündigte er gleich nach der Wahl an: „Ich werde fortan wieder öfter aus dem Schützengraben kommen und mich mehr zeigen in meinem Wahlkreis“, versprach er.

Späte Rache von Nils Saemann

Dass er nun aus dem Schützengraben gekommen ist, um ausgerechnet seine Teterower SPD-Fraktionsvorsitzende „abzuschießen“, damit hatte dann aber wohl doch keiner gerechnet. Da wundert es kaum, dass nicht wenige die jetzt geplanten Abberufungen von Grit Schmelzer als späte Rache und Retourkutsche von Nils Saemann für ihr damaliges Bemühen um das Landtagsmandat bewerten.

Und noch eine pikante Note hat das Ränkespiel bei den Teterower Sozialdemokraten. Wenn Grit Schmelzer am kommenden Donnerstag tatsächlich aus dem Aufsichtsrat der Stadtwerke abberufen werden sollte, dann steht mit Norman Pehl bereits der Nachfolger fest. Und das für einen Posten, der allmonatlich immerhin mit einer Aufwandsentschädigung von 100 Euro vergütet wird – egal, ob eine Sitzung stattfindet oder auch nicht. Pikant ist das Ganze deshalb, weil Norman Pehl der Schwiegersohn von Nils Saemann ist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und hier womöglich Vetternwirtschaft vermutet, heißt es aus Teterower Stadtvertreterkreisen.

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